Die Pinakothek der Moderne muss 2013 für mindestens sieben Monate schließen. Aber als Zuckerl für die Besucher gibt’s einen Ausstellungspavillon neben dem Museum

München - Zum Zehnjährigen hatte Klaus Schrenk ganz sicher Angenehmeres im Sinn. Aber Hanseaten sind höflich formulierende Realisten, und so verkündete der Chef der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nach einigen Pirouetten dann doch den absoluten Klops: Im Februar 2013 wird die Pinakothek der Moderne für sieben Monate geschlossen. Die Rotunde muss dringend saniert werden – zehn Jahre nach der Eröffnung.

Die langen Risse im Mauerwerk sind zwar nichts Neues (die AZ berichtete mehrmals), und bislang schienen Renovierungsarbeiten auch bei laufendem Betrieb möglich. Doch der Baustaub würde den kostbaren Exponaten zusetzen. Quellende Ziegelsteine –nicht nur für Kurt Bachmann vom Staatlichen Bauamt München I sind sie ein Novum – müssen ausgetauscht werden. Also wandern sämtliche Schätze des Hauses zur Sicherheit in Depot. Selbst der sonst quietschvergnügte Wolfgang Heubisch gab sich für seine Verhältnisse ziemlich verhalten. Natürlich weiß gerade Bayerns Kunstminister, dass damit das beste Pferd aus dem Rennen geht. Mit gut über 300.000 Besuchern im Jahr fährt die dritte Pinakothek regelmäßig Rekorde ein.

Dass auch Stefan Braunfels zerknirscht ist, versteht sich von selbst. Beim AZ-Anruf in Berlin wusste der Architekt, der den Kunsttempel entworfen hat, noch gar nichts von der Schließung. Er sorgt sich um seinen „wahnsinnig schönen Terrazzofußboden“ und befürchtet ein „Sanierungsergebnis mit störenden Fugen“. Doch ohne die wird’s nicht gehen, meint Bauamtsleiter Bachmann, dem Besucher dürften sie eh nicht auffallen. Und überhaupt würde man die Rotunde so nicht mehr bauen.

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Heubisch und die Museumsleute quälen da ganz andere Sorgen. Die Kosten für die Renovierung scheinen mit 750.000 Euro im Vergleich zur Bausumme von 121 Millionen Euro fast marginal. Und wenn man an die 700 Millionen Euro denkt, die der Freistaat für marode Kulturbauten vom Haus der Kunst (58 Millionen) bis zum Gärtnerplatztheater (70 Mio.) locker machen muss, sind das geradezu Peanuts. Aber das Image wird beträchtlich leiden. Nicht nur bei den vielen internationalen Gästen, die dann vor verschlossenen Türen stehen. Auch Museumspartner werden vor den Kopf gestoßen, denn die Münchner müssen einige Vorhaben verschieben oder sogar absagen. Besonders hart ist die Neue Sammlung betroffen, deren Ausstellungsbetrieb schon vor Monaten fast lahmgelegt wurden.

Doch statt sich zu grämen, will man die Not partout als Chance nutzen, frei nach dem Motto „Schaustelle statt Baustelle“. Eine attraktive Ablenkung soll auf dem freien Areal zwischen Gabelsberger- und Türkenstraße geschaffen werden. Und die Idee eines temporären Ausstellungspavillons ist tatsächlich formidabel. Zumal das Haus den Sommer über, wenn die Touristen kommen, präsent bleibt. Vor allem aber, weil alle vier Sammlungen – die Graphische und das Design, das Architekturmuseum und die Moderne – eine experimentelle Plattform erhalten, die sie nach Gusto und Möglichkeiten mit Ausstellungen, Workshops, Vorträgen, Filmen und anderem bespielen können. Auch vom allseits beliebten „Think Tank“, einem Nachdenk- und Grübelhäusl, ist wieder einmal die Rede.

Andres Lepik, der als Leiter des Architekturmuseums im Herbst die Nachfolge von Winfried Nerdinger antreten wird, hat das Provisorium in Berlin gefunden. Der Entwurf von Jürgen Mayer H. Architekten lag bereits vor und kann binnen kurzer Zeit aufgebaut und den Münchner Ansprüchen angepasst werden. 18 Meter hoch soll der Bau werden und zwischen 300 und 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche liefern. Dazu bietet der von einem flexiblen Stahlgerüst ummantelte Kubus wahrscheinlich eine – vermietbare – Terrasse, die feierlustige Firmen oder professionelle Veranstalter anziehen dürfte. Und mit 750.000 Euro liegt das vom Staat, den Pinakotheks-Freunden und Audi finanzierte Projekt gleichauf mit den Sanierungskosten. Macht summa summarum 1,5 Millionen.

Ersatz sieht anders aus, keine Frage, aber im Gegensatz zu Theatern und Musikbühnen können Museen nicht einfach ins Zelt ziehen. Und womöglich wird der Pavillon wirklich ein Zuckerl. Noch dazu eins zum Nulltarif.