München U-Bahn: Betrunkener Fahrer muss zahlen

az, 23.07.2012 12:00 Uhr

Harald K. (46) muss für seine Promille-Tour blechen. Außerdem ist er jetzt arbeitslos. Die MVG hat ihn gefeuert.

MÜNCHEN Die Irrfahrt der U1 in München ist jetzt mit einem Strafbefehl endgültig beendet. Völlig betrunken rast U-Bahn-Fahrer Harald K. (46) am 7. Februar mitten im Berufsverkehr Richtung Endstation Mangfallplatz und missachtet das Rotlicht. Fahrgäste können nicht aussteigen, weil er sich verbremst. Die Strafe fällt glimpflich aus: 3200 Euro (80 Tagessätze) muss K. an die Staatskasse zahlen.

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Der Münchner Verkehrsrechtsexperte Lutz Libbertz: „Das ist für mein Mandant ein sehr gutes Urteil.“ Aber dafür hat ihn die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) gefeuert. Exklusiv in der AZ legt der Münchner damals seine Promille-Beichte ab: „Ich kann über die Fahrt nichts mehr sagen. Ich hatte einen völligen Blackout.“

Der Tag der Unglücksfahrt ist für Harald K. der letzte Arbeitstag vor seinem zweiwöchigen Urlaub gewesen. Ein Umzug steht bevor. Beim Zerlegen eines Schranks prellt er sich die Rippen. Er nimmt Schmerztabletten, trinkt Alkohol. Hinzu kommt noch der Tod seiner Mutter. Mit 77 ist sie kurz zuvor verstorben.

„Multiples Organversagen, wie mir die Ärzte mitteilten. Ich bin ein Einzelkind und Familienmensch. Ich konnte mich von ihr nicht einmal verabschieden“, klagt Harald K. Sohn und Mutter haben ein inniges Verhältnis. Sie hält zu ihm. Auch, als er ihr vor sechs Jahren seine Homosexualität offenbart. Er ist viele Jahre verheiratet gewesen.

„Jetzt lebe ich mit einem Mann und meinen drei Jack-Russel-Terriern zusammen. Das sind praktisch meine Kinder.“ Seine Schicht beginnt am 7. Februar um 16.12 Uhr und soll um 0.12 Uhr enden. Am Hauptbahnhof übernimmt er die U1. Davor genehmigt er sich noch ein paar Cognac. Harald K.: „Mir ist es einfach nicht gut gegangen.“

Mit 1,68 Promille übernimmt er die sechs Waggons. Am Sendlinger Tor verbremst er sich. Die Bahn schießt durch die Station, kommt erst im Tunnel zum Stehen. Keiner kann raus. An der Fraunhoferstraße bremst er wieder zu spät. Aber die Fahrgäste können zumindest aussteigen. Und werden misstrauisch: „Der fährt wie ein Besoffener.“ Einige sprechen Harald K. an.

Sie berichten später von seinem Alkoholgeruch. Jemand alarmiert die U-Bahnleitstelle. Die nächsten drei Stationen fährt er fehlerfrei – bis er am St.-Quirin-Platz ein rotes Signal überfährt und automatisch abgebremst wird.

Am Wendepunkt Untergiesing-Harlaching ist Endstation für K. Am nächsten Tag muss er im Direktorium antreten, Fahrerlaubnis und Schlüssel abgeben. Es ist das Ende seines Traumjobs als U-Bahnfahrer. „Die Sache vor dem Arbeitsgericht war aussichtslos“, sagt sein Anwalt. Jetzt kümmert sich Harald K. um seine drei Hunde und hilft seinem Freund in dessen Lokal.

 

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Kommentare (6)
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JUL
24
Sisi, 14:17 Uhr

betrunkener U-Bahnfahre

Ich gebe Thomas recht, Mitleid und der private ' Kram' gehört hier nicht hin. Dieser Mensch hat andere Menschen in Gefahr gebracht und es hätte weit schlimmer ausgehen können. Warum soll man einen Menschen der unter Alkoholeinfluß steht und wahrscheinlich immer wieder wenn er Prob leme hat Alkohol trinkt nich weiter beschäftigen auch nicht im Innendienst. Eine Frage stelle ich mir nun schon, wer bezahlt denn diesen Betrag.?? Er wohl nicht , von was denn auch.

JUL
24
Mensch, 13:49 Uhr

...

'Sorry, aber mein Mitleid hält sich in Grenzen... er hätte genauso gut eine Katastrophe mit vielen Toten verursachen können' Es geht hier um die U-Bahn (ein Schienenfahrzeug). Hier gibt es Sicherungsmassnahmen um eben keine Katastrophe auszulösen. Wäre er Busfahrer oder gar Trambahnfahrer gewesen so sähe die Sache schon anders aus. Eine U-Bahn, wie auch alle anderen Schienenfahrzeuge bremsen im Notfall automatisch. Es kann ja auch mal sein, dass der Fahrer ein akutes gesundheitliches Problem hat. Auch hier ist nicht gleich von einer Katastrophe auszugehen. Ich vermute mal, daß sie zu viele Filme gesehen haben. Die Strafe des Gerichts belegt ja auch, wie gefährlich sein Handeln wirklich war. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass er von der MVG gleich entsorgt wird. Das zeigt für mich auch die mangelnde soziale Verantwortung der heutigen Managementkaste. Ich wünsche Ihm für alles Gute für die Zukunft.

JUL
24
Thomas, 09:02 Uhr

Keine Sentimentalitäten

Kein Grund für Larmoyanz, Sentimentalitäten und Banalitäten (wer mit wem und mit was für Hunden zusammenlebt und in welcher Kneipe aushilft). Es ist nicht hartherzig zu sagen dass das Privatleben und die Probleme oder angeblichen Probleme von U-Bahnfahrern in dieser Stadt einem gleich sein können - man will und kann sich gar nicht damit auch noch befassen. Entscheidend ist, dass nüchterne und ausgeschlafene Menschen und mit ruhiger Hand durch die Stadt kutschieren. Insofern hat der MVV konsequent und richtig gehandelt. Und die Strafe des Gerichts ist milde ausgefallen. Also alles in Ordnung.

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