Die Stadt beantwortet erste Fragen zum künftigen Philharmoniker-Chef Valery Gergiev – seine Gage bleibt aber geheim

Der Stadtrat wählte ihn gestern mit „99 Prozent“. Auch auf einer Orchesterversammlung habe es eine „riesige Mehrheit“ für Valery Gergiev gegeben, berichtete Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Der Russe wird 2015 Nachfolger von Lorin Maazel als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Sein Vertrag läuft vorerst für fünf Jahre.

Das Orchester der Stadt habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von Dirigenten ausprobiert, so Intendant Paul Müller. Keiner habe ähnliche „künstlerische Tiefenschichten“ erreicht wie Gergiev beim Schostakowitsch-Zyklus im Vorjahr. Er wurde zum Wunschkandidaten des Orchesters – eine Liebe, die vom Dirigenten erwidert wurde.

Sie haben ihn freilich nicht allein. Gergiev gibt 2015 das London Symphony Orchestra ab, bleibt aber Chef des Petersburger Mariinski Theaters. In München wird er mindestens 11 Kalenderwochen anwesend sein und 30 Konzerte dirigieren, dazu zehn weitere Termine auf Reisen.

Auf die Anekdoten zu Gergievs notorischer Unpünktlichkeit gingen Küppers und Müller nicht ein. Sie erlebten ihn als „Visionär“, gar „Lichtgestalt“. Beim Schostakowitsch-Zyklus habe sich gezeigt, dass er neue und jüngere Publikumsschichten erreichen könnte. Die Ansicht, dass sich Gergievs Petersburger Erfahrungen bei der Jugendarbeit in München nutzbar machen ließen, wirkt naiv – beiden Städte sind kulturell zu verschieden. Und die Nähe Gergievs zu Putin scheint weiterhin keinen zu stören.

Die mit Blick auf Mariss Jansons beim BR und Kirill Petrenko in der Staatsoper gestellte Frage, ob es in der Stadt nicht bald etwas viele Schostakowitsch-Experten gäbe, wurde leichthin abgetan. Müller appellierte an die „Risikobereitschaft“ aller Beteiligten. Er hofft, dass die Präsenz des Russen auch Skeptiker mitreißt: Bereits am 31. Januar ist bei Bruckners Siebter im Gasteig dazu Gelegenheit.
Die Zusammenarbeit mit Lorin Maazel und dem Ehrendirigenten Zubin Mehta wird fortgesetzt. Dagegen ist nichts zu sagen, aber es verwundert, wieso mit keinem Jüngeren die Zusammenarbeit institutionalisiert wird – ähnlich wie beim London Symphony Orchestra, wo Daniel Harding derzeit neben Gergiev als Erster Gastdirigent wirkt.

Eines hat die Stadt aus der Erfahrung mit Christian Thielemann gelernt: Das künstlerische Letztentscheidungsrecht liegt nicht beim Chefdirigenten, sondern beim Intendanten Paul Müller. Das kann gut sein, birgt aber auch mögliche Konflikte.

Die Gage Gergievs ist vertraulich. Sie bleibe „im Rahmen“, so Küppers. Die letzten halbwegs sicheren Zahlen gab es für James Levine, der zwischen 1999 und 2004 bei den Philis amtierte und eine Million plus Spesen bekam. Bei Thielemann war die Stadt angeblich weniger freigebig.

Sichere Zahlen zu den Gagen gibt es nur von amerikanischen Orchestern, weil deren Steuererklärungen öffentlich sind. Gergiev würde in den USA wohl zwischen Gustavo Dudamels 85,363 Dollar in Los Angeles und den 2.41 Millionen für Michael Tilson Thomas in San Francisco rangieren. In Europa wird traditionell weniger bezahlt – weil der Ruf einer Musikstadt wie München, Wien oder Berlin sich international für einen Dirigenten durchaus auszahlt.