Das 3:1 beim FC Arsenal war eine Macht-Demonstration erster Klasse. Präsident Hoeneß gerät ins Schwärmen, Trainer Heynckes fand es „exzellent”

London - Stell dir vor, du siegst bei einem der besten Teams Europas mit 3:1 - und die eigenen Fans pfeifen dich aus. So geschehen am Dienstagabend nach der Demonstration des FC Bayern gegen den FC Arsenal, immerhin noch Teil der „Big Four", der großen Vier in Englands Premier League. Weil die Spieler des deutschen Rekordmeisters im Emirates nach Spielschluss nur ganz kurz zum Feiern in die Gästekurve links vom „Clock's End" kamen und sich nicht zur Jubel-Humba auf den nasskalten Rasen knien wollten, pfiffen die Fans für einen kurzen Moment. Der einzige Misston einer rauschenden Nacht.

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Als Karl-Heinz Rummenigge später auf dem Sieger-Bankett im Ballsaal des Landmark-Hotels zum Mikrophon griff, strahlten seine Augen mit den Kronleuchtern um die Wette. „Es war ein klasse Spiel", befand der Vorstandsboss. Die Spieler hätten das „extrem hohe Niveau” der bisherigen Spiele „nochmal ein Stück” angehoben: „Das war die beste Saisonleistung.” Und: „Wenn man nach diesem Spiel meckern würde, war man im falschen Film."

Auch Präsident Uli Hoeneß kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. „Ich habe lange Zeit keine Bayern-Mannschaft gesehen, die so wie in der ersten halben Stunde gespielt hat – besser kann man nicht spielen.” Good, better, Bayern – gut, besser, Bayern?

Wer soll sie noch stoppen? Hinter London, wo die Bayern bis Dienstag noch nie gewinnen konnten, ist schon mal ein Haken, das Viertelfinale nur noch Formsache. Real, Barca, Manchester? Bring it on, würde man in England sagen – nur her damit! Es hatte wahrlich etwas von einer kleinen Machtdemonstration, wie Bayern mit Arsenal umsprang. „Wie im Lehrbuch” fand Hoeneß die erste Halbzeit, Trainer Jupp Heynckes benutzte Wörter wie „exzellent, überzeugend, überragend". Kalt bis ans Blut hätte er noch hinzufügen können. Er sagte: „Was meine Mannschaft auszeichnet, ist, dass sie den kleinsten Fehler des Gegners ausnutzt."

Dietmar Hamann, Ex-Spieler des FC Bayern und langjähriger England-Legionär, brachte es via „Twitter” auf den Punkt: „Bayern hat Arsenal in Stücke gerissen", befand der Ex-Nationalspieler und machte sein Fazit vor allem am Duell zwischen Bastian Schweinsteiger, Vize-Kapitän der Bayern, und Jack Wilshere, dem wohl größten Talent des englischen Fußballs, fest: „Schweinsteiger hat heute gezeigt, wer Weltklasse ist und wer nicht. Nennt mich harsch, aber bei Bayern wäre Wilshere nicht mal Stammspieler."

Dass die Spieler selbst nicht über die Maßen feierten, hieß nur eins: Wir sind noch lange nicht am Ziel, das Emirates war nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zum Finale in Wembley. Den gehen die Münchner mit Demut, zeigen sich als Meister des Tiefstapelns. „Das ist ein perfektes Ergebnis, aber noch sind wir nicht weiter”, warnte Kapitän Lahm. Thomas Müller, Vorbereiter des 1:0 und Schütze des 2:0 wollte die Leistung gar nur in den Bereich „mittelgut bis gut” einordnen. Sein Treffer, fast im Liegen: kein Kunststück, eher was für Hobbykicker: „Ich kenne Leute aus meinem Bekanntenkreis, die den auch gemacht hätten." Und nach dem zwischenzeitlichen 1:2 von Lukas Podolski habe man sogar „ein bisschen gewackelt", moserte der Angreifer: „Aber uns zeichnet halt aus, dass wir dagegenhalten und den Deckel drauf machen.”

Rummenigge ergänzte: „Die Brust ist breit, aber: Erst mal ins Viertelfinale reinkommen, nicht zu weit denken. Die Champions League verzeiht keine Fehler. Es ist noch ein langer Weg - hoffentlich.”

Im Mai wollen die Bayern anlässlich des Finals wieder im Landmark-Hotel anstoßen - dort, wo schon der deutsche EM-Titel 1996 begossen wurde. „Wir sind hier gut aufgehoben", sagte Rummenigge im Ballsaal: „Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen.”