Nachruf "Aufamoi is vorbei": Towje Kleiner ist tot

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Als Nachfolger vom Meister Eder spielt Kleiner in den 90ern den Schiffskoch Odessi an der Seite des Kobolds Pumuckl. Foto: Cinetext

Er war der Achmed in „Münchner Geschichten” und der Koch in den Pumuckl-Filmen: In der Nacht auf Montag ist Schauspieler Towje Kleiner im Alter von 63 Jahren unerwartet gestorben.

MÜNCHEN/GMUND - Wenn das Wort TV-Kult passt, dann auf die Szene, in der drei Freunde, die die Namen Zorro, Gringo und Zapata tragen, auf dem Weg nach Sacramento sind. Towje Kleiner war der Zapata in Helmut Dietls „Münchner Geschichten“, er spielte damals den singenden Taxler Achmed. Jetzt ist der Schauspieler im Alter von nur 63 Jahren unerwartet gestorben.

„Auch für uns kam die Nachricht vom Tode Towjes überraschend“, sagt Konstantin Schirk von der Produktionsfirma Infafilm, mit der Kleiner viel gearbeitet hatte und persönlich verbunden war. Ein Freund der Familie sagt: „Das ist ein Schock“. Aufgewachsen ist der Sohn jüdischer Eltern in Israel, Schweden, Kanada, England, Argentinien und Deutschland. Sein Bühnendebüt gab er 1969 in Israel. In München war es Helmut Dietl, der den Mann mit dem dunklen Schnauzer entdeckte.

Nach den Münchner Geschichten spielte Kleiner in Dietls Serie „Der ganze normale Wahnsinn“ den Chaoten Maximilian Glanz, der eine aussichtslose Beziehung zu Gloria (Mo Schwarz) pflegt. Die immer noch aktuelle und bis heute unbeantwortete Frage Maximilians lautet: „Woran liegt es, dass der Einzelne sich nicht wohlfühlt, obwohl es uns allen so gut geht?“ Mit Kleiner und Dietl prallten zwei Sturköpfe aufeinander, beide haben später auch von ihren Zoffs erzählt. (siehe rechts).

Kleiner war kein Typ von der Stange, er war Individualist. Bei all seiner Komik wirkte er immer auch ein bisschen melancholisch. Noch bis Ende der 90er drehte er viel: Kinder liebten ihn als Schiffskoch in vielen „Pumuckl“-Folgen. Vor mehr als zehn Jahren zog Kleiner sich zurück, nahm keine Rollen mehr an. Mit seiner Frau Uschi Lebte er am Tegernsee, liebevoll kümmerte er sich auch um seine Enkelin. In Israel unterrichtete er hin und wieder junge Schauspieler.

„Ich mache Pause, vielleicht halte ich noch ein paar Jahre durch“, sagte er in einem Interview 2008. Stammgast war Kleiner im Winklstüberl in Fischbachau, das seine Kollegin Thekla Mayhoff („Der Kaiser von Schexing“) betreibt. „Er war oft mit der Familie da. Er wirkte lebensfroh und glücklich. Ein absoluter Familienmensch“, sagt Mayhoff der AZ. Wenn Freunde aus Israel zu Besuch waren, bestellte er im Winklstüberl immer die Holländer-Kirsch-Torte.

Mayhoff: „Er sagte, in Israel würden sie am Strand schon über unsre Holländer-Kirsch reden.“ In einem der seltenen Interviews sagte Kleiner: „Ich höre immer, das Leben geht so schnell vorbei. Doch wenn man zurückschaut, ist schon viel passiert.“ Der Gringo aus den „Münchner Geschichten“ drückt es anders aus. Am Ufer der Isar – beziehungsweise des Rio Bravo – sagt er zu seinem Freund Zapata: „So is des im Lebn: Erst is schee – und aufamoi is ois vorbei.“


 

 

 



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