Der Stürmer ist die Reizfigur. Hier lesen Sie, warum Jupp Heynckes verärgert auf die Debatte reagiert, die sein Spezl Uli Hoeneß angstoßen hat. Auch die Fans sind gespalten

MÜNCHEN Endlich mal wieder in der Startelf, wenn auch nur in einem Testspiel. Dennoch war es ein gutes Gefühl für Mario Gomez, als er am Mittwoch beim 3:2 in Kaiserslautern von Beginn an stürmen durfte. Er ist ja kein Jokertyp. Auf der China-Reise kam er, frisch zurück aus dem Nach-EM-Urlaub, jeweils zur zweiten Halbzeit. Einmal löste er Claudio Pizarro ab, dann Mario Mandzukic, seine neuen Konkurrenten. Im Kick gegen die Paulaner-Auswahl hatte er seinen Fünf-Tore-Auftritt ebenfalls erst nach der Pause.

Auf dem Betzenberg fehlte Gomez eine Portion Glück zu einem Treffer, nach 59 Minuten war Feierabend. Lange nicht Schluss wird mit den Diskussionen um seine Person sein, die Präsident Uli Hoeneß losgetreten hat. „Nur gut und nicht sehr gut”, urteilte Hoeneß und erklärte in der AZ, was er sich dabei gedacht hat: „Ich muss Mario manchmal ein bisschen ärgern. Er hat ein gewisses Phlegma, das muss man ihm austreiben.”

Die Schelte rief Unverständnis hervor. Vor allem bei Trainer Jupp Heynckes, einem engen Freund von Hoeneß. Der bezeichnete die Diskussionen um Gomez als „Unsinn”. Im „Kicker” meinte Heynckes: „Manchmal gilt das Sprichwort: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.”

Und der Betroffene? Gomez schweigt. Vernimmt der 27-Jährige die Kritik ähnlich gelassen wie während der EM, als ihn ARD-Experte Mehmet Scholl angegangen war mit dem Spruch „Ich hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt und mal gewendet werden muss”? Damals hatte es aus der Heimat nur Unterstützung von Christian Nerlinger gegeben, mittlerweile Ex-Sportdirektor der Bayern.

„Ich glaube nicht, dass Mario ein Sensibelchen ist. Und ich fand schon die Diskussion bei der Nationalmannschaft während der EM sehr kontraproduktiv”, sagte nun Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Ich denke, dass Mario sich das nicht so zu Herzen nimmt. Er muss damit leben”, sagte Heynckes. Mit Hoeneß und dessen Strategien. Seinen Vertrag hat Gomez im Frühjahr bis 2016 verlängert. Könnte sein, dass er bis dahin die Reizfigur des Klubs bleibt.

Gomez polarisiert. Einerseits Weltklassestürmer, drei EM-Treffer, Torschützenkönig. Ein Chancentod, schimpfen andere. „Mario ist einer der weltbesten Stürmer”, sagte Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld, „in der Liga gibt es keinen besseren Stürmer. Lewandowski und Huntelaar haben das gleiche Niveau.” Fakt ist: Gomez hat in seinen drei Bayern-Jahren eine sensationelle Tor-Quote, es könnte aber mehr sein. Das meint Hoeneß.

Und dann schaut Gomez auch noch gut aus! Ein Schönling sagen die einen, ein Schnösel andere. Durch und durch trainiert, Sixpack, Waschbrettbauch – alles da. Dazu die Gel-Frisur. Das bringt Werbepartner (aktuell ist er zu sehen in Designer-Outfits für den Männerduft „Boss Bottled”).

Die Fans sind zwiegespalten in ihrer Meinung über den Mittelstürmer. Das erklärt Hans Gehrlein, der Präsident der „13 Höslwanger”: „Beim Mario sprechen die Tore für sich, er ist ein erstklassiger Stürmer. Aber ihm fehlen noch die ganz großen Titel.” Die hatte ein Bruno Labbadia (erzielte zwischen 1991 und ’94 nur 28 Tore in 82 Ligaspielen) auch nicht gewonnen. „Der Bruno war damals einfach mit Herzblut dabei, hat sich immer voll reingehauen und euphorisch gejubelt”, erinnert sich Gehrlein und erklärt: „Gomez ist da reservierter, bescheidener. Außerdem: den Namen Labbadia kannst als Fan besser singen. Gomez ist schon beliebt, es fehlt ihm etwas die Leidenschaft und manchmal gibt er halt den Stolperer.”

Die Kritik von Hoeneß soll einen positiven Effekt haben, das hofft jedenfalls Hitzfeld: „Uli Hoeneß denkt leistungsbezogen, er versucht, bei Mario ein paar Prozent rauszukitzeln.”

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