Unter ihm verpasste Deutschland erstmals Olympia: Hier spricht Trainer Pat Cortina über das Debakel gegen Österreich, die Probleme zwischen DEB und DEL – und seine Doppelbelastung

AZ: Herr Cortina, am Sonntag hat ihre Nationalmannschaft die Qualifikation für Olympia 2014 verpasst. Wie geht es Ihnen nach einer Nacht?

PAT CORTINA: Okay, ich denke, ich bin nicht glücklich. Ich bin nicht in der Situation, in der ich jetzt gerne wäre. Ich bin sogar unglücklich und traurig für das deutsche Eishockey. Kein Mensch plant zu scheitern, darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht, deswegen ist das eine ganz neue Situation für mich. Auch die Nacht war nicht einfach. Jetzt müssen wir die Stärke aufbringen nach vorne zu schauen. Wer ein stolzer Mann ist, der hinterfragt sich selbst um besser zu werden, zu wachsen und Verantwortung als Führungspersönlichkeit zu übernehmen.

Die Chance, sich für Sotschi zu qualifizieren hatte der DEB schon bei der letzten WM. Jetzt müssen Sie dafür geradestehen, dass es nicht geklappt hat.

Ich bin froh, dass Sie das sagen. Klar ist, dass das nicht die einzige Chance auf die Qualifikation war. Natürlich sind wir das erste Mal seit 56 Jahren nicht dabei, aber es hätte ja auch schon früher klappen können. Ich möchte auch gar keine Entschuldigungen suchen, denn so ist eben der Sport.

Haben Sie denn schon ein erstes Fazit gezogen letzte Nacht?

Nein so weit bin ich noch nicht. Aber ich kann sagen, dass wir gegen Holland ein positives Ergebnis (5:1, die Red.) erzielt haben und trotzdem nicht gut gespielt haben. Diese schlechten Verhaltensweisen haben wir gegen Italien (1:2 n.V.) auch mitgebracht und das hat dann eben nicht gereicht. Und auch wenn wir gegen Österreich viele Chancen haben, zählt das Ergebnis. Als aber feststand, dass wir es nicht geschafft haben und noch die Verlängerung gegen Österreich spielen mussten, war das schon sehr hart. Viele haben gesagt, dann lasst uns das wenigstens noch gewinnen, aber schön war es nicht. Ganz sicher darüber, wie das alles passieren konnte, bin ich aber noch nicht.

Und für Sie persönlich? Schlimmer hätte der Pflichtspiel-Einstand ja nicht werden können.

Ich bin noch sehr glücklich als Bundestrainer. Dass ich zur falschen Zeit am falschen Ort war, kann man heute noch nicht sagen. Das geht erst, wenn mein Job vorbei ist. Aber es geht doch gar nicht so sehr um mich und wie ich mich fühle. Es geht um das deutsche Eishockey. Und das hatte in den letzten Jahren, nicht nur letzte Woche, keine gute Zeit. Wenn solche Dinge wie jetzt passieren, muss jeder anfangen, Lösungen für diese Situation zu finden. Wären wir nach Sotschi gefahren, wäre alles gleich geblieben.

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Was meinen Sie genau?

Es ist viel passiert im deutschen Eishockey. Der Eishockeybund und die DEL betonen immer zusammen arbeiten zu wollen, sind aber noch nicht auf dem besten Weg. Außerdem muss die Nationalmannschaft ihr ganz eigenes Leben haben. Sie muss das wichtigste Team sein, das ist die Vision, die wir noch verbreiten müssen. Heute ist sie ein wichtiges Team, kommt aber immer noch nach den Vereinen. Ich verstehe das auch ein wenig, weil die Klubs die Spieler bezahlen. Aber das Nationalteam lebt von seiner Priorität, das ist derzeit nicht immer der Fall.

Es gibt schon nach Ihrem ersten wichtigen Turnier Stimmen, die Sie nur als Notlösung bezeichnen. Wie sehr tut das weh?

Mich überrascht das gar nicht. Diese Stimmen hat es schon bei meiner Anstellung gegeben. Nach dem erfolgreichen Deutschland-Cup haben diese Kritiker den Mund gehalten und jetzt sind sie eben wieder da. Ich vertraue da auf meine Spieler, was von ihnen zurück kommt. Manche werden diese Kritik beeinflussen, die meisten aber nicht. Ich bin jetzt schon seit 25 Jahren Trainer, da lernt man, dass man nicht immer alle glücklich machen kann.

Am Dienstag kehren Sie zum EHC zurück. Sind die beiden Aufgaben jetzt nicht doch zu viel?

Hätte ich ein Tor mehr dabei, würde ich mit voller Energie zurückkommen. Zu viel sind mir die beiden Jobs immer noch nicht. Jetzt muss ich eben professionell sein. Ich werde am Dienstag auch sicher nicht mit voller Energie beim EHC stehen. Aber vielleicht schon am Mittwoch. Was ich aber versprechen kann: Immer, wenn man ein Ziel, einen Erfolg nicht erreicht, werde ich noch hungriger auf die nächsten Ziele.