Münchener Kammerorchester Mozart und Haydn mit Piotr Anderszewski

Das Münchnener Kammerorchester. Foto: Sammy Hart
Das Münchener Kammerorchester spielt im Prinzregententheater mit Piotr Anderszewski Klavierkonzerte von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart
 
Einer der früheren Chefdirigenten des Münchener Kammerorchesters, Christoph Poppen, hatte die Vorstellung, dass das Ensemble nichts anderes als ein erweitertes Streichquartett sei. Tatsächlich ist das Kammerorchester in diesem Sinne schon oft ohne Dirigent aufgetreten und beweist diese Eigenständigkeit auch im aktuellen Programm im Prinzregententheater. Unter der Leitung der Konzertmeisterin Yuki Kasai gelingt eine vielschichtige Interpretation der frühen Suite für Streichorchester von Leos Janácek. Selbst ein so komplexes neues Werk wie „The Path and the Traces“ („Der Pfad und die Spuren“) des estnischen Komponisten Erkki-Sven Tüür kann ohne leitende Hand aufblühen, weil die im Stehen spielenden Musiker so genau aufeinander hören.
 
Vielleicht eröffnet sich hier ein Unterschied zwischen neuerer Musik und derjenigen der Wiener Klassiker, die eine viel längere Aufführungsgeschichte auf dem Buckel hat. Bei den älteren Werken ergeben sich ungleich mehr Möglichkeiten zwischen einem konventionelleren Zugang und den jüngeren Errungenschaften der historisch informierten Spielweise, aus denen ausgewählt werden muss. Der polnische Pianist Piotr Anderszewski hat mit dem Münchener Kammerorchester zwei klassische Klavierkonzerte erarbeitet, und es erweist sich als Vorteil, dass er nicht nur für seinen Solopart, sondern auch für die Orchesterkulisse genaue Vorstellungen beisteuert. Zu Beginn der einzelnen Sätze, wenn er selbst Pause hat, dirigiert er vom Klavierhocker aus, aber noch wichtiger sind die Zeichen, die er dann während des gemeinsamen Konzertierens gibt.
 
So gibt es im bekanntesten der Klavierkonzerte von Joseph Haydn, der Nr. 11 D-Dur, keinen einzigen Moment, der nicht geradezu bildlich ausgedeutet wird. Anderszewski überträgt seine überbordende Spielphantasie nicht nur auf seine Mitstreiter, sondern nutzt auch die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels voll aus. Da erscheint einmal eine Fee, dann wieder eine pompöse Figur, da gibt es ein reizendes Versteckspiel, eine gefahrvolle Situation mit einem veritablen Paukenwirbel in der linken Hand und dann doch ein gutes Ende. Eine entsprechende Inhaltsangabe ließe sich für das Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart erstellen. Kurz gesagt: Mit seinem Solisten Anderszewski führt das Münchener Kammerorchester lebenspralle instrumentale Theaterstücke auf, die noch dazu gesanglich voll ausgekostet werden – und auf beglückende Weise zeigen, zu welchem Klangreichtum dieses Ensemble fähig ist.

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