Bisher war es der „Ring“ unseres künftigen Münchner Generalmusikdirektors. Kirill Petrenko, der in Wien musikalisch geformte Russe, arbeitet mit feinem Sinn Linien und Farben heraus, begleitet geschmeidig und hat einen hinreißenden Sinn für den Aufbau musikalischer Spannung.

Auch der erste Aufzug von „Siegfried“ löste das bisher gegebene musikalische Versprechen ein. Petrenko holte im kurzen Orchestervorspiel das Lauernd-Bedrohliche heraus, ohne je dick aufzutragen oder das Bayreuther Festspielorchester zu übersteuern. Auch das Komische dieses „Ring“-Scherzos kam bestens heraus. Die Geschichte spielte diesmal vor dem Mount Rushmore, allerdings mit den Köpfen von Marx, Lenin, Stalin und Mao. Dort lebt Mime, der im „Rheingold“ die Regenbogenfahne der Schwulen-Bewegung hisste, offenbar mit dem Bären zusammen, den wir als Barkeeper aus dem Motel des ersten „Ring“-Teils kennen. Siegfried sparte sich das Schmieden. Er baut stattdessen zwei Maschinenpistolen zusammen und nimmt am Ende ein fertiges Schwert auf dem Weg zu Fafners Höhle mit.

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Lance Ryan, bekannt aus dem Münchner „Ring“, ist seit Jahrzehnten der einzige Siegfried, der bei den Schmiedeliedern nicht auf das Mitleid des Zuhörers angewiesen ist. Das Timbre ist zwar nicht wirklich schön, aber sein mühelos heldisches Strahlen setzt immer wieder in Erstaunen. Exzellent auch Burkhard Ulrich als scharf deklamierender Mime. Wolfgang Koch, der als Wanderer wieder metallische Kraft mit lyrischen Qualitäten verbindet, schien ein Zombie zu sein und ähnelte ziemlich seinem Enkel Siegfried. Castorf verzichtete vorläufig auf die Mauerschau durch Video-Projektionen. Auch die Nahaufnahme unvermeidlich spuckender Sänger blieben einem erspart. Auch die in der „Walküre“ so wichtige Geschichte der Ölförderung zwischen Texas und Aserbaidschan blieb vorläufig ausgespart.

Zur ersten Pause gab es in Richtung Regie gemeinte Buhs sowie Jubel für die Sänger. Auf der linken Bühnenseite leuchtete ein rundes grünes (Berliner?) S-Bahn-Schild auf. Und hinter dem Mount Rushmore ist das alte DDR-Kaufhaus am Alexanderplatz zu ahnen. Ob‘s im zweiten oder dritten Aufzug sichtbar wurde, darüber morgen mehr.