Neuer deutscher Ski-Star Thomas Dreßen: "I gfrei mi brutal"

Am Ende eine halbe Sekunde hinter Beat Feuz: Abfahrer Thomas Dreßen auf der Kandahar. Foto: dpa

Beim Heimrennen auf der Kandahar fährt der Streif-Sieger Thomas Dreßen auf den siebten Platz. "Was anders is? Dass a Gams dahoam steht. Ansonsten is ned wirklich wos anders", sagt er.

Die Sonne im Zielraum der Kandahar-Abfahrt strahlt fast so breit und ausladend wie Thomas Dreßen, und doch muss sich der jetzt schon legendäre Streif-Sieger tatsächlich fragen lassen, an was es denn heuer gelegen habe, und ob er denn nun mit diesem siebten Platz überhaupt zufrieden sein könne. Jedem anderen wären in diesem Moment wohl die Gesichtszüge verrutscht, er hätte auf "patzig" geschaltet und eine entsprechende Antwort gegeben. Nicht so Dreßen. Der sagt zum fünfbesten Abfahrtsergebnis seiner Karriere im besten Dialekt-Mix einfach nur: "Wenn i jetzt da ned zfrieden bin, g’heerad i g’schlogn. Die vor mir sann ja aa koane Nasnbohrer."

So isser, der Thomas Dreßen: immer schön geradeheraus, unverstellt und bloß nicht plötzlich Hochdeutsch reden, nur weil man gerade mal zur lebenden Ski-Legende geworden ist. Und so geht’s weiter im O-Ton Süd: "Man muss ja nur schaugn, wie’s letztes Jahr bei mir g’loffen ist und wie es heuer lafft. Schon vor der Saison hib i g’sogt: ,Für mich ist das Wichtigste die Konstanz.’ Und bisher war i bei jeder Abfahrt Top 15: vier Mal Top Ten, zwei Mal Podium, ein Mal g’wonnen – da kann man mit nem siebten Platz ganz gut zufrieden sein."

Das kann er in der Tat, der Mittenwalder. Platz sieben beim Heimrennen auf der schwierigen Kandahar-Abfahrt. "Die steht der Streif kaum nach", sagt Dreßen, "die Strecke ist auch nicht ohne. Das ist kein Licht drin, nur beim Start und beim Abschwingen. Ansonsten ist das ein finsteres Loch."

"Für uns ist er wie ein Lottogewinn."

Und dennoch hat er sich dort gut zurechtgefunden, nur fünf Zehntel Rückstand auf den Sieger Beat Feuz und vor allem dem gewaltigen Erwartungsdruck standgehalten. In seinem Heimatort Mittenwald verkauft eine Bäckerei seit seinem Streif-Sieg "Drezn" statt Brezn, ein Fan-Klub wurde gegründet, und Peter Fischer vom Garmischer Organisationskommitee jubelte: "Für uns ist er wie ein Lottogewinn."

Dem jungen Mann gibt all der Zuspruch Selbstvertrauen für die nächsten Wettbewerbe, und die finden demnächst bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang statt, Dreßens Premiere. Zwar ist er dort schon im vergangenen Jahr gestartet, kam damals jedoch gerade aus einer Verletzungspause zurück und war auch "technisch noch auf einem ganz anderen Level", wie er selbst sagt. Wobei wir bei seinen "Fehlern" auf der Kandahar sind. Ton an: "Bei der Anfahrt zum Freien Fall bin i a bissl umadum g’schwunga, in der Weltgschicht umanand gefahrn. Aber fünf Zehntel ist ja jetzt keine Welt, des basst scho." Man könnte ihm stundenlang zuhören.

Und vor allem will man natürlich wissen, ob und wie sich die Welt für diesen so bodenständigen Menschen verändert hat seit seinem Überraschungs-Coup auf der Streif. Die Antwort ist dann doch eher wenig überraschend: "Was anders is? Dass a Gams dahoam steht. Ansonsten is ned wirklich wos anders. Gut, es hängt ned mehr nur oa Mikro vor meiner Nosn, sondern fuffzehne. Für mi selber hod si nix g’ändert. I gfrei mi brutal, dass das Ding dahoam steht, aber die Herangehensweise is koa andere wie davor." Und wo steht die Gams? Neben dem Fernseher – i hab noch keinen andern Platz gefunden. Do steht’s guad, und der Hund basst aa guad drauf auf."

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