Nach ständigen Lärm-Beschwerden München bekommt leisere Laubbläser

Laubbläser im Einsatz: Der Lärm geht vielen Münchnern auf die Nerven. Foto: dpa

Laubbläser sind der natürliche Feind ruhebedürftiger Menschen. Der Lärm ist einfach ohrenbetäubend. Die meisten Städte haben auf  Beschwerden von Bürgern reagiert – auch München.

München - Lärmgeplagten Städtern sind sie schon lange ein Dorn im Auge. Und auch Naturschützer ziehen seit Jahren gegen röhrende Laubsauger und Laubbläser in Parks und städtischen Grünanlagen zu Felde. Im Kampf gegen die herbstlichen Blättermassen will dennoch kaum eine bayerische Stadt auf die tragbaren Turboturbinen verzichten, die Blätter mit bis 250 Stundenkilometern zu Haufen blasen. Zu hoch wären die Kosten, wenn die Städte ihre Reinigungstrupps im Herbst wieder zu Harken und Rechen greifen ließen, wirbt man in den Rathäusern um Verständnis.

In einem Punkt sind die Kommunen aber inzwischen zu Zugeständnissen bereit: Statt der mehr als 100 Dezibel lauten benzingetriebenen Laubbläser statten die bayerische Großstädte ihre Reinigertrupps immer häufiger mit elektrobetriebenen Akku-Laubbläsern aus. Auf Laubsauger verzichten die meisten Kommunen zum Schutz von Kleinstlebewesen in den Parkanlagen inzwischen sogar komplett. Privatleuten empfiehlt die Stadt Besen
und Harken Allein die Stadt Nürnberg hat in diesem Herbst bereits 20 Elektro-Laubbläser im Einsatz. „Die sind nicht lauter als ein Fön“, berichtet die Sprecherin des für die öffentlichen Parkanlagen zuständigen „Service Öffentlicher Raum“ (SÖR), Ulrike Goecken-Haidl.

Dass trotzdem noch immer rund 150 knatternde Motorbläser in Nürnberg jeden Herbst zum Einsatz kommen, hat nach Angaben der SÖR-Sprecherin vor allem finanzielle Gründe: „Ein Bläser mit Benzinmotor kostet in der Anschaffung 800 Euro, ein Akku-Laubbläser dagegen 2700“.

Einen Trend zum leiseren Elektro-Laubbläser gibt es auch in München, Würzburg und Augsburg. Dabei macht die Leiterin des Augsburger Amts für Grünordnung, Annette Vedder, auch klar, dass die Akku-Geräte nicht nur Vorteile haben. Sie seien nicht so langlebig wie Motorgeräte, ihre Einsatzzeit sei auf drei Stunden begrenzt und daher für große Flächen ungeeignet. Dass es ohne Laubbläser nicht mehr gehe, davon ist aber auch Vedder überzeugt. Große Rasenareale per Harke vom Herbstlaub zu befreien, könne sich heute keine Kommune mehr leisten.
Außerdem sei der Einsatz der Laubbläser schonender als die Arbeit mit groben Harken, ist sie überzeugt.

Das scheinen nicht alle Kommunen so zu sehen. Denn auch wenn sie selbst aus Kostengründen auf Laubbläser setzen – Privatleuten rät etwa die Stadt München im Kampf gegen das Herbstlaub von den dröhnenden Geräten ab – und empfiehlt Harken und Besen.

Denn bei Laubbläsern gibt es ein großes Dilemma: Sie können nur bei trockenem Wetter eingesetzt werden. „Dabei wird dann aber viel Staub aufgewirbelt“, gibt das Referat für Umwelt und Gesundheit in der Landeshauptstadt zu bedenken. Untersuchungen hätten nämlich gezeigt, dass die Blasgeräte mit dem Laub auch Blütenpollen und Mikroorganismen hoch wirbelten und so den Luftkeimgehalt erhöhten.

Der Kampf gegen die Feinstaub-Belastung hat inzwischen das österreichische Bundesland Steiermark zu drastischen Schritten veranlasst: In den Städten Graz und Leibnitz mit der größten Feinstaubelastung ist seit 1. Oktober 2014 der Einsatz von Laubbläsern generell verboten – testweise für ein Jahr. Untersuchungen der Uni Graz hatten ergeben, dass bei der Arbeit mit Harken und Besen 65 Prozent weniger Feinstaub-Emissionen anfallen als mit Laubbläsern.

Die Reaktion der Bevölkerung auf das Verbot sei „durchweg positiv – vor allem wegen des verringerten Lärms in den Straßen und Parks von Graz und Leibnitz“, berichtet ein Regierungssprecher.
Nicht ganz so glücklich ist hingegen die Stadtverwaltung von Graz. Nach einer Rechnung der Stadtverwaltung ersetzt ein Laubbläser etwa vier fegende Arbeiter. In der mit 500 000 Einwohnern doppelt so großen Stadt Nürnberg hält man den Verzicht auf Laubbläser angesichts des Spardrucks für geradezu undenkbar. „Ohne Laubbläser hätten wir bei der Laubbeseitigung jährlich 1,5 Millionen Euro Mehrkosten“, heißt es.

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