Artikel weiterempfehlen Artikel drucken Artikel kommentieren
Artikel bewerten [0.00/0]

München Zweite Röhre: CSU ist jetzt dagegen

Willi Bock, vom 02.06.2011 17:46 Uhr
Die Stammstrecke kommt am Ostbahnhof wieder an die Oberfläche. Foto:
Die Stammstrecke kommt am Ostbahnhof wieder an die Oberfläche. Foto:
Siehe auch

Der München-Chef Otmar Bernhard möchte  erstmal die Störungsursachen außerhalb der Stammstrecke beseitigt wissen – und schreibt einen Protestbrief.

München - Es ist eine radikale Kehrtwende, die die Münchner CSU bei der zweiten Stammstrecke vollzieht. Erst stand sie mit ihrem damaligen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) hinter dem Milliardenprojekt. Doch seit 2008 verabschiedet sie sich schrittweise davon. Münchens CSU-Chef Otmar Bernhard rückt jetzt ganz davon ab: „Es wäre wichtiger, die Störungsursachen bei der S-Bahn zu beseitigen, als für zwei Milliarden Euro eine Röhre zu bauen.“ Das würde den Fahrgästen „wirklich nutzen“.

Die meisten Störungen träten „doch außerhalb des Tunnels“ auf, findet Bernhard. In einem Protestbrief an Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) lässt er es an Deutlichkeit nicht fehlen. Die Planungen für die zweite Röhre würden „im Gegenteil zur Verschlechterung des Angebots“ führen: „Da baut man eine Röhre, in der nur drei Züge in der Stunde durchfahren.“

Die „ganz überwiegende Mehrzahl der Störfälle“ lägen an der „veralteten Signal- und Steuerungstechnik, an Notfalleinsätzen, nicht ausgebauten Bahntrassen oder sonstigen Ursachen auf den Außenästen“. Bernhard an Zeil: „Ihr Argument, dass der zweite Tunnel die alleinige Lösung und daher dringend notwendig ist, um die Störanfälligkeit des S-Bahn-Systems zu beheben, wurde damit seit langem widerlegt. Es stellt die Fakten geradezu auf den Kopf.“

Statt eine zweite Röhre zu graben, sollte Zeil erst diese Probleme angehen. Zudem werde die Röhre „nur für einen einzigen Verkehrsträger, nämlich die S-Bahn“, genutzt und lasse Regional- und Fernverkehr außen vor. Das sei eine „groteske Fehlplanung“, so Bernhard zur AZ: „Wir halten das Projekt für nicht geeignet, weil es keine Lösung für die Probleme des Bahnknotens München bringt.“
Bernhard fordert wieder, die U-Bahnlinie <TH>5 nach Pasing zu verlängern. Das sei eine „gewichtige Verbesserung und wesentlich günstigere Maßnahme, um Störungen zu beherrschen und den Fahrgästen einen Bypass zu bieten“.

Im übrigen sieht Bernhard die Finanzierung auch dann gefährdet, wenn München am 6. Juli den Zuschlag für Olympia 2018 bekäme: „Der Bund bräuchte dann 800 Millionen Euro zusätzlich.“ Die Rechnung: Der Bundesanteil am Zwei-Milliarden-Projekt liege bei einer Milliarde Euro. Aus dem beschränkten Topf „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz“ könne er für München aber nur 200 Millionen herausnehmen. Die fehlenden 800 Millionen müssten auf anderem Wege generiert werden. Bernhard: „Ich persönlich bin da sehr skeptisch.“

Die Münchner CSU war lange für die zweite Stammstrecke. Durch die massiven Proteste in Haidhausen bekamen die Tunnel-Gegner in der Münchner CSU zunehmend Oberwasser. Sie fordern einen Ausbau des S-Bahnsystems außerhalb der Röhre.

Kommentare (6)
» Kommentarregeln
  • Kommentare anzeigen
  • Kommentare schreiben
Anzeigen
JUN
04
20:38 Uhr, geschrieben von Thomas
Wacht endlich auf, bevor´s zu spät is
Ein vernünftiger Apell Bravo! Viele Politiker, denen selber auch völlig klar ist, dass dieses Projekt völlig unsinnig ist und die Situation noch verschlimmert, trauen sich leider nix zu sagen. Zu groß ist der Druck durch die Baulobby und die Oberen der Bahn (ist wegen ihrer eigenen Tochtergesellschaft, die den Bau leitet immer dran interessiert, dass möglichst viele teuere Ingenieurbauwerke gebaut werden), der Staatsregierung und der Stadt. Am wichtigsten ist der Ausbau der Außenäste, dann kann man über vernünftige Projekte wie den S-Bahn Südring oder die (zugegebenermaßen richtig teueren aber sehr attraktiven) ursprünglichen Planungen zu München21 mit Fern- und Regionalverkehr nachdenken!
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
3
Kommentar bewerten
JUN
03
14:17 Uhr, geschrieben von Karl Ranseier
Störfall Zahlende Kunden
Der grösste Störfall ist die zahlende Kundschaft. Die werden ab und zu krank oder fallen auf sie Gleise. Oder der schlimmste Fall: Es sind einfach zu viele von ihnen da. Also erst die Kundschaft reduzieren ( wegsperren oder notfalls vielleicht auch töten ), dann reicht auch ein Tunnel. Nur wenn der Herr Otmar Bernhard mitfährt, dann reichen auch zwei Tunnel nicht. So viel Blödheit passen da einfach nicht durch.
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
-5
Kommentar bewerten
JUN
03
13:10 Uhr, geschrieben von Nils
nur 3 S-Bahnen mehr pro Stunde
Es wird auch Zeit, dass mal jemand auf wacht. Diese Tunnelmanie bringt doch nix. Es würden nur 3 S-Bahnen pro Stunde mehr durch die Stadt fahren und dann auch noch in einem sauteuren Tunnel. Viel einfacher wären diverse andere Maßnahmen, die oben drein auch noch ganz neue Verkehrswege erschlössen. Herr Kronawitter hat da mal was zusammengestellt was sehr schlüssig erklärt, warum eine zweite Stammstrecke nicht sachgerecht ist: http://www.georg-kronawitter.de/1952/index_s-bahn.html oder auch die AAN: http://www.muenchner-forum.de/arbeitskreise/aan/suedring.html
Kommentar postiv bewerten
Kommentar negativ bewerten
10
Kommentar bewerten
Kommentar-Seite
vorherige
1  von  2
nächste
Schülerin wegen versuchten Mordes vor Gericht
Das Münchner Landgericht verhandelt am Montag über den Mordversuch einer 20-jährigen Frau an ihrem heiratsunwilligen Ex-Freund.
Startschuss für Special Olympics
Wettkampf um Gold: Mit einer Eröffnungsfeier in der Münchner Olympiahalle beginnen am Montag die nationalen Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung.
Anzeigen & Verlagsbeilagen zum Durchklicken
 
Die AZ-Top-Bilder
mehr Bilder mehr Bilder
Das München-Wetter
 
 
Anzeige
Nachrichtenticker
11:04   Emotionaler Abramowitsch - Terry: Weiß nicht, was er denkt
10:50   40 Tote bei Selbstmordanschlag im Jemen
10:47   Musikbranche trauert um Bee-Gees-Sänger Robin Gibb
10:43   Deutscher Arzt stirbt bei Abstieg vom Mount Everest
10:35   Union und FDP stemmen sich gegen Eurobonds
1   2   3   4   5   6   7   weiter
» aktualisieren
AZ-Pflegekompass

Konzert Tickets

Interaktiv
  • Umfrage
Am Boden zerstört: Bastian Schweinsteiger

Wieder kein Titel für den Rekordmeister. Was muss sich beim FC Bayern ändern?

 
Der Trainer! Da muss ein Knaller kommen
Die Spieler! Rib-Rob funktioniert nicht mehr
Nichts! Die Bayern hatten einfach Pech
Alles! Da muss eine harte Zäsur rein
 
(Ergebnis anzeigen)
 
  • Meist gelesen
  • Meist kommentiert
  • Neueste Artikel
  • Facebook
  • Twitter
Video