Der russische Problembär: Valery Gergiev, designierter Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, unterstützt mit seiner Unterschrift in der Zeitung „Iswestija“ die Krim-Politik von Putin

Es sei „alles andere als normal“, was dort passiere, sagte der in Russland geborene Staatsopern-Generalmusikdirektor Kirill Petrenko bei der Vorstellung der kommenden Saison im Nationaltheater. Und er fügte hinzu: „Ich hoffe auf eine politische Lösung, die die Souveränität der Ukraine nicht antastet.“

Schon damals, vor einer Woche, schoss einem die Frage durch den Kopf: Was hätte Valery Gergiev wohl geantwortet? Obwohl man es nach der peinlichen Verteidigung der russischen Anti-Schwulen-Gesetze durch den künftigen Chef der Münchner Philharmoniker eigentlich nicht wirklich wissen wollte.

Nun weiß man, leider, was Gergiev über die gegenwärtige politische Lage denkt: Sein Name steht auf einer Liste russischer Künstler, die sich hinter Putins Krim-Politik stellen und die von der in Moskau erscheinenden Zeitung „Iswestija“ veröffentlicht wurde. Neben Gergiev haben den Brief bisher rund 70 Künstler unterstützt, darunter der Bratschist Yuri Bashmet und der Pianist Denis Matsuev.

„In den Tagen, da sich das Schicksal unserer Landsleute auf der Krim entscheidet, können russische Kulturschaffende nicht mit kaltem Herzen gleichgültig zusehen“, heißt es in der Erklärung. „Unsere gemeinsame Geschichte, unsere kulturellen Wurzeln und gemeinsamen Werte vereinen uns für immer. Wir sehen, dass die Vereinigung unserer Völker und Kulturen eine starke Zukunft hat. Daher bekräftigen wir die Position des Präsidenten der russischen Föderation zur Ukraine und der Krim.“

In Russland Patriot, hier fragwürdig

Dem ist nun, sofern die Unterschrift echt ist, nichts hinzuzufügen. Gergiev unterstützt die gewaltsame Annexion der Krim. Konsequent wäre es: Schon 2008 ergriff er im militärischen Konflikt zwischen Georgien und Russland als Patriot Partei für seine Heimat und dirigierte in den Ruinen der süd-ossetischen Hauptstadt Zchinwali Schostakowitschs Leningrader Symphonie.

Über die Umstände, wie Gergievs Name unter diese Erklärung gekommen ist, liegen derzeit keine Informationen vor. Bei den Philharmonikern wirkte man überrascht, das Kulturreferat wollte keine Stellungnahme abgeben.

Putins Politik klebt an Gergiev wie ein alter Kaugummi. Will die Stadt zusehen, wie vor dem nächsten Auftritt Gergievs im Gasteig nun die Ukrainer demonstrieren – wie die schwullesbische Community vor dem letzten Konzert?

Aufklärung tut also dringend Not. Sollte Gergiev die Erklärung mit voller Überzeugung unterschrieben haben, kann er unmöglich ab 2015 der teuerste Angestellte der Stadt München werden.