München Trennungskrieg: Vater kämpft um seine Tochter

Aleksandar Stajic mit seiner Tochter (4) auf der Schulter. Foto: privat

Der 40-jährige Münchner Aleksandar Stajic darf sein Kind nicht mehr regelmäßig sehen. Er streitet mit seiner ehemaligen Lebenspartnerin erbittert vor Gericht.

München - Software-Entwickler Aleksandar Stajic (40) ist verzweifelt: „Ich möchte meine Tochter öfter sehen. Aber meine ehemalige Lebenspartnerin sieht das nicht ein. Dabei kann sie sich wegen ihrer Arbeit gar nicht 100 Prozent ums Kind kümmern.“

Stajic ist kein Einzelfall. 155.000 so genannte Trennungskinder gibt es in Deutschland. Und immer noch bleiben 90 Prozent der Kleinen bei der Mutter. In einer jüngsten Entscheidung weist sogar das Bundesverfassungsgericht darauf hin, dass beide Elternteile auch nach der Trennung in die Erziehung des Kindes gleichermaßen eingebunden sein sollen.

Dies diene dem Wohl des Kindes. Das hat seinen Grund: Nach einer Langzeitstudie sind Scheidungskinder, die abwechselnd bei Mutter und Vater leben, glücklicher, lebensfroher und stabiler. Kinder ohne Kontakt zu einem Elternteil fühlen sich minderwertig und eher abgewiesen.

Aleksandar Stajic hätte viel Zeit: „Ich kann von zu Hause aus arbeiten, könnte auf unsere Tochter aufpassen.“ Anders sei es bei seiner Ex-Partnerin Lena G. (29, Name geändert). Die sei Chefin eines Pflegedienstes und viel unterwegs.

„Wird jemand von ihren Kollegen krank, muss sie einspringen. Unser Kind schleift sie dann immer mit zu den Patienten. Ob das gut ist?“, fragt sich Aleksandar Stajic besorgt. 2009 lernen sich Aleksandar Stajic und Lena G. in einer Münchner Discothek kennen.

„Wir waren kaum zwei Monate zusammen, da ist sie schwanger gewesen“, sagt Aleksandar Stajic, der so erzogen worden ist, dass er für seine Familie da ist. Das Paar zieht zusammen. Im Laufe der Jahre soll sich Lena G. verändert haben.

Sie habe „psychische Probleme“. Das seien Folgen aus ihrer Kindheit mit einer sehr strengen Erziehung gewesen und der Stress in der Arbeit, vermutet Aleksandar Stajic. „Ich hatte mich fast allein um das Kind gekümmert. Das passte ihr nicht. Als sie auch noch ihre Medikamente absetzte, wurde sie immer unzufriedener. Ich war an allem schuld. Sie schrie nur noch rum. Im Freundeskreis erzählt sie, dass ich die Kleine entführen will“, sagt der Vater.

Am 15. September 2012 der endgültige Bruch. „Sie warf mich aus der Wohnung. Ich stand auf Straße. Heute lebe ich bei einem Freund zur Untermiete“, so der Software-Entwickler. Um die Tochter zu sehen, streiten die beiden bis vor das Münchner Amtsgericht.

Jetzt hat der Gesetzgeber das Umgangsrecht geregelt: Zwei Mal im Monat bekommt der Vater das Kind fürs Wochenende und zwei Mal im Monat darf Stajic es Donnerstagabend abholen und am Freitag in den Kindergarten bringen. Den monatelangen Streit hätte sich Aleksandar Stajic vielleicht ersparen können, wenn er den Weg der Mediation gewählt hätte.

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