Tanja Riedel (35) ist schwer krank. Um teures Spezialfutter für ihren Hund Coco kaufen zu können, spart sie am eigenen Essen. So können Sie helfen.

München - Wasserflaschen und eine Packung Copaxone-Spritzen gegen die MS-Schübe – viel mehr hat der Kühlschrank von Tanja Riedel (Name geändert) an diesem Morgen nicht zu bieten. Stattdessen ist er gerade wieder ausgelaufen. Das macht er öfter, der Küchensaurier ist schon 17 Jahre alt. Ein neues Gerät kann sich Tanja Riedel (35) nicht leisten. Die Münchnerin lebt von Erwerbsunfähigkeitsrente und aufstockender Sozialhilfe.

Allein käme sie vielleicht über die Runden. Doch seitdem auch ihre 14 Jahre alte Mischlingshündin Coco schwer krank ist, reicht das Geld einfach nicht mehr. Hunderte Euro an Tierarzt-Kosten sind aufgelaufen. Ein anderer Gläubiger macht Druck.

Tanja Riedel hat viel mitgemacht. Als Teenager reißt sie von Zuhause aus, weil der Vater sie misshandelt. Das Jugendamt bringt die 14-Jährige in einem Heim unter. „Zum Glück“, sagt die junge Frau. Doch der Vater bedroht sie weiter. Die traumatisierte Jugendliche ist der Situation nicht gewachsen. „Ich habe getrunken wie wild und bin ziemlich abgerutscht.“ Tanja ohrfeigt eine Erzieherin, weil die ihr kein Taschengeld geben will. Sie bricht die Bürotür der Betreuer auf und nimmt sich 32 Mark aus dem Schreibtisch. Das Jugendamt zieht die Notbremse und schickt Tanja mit einer Sozialpädagogin für sechseinhalb Monate nach Kanada.

„Das war für mich gleichzeitig die schönste und schrecklichste Zeit in meinem Leben. Diese Erzieherin hat zum ersten Mal eine Therapie mit mir gemacht.“ Sie zwingt Tanja, sich mit ihrer Vergangenheit zu beschäftigen: „Schau hin! Durch Verdrängen kannst du nichts verarbeiten.“

Zurück in München macht Tanja den Quali und eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten. Im dritten Lehrjahr rettet sie Coco. „Ich habe sie einem Junkie weggenommen, der sie gequält hat. Sie war drei Wochen alt – und hatte kein Fell mehr an den Beinen, nur noch blankes Fleisch. Die Pfotenballen hat er ihr mit heißem Wasser verbrannt.“  Die Polizei konfisziert die übrigen Welpen und deren Mutter.

Um sich und ihren Hund zu ernähren, jobbt die Auszubildende nebenher als Bedienung und macht ihren Hundetrainer-Schein. Nach der Lehre arbeitet sie sich in einem Callcenter zur Chefin hoch. Den beiden geht es gut. Anfangs. „Ich war leider total karrieregeil, habe abends im Bett noch auf dem Laptop Statistiken berechnet. Irgendwann war ich total überarbeitet.“

Tanja bricht im Büro zusammen: Burnout, Depressionen, die Qualen der Kindheit kehren in ihr Bewusstsein zurück. Sie muss Psychopharmaka schlucken – und bekommt trotzdem Panik-Attacken. „Was ist, wenn ich wieder umfalle? Hilft mir dann jemand?“ Manchmal kann Tanja Riedel an nichts anderes mehr denken, weint verzweifelt und hyperventiliert. 2010 weist sie sich selbst ein. Achteinhalb Wochen wird sie auf der Psychotherapie-Station des Klinikums rechts der Isar behandelt. Eine Freundin passt derweil auf Coco auf.

Zu Beginn der Psychotherapie wird auch Tanja Riedels Körper durchgecheckt. Die eher zufällige Diagnose ist erschreckend: In ihrem Gehirn haben sich arterielle und venöse Blutgefäße verknotet. Werden sie brüchig, droht eine tödliche Gehirnblutung. Die junge Frau wird operiert. Im letzten Moment, wie sich zeigt. „Die Gefäße waren so lädiert, dass sie in spätestens zwei Wochen zu bluten angefangen hätten.“

Immerhin: Die Psychotherapie schlägt an. Tanja Riedel geht es besser, auch die Bilder aus ihrer Kindheit werden seltener. Schließlich ändert sie ihren Namen – um die Vergangenheit ganz hinter sich zu lassen. Weil sie nicht möchte, dass ihre Eltern erfahren, wie sie jetzt heißt und wieder Kontakt zu ihr aufnehmen, nennen wir sie in dieser Geschichte Tanja Riedel.

Im Juni 2012 muss Tanja Riedel die nächste Horror-Nachricht verkraften. „Plötzlich war meine linke Gesichtshälfte taub.“ Nach einer Kernspintomographie steht die Ursache fest: Multiple Sklerose. „Ich habe nur noch geheult.“ Zumal sie erst vor wenigen Tagen erfahren hat, dass Coco ebenfalls sehr krank ist. Fast blind war die alte Hündin schon länger, auch das Gehör ließ schon eine Weile zu wünschen übrig. Damit kam das Tier klar. Doch plötzlich wurde sein Zustand lebensbedrohlich: „Coco war immer eine wilde Wuslerin. Aber im Mai ist sie plötzlich immer langsamer geworden, hatte blutigen Durchfall und starke Bauchschmerzen.“

Die Veterinäre der Tierklinik Haar stellen fest, dass der Leberwert der Hündin um das 16-Fache erhöht und das Organ stark vergrößert ist. Ohne Behandlung würde der Terrier-Mischling von innen heraus vergiftet. „Damit das nicht passiert, braucht Coco Leberdiätfutter mit wenig Kupfer und wenig Eiweiß“, erklärt ihre Besitzerin.

Doch die Spezialnahrung ist teuer: Mindestens 2,55Euro kostet die 420-Gramm-Dose je nach Hersteller, eindreiviertel davon frisst Coco pro Tag. Außerdem bekommt sie Trockenfutter und Tabletten. 55 Euro muss Tanja Riedel für eine Packung aufbringen, die 100 Tage reicht. Hinzu kommen regelmäßige Blutuntersuchungen. Mittlerweile schuldet die Hundebesitzerin der Tierklinik mehr als 300 Euro, ein Medizin-Labor mahnt rund 460 Euro für Blut- und Gewebe-Untersuchungen an. Kosten, die Tanja Riedel nicht allein stemmen kann. „Am Anfang des Monats kaufe ich alles für den Hund ein. Und wenn das Geld dann knapp wird, gibt’s eben wochenlang Italienisch: Nudeln mit Tomatensoße.“

Ein Ersatz für die zerrissene Winterjacke ist nicht drin. „Wenn ich Deo brauche oder Waschmittel, muss ich dauernd überlegen: Geht das jetzt gerade?“ Hauptsache, Coco ist versorgt. Das treue Tier einzuschläfern, wie ihr manchmal von wohlmeinenden Freundinnen geraten wird, kommt für Tanja Riedel nicht in Frage: „Coco hat mir die ersten 14Jahre ihres Lebens geschenkt. Den Rest möchte ich ihr schenken.“

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