Neubebauung an der Fauststraße Trudering: "Warum legt die Politik hier kein Veto ein?"

Hier soll neu gebaut werden: das Areal an der Fauststraße. Foto: Gabriele Mühlthaler

Hunderte Truderinger wehren sich gegen die Neubebauung an der Fauststraße – aus ganz verschiedenen Gründen.

Trudering - Keine Bebauung auf den rund 24.000 Quadratmetern Fläche am südlichen Ende der Fauststraße ist das Credo einer Gruppe Waldtruderinger, die kürzlich eine Online-Petition dazu auf den Weg gebracht hatte (AZ berichtete). Der Eigentümer will 80 Wohnungen errichten und das seit 40 Jahren eingezäunte Gelände zwischen nördlichem und südlichem Bannwald für alle zugänglich machen.

Jetzt stellte die Stadt die ersten Planungen vor. Knapp 300 Bürger waren ins Kulturzentrum Trudering gekommen, Hochspannung lag in der Luft. Bezirksausschuss-Chef Otto Steinberger (CSU) musste mehrmals um "Disziplin und Sachlichkeit" bitten.

Auf dem Areal befinden sich Sportanlagen, 1971 von der Neuen Heimat gebaut und später von einer Privatschule genutzt. Nach jahrelangem Leerstand zogen 2015 Flüchtlinge ein und Anfang 2017 wieder aus.

Weit mehr Bäume würden gepflanzt als gefällt

Der Stadtrat hatte die Verwaltung Ende 2016 beauftragt, einen Bebauungsplan aufzustellen. Steidle Architekten und Mahl-Gebhard-Konzepte legten einen Entwurf vor, der die sensiblen Belange des Landschaftsschutzegebiets berücksichtigt, den südlichen und nördlichen Wald vernetzt sowie in der Höhe unter der Baumsilhouette bleibt.

"Sie können erstmals diese bisher abgesperrte Fläche betreten", so der städtische Grünplaner Hans Konrad. Doch die Bürger schimpften über Bauten im Landschafts- und Wasserschutzgebiet: "Warum legt die Politik kein Veto ein?" Konrad erklärte, in München gebe es oft Bauten in solchen Bereichen. "Das ist rechtens, wenn es keine Verschlechterung für die Natur gibt. Hier wird aufgewertet durch weniger Versiegelung, durch einen Mischwald." Weit mehr Bäume würden gepflanzt als gefällt.

Die ganze Grenzkolonie stehe auf Wasserschutzgebiet. Angst haben die Leute vor mehr Verkehr und Parkdruck. 300 zusätzlichen Fahrten in 24 Stunden bezeichnete Planer Harald Schnell als vernachlässigbar. "Unverschämtheit!", tönte es ihm entgegen. Neu in München auch die Besucher-Stellplätze in der Tiefgarage zum Schutz vor Straßenparkern. Dass die Stadt dem Eigentümer des Areals nicht Sport- statt Wohnnutzung vorschreiben kann, kam bei den Bürgern nicht an. "Wir werden alles gegen die Bebauung unternehmen", stellte ein Anwohner klar.

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