Meric M. (43) hat ihre Tochter seit zehn Jahren nicht gesehen. Ihr fehlt das Geld für den Flug - Sie können ihr mit Ihrer Spende helfen.

München - Als Meric M. von der Arbeit kommt, weiß sie sofort, dass etwas Dramatisches passiert ist: Die Wohnung ist leer, ihr Mann verschwunden. „Da stand nur noch ein blauer Müllsack mit ein paar Klamotten.“ Die Familienfotos, ihr Pass – alles weg. Doch das Schlimmste: Auch von Merics dreijähriger Tochter Seline fehlt jede Spur. Der Vater hat sie mitgenommen. In die Türkei. Die junge Mutter bricht zusammen.

„Das war am 3. Juli 1993“, sagt Meric M. mit erstickter Stimme. Zwei Mal hat sie Seline seitdem besuchen können, zuletzt vor zehn Jahren. Dabei wünscht sich die Münchnerin nichts sehnlicher, als ihre Tochter wieder in die Arme zu schließen. „Ich vermisse sie so sehr.“

Die Eltern der heute 43-Jährigen stammen aus der Türkei, sie selbst wird in Bayern geboren. Sie will Polizistin werden, doch die Familie besteht auf einer Friseur-Lehre. Als Meric die Ausbildung abbricht, verheiraten die Eltern die rebellische 16-Jährige in der Türkei mit einem Fremden. Sie flieht zurück nach München. Ihr Mann hat Mitleid, er löst die Verbindung.
Meric ist 19, als sie ihre große Liebe trifft: Ahmed (Name geändert), 1,90 groß „und Haare wie David Hasselhoff“. Auch Ahmed ist Türke. Sie heiraten und am 5. Oktober 1989 kommt Seline zur Welt. „Sie war ein Mittagskind“, sagt die Mutter zärtlich.

Ahmed arbeitet als Geldtransporter-Fahrer. Im Sommer 1993 fallen Schüsse: ein Überfall. Eine Kugel streift seine Stirn, ein Kollege stirbt, ein dritter wird schwer verletzt. „Danach war er ein anderer – geschockt. Und aggressiv.“ Fortan bedrängt er seine Frau: „Pack deine Sachen, wir fliegen in die Türkei, hier sind wir nicht sicher.“ Doch Meric will nicht weg.
Am 3. Juli 1993 geht Ahmed ohne sie – und nimmt Seline mit. Die Zeit ist Meric nur schemenhaft im Gedächtnis. „Da war Polizei, sogar Interpol.“ Jemand sagt: „Im Ausland können wir nichts machen.“ Also sucht sie selbst nach ihrer Tochter. Schickt Fotos an Freundinnen in der Türkei. Eine davon stöbert Seline und ihren Vater auf – in Izmir.

Es dauert Jahre, bis Meric dorthin fliegen kann. Ahmed hat ihr Schulden hinterlassen. Sie arbeitet als Stanzerin, um sie abzustottern, lernt einen neuen Mann kennen. Und wird wieder schwanger. 1998 reist sie endlich in die Türkei. Das erste Wiedersehen mit Seline – nach all den Jahren. „Sie hat sich hinter ihrem Vater versteckt und nur den Kopf vorgestreckt.“ Merics Lächeln verflüchtigt sich. Seline will nicht mit nach Deutschland. „Die Familie meines Ex-Mannes hat sie verwöhnt.“ Und Kinder sind bestechlich.

Mutter und Tochter bleiben telefonisch in Kontakt. 2002 fliegt Meric wieder zu Seline – es ist das letzte Mal. Ihr neuer Freund, mit dem sie mittlerweile auch eine Tochter hat, verbietet weitere Reisen. Vielleicht aus Eifersucht auf die „andere Familie“.

Meric trennt sich von ihm – und kann Seline trotzdem nicht besuchen. „Nach der Geburt meiner zweiten Tochter habe ich aufgehört zu arbeiten.“ Jetzt steht sie allein mit dem Kleinkind da. Ohne Geld. „Ich wollte uns ein neues Leben aufbauen. Aber es ging einfach nicht.“ 2004 bekommt sie noch eine Tochter, wieder zerbricht die Beziehung zum Vater. Die kleine Familie lebt von staatlicher Hilfe. „Es reicht vorne und hinten nicht. Das ganze Geld fließt in den Kühlschrank“, sagt Meric. Und die Mädchen haben Wünsche. Weil die beiden es besser haben sollen, als sie, erfüllt Meric ihnen viele davon – und verschuldet sich. Ein Wiedersehen mit Seline rückt in weite Ferne.

Merics älteste Tochter ist heute 23 und arbeitet in einer Boutique. Um als Türkin nach Deutschland reisen zu dürfen, braucht sie eine formale Einladung. Doch als Hartz-IV-Bezieherin darf ihre Mutter nicht für sie bürgen.

Diesen Herbst klappt Meric M. zusammen: Schwindel-Anfälle. Sie muss mehrere Wochen in einer Klinik bleiben. Dort fasst sie den Entschluss, ihr Leben zu ändern: Sie will raus aus den roten Zahlen und sucht sich Hilfe bei einer Schuldenberatung. Doch es wird dauern, bis alle Rechnungen beglichen sind. Und selbst dann weiß Meric M. nicht, wie sie sich die Reise in die Türkei leisten soll. Sie sieht gedankenverloren aus dem Fenster, dann schlägt sie die Hände vors Gesicht.

So können Sie Meric M. helfen!

Meric M. sehnt sich nach einem Wiedersehen mit ihrer Tochter.
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