München Radl-Rowdy fährt Bub (5) zusammen - und flüchtet

Mutter Anja am Krankenbett von Marvin. Foto: Markus Dengler/Polizei München

MÜNCHEN - Ein feiger Fahradfahrer hat am Sonntagnachmittag den 5-jährigen Marvin im Hirschgarten umgefahren - und ist dann einfach vom Unfallort geflüchtet. Der Bub erlitt schwere Verletzungen. Jetzt sucht die Polizei nach dem Radl-Rambo.

Der Radler bremst zu spät, sein Fahrrad stellt sich auf, er kippt über den Lenker, fliegt in hohem Bogen über den Weg und prallt mit der Schulter auf den Asphalt. Sebastian Weise (31) interessiert das nicht. Er sieht nur auf Marvin, seinen Sohn. Unten, am Boden. Voller Blut.

Der Radler ist mit großer Wucht in den Fünfjährigen gerast. Marvin liegt weinend auf dem Parkweg im Hirschgarten. Blut spritzt aus seiner Oberlippe, seine Knie sind aufgeschürft, neben ihm liegen sein Lolli und sein kleiner Plastik-Dino. Doch Marvin kommt nicht wieder auf die Beine, jedenfalls nicht ohne Schmerzen. Der Fahrradfahrer hat ihm den linken Oberschenkel gebrochen.

„Mist!“ schreit Sebastian Weise. Er rennt los – seine Freundin Anja (31) und zwei seiner Freunde sitzen auf der Wiese beim Kinderspielplatz. Sie sehen ihm verdutzt nach und merken erst da, was passiert ist. „Ich bin sofort zu Marvin gelaufen, habe ihn auf den Arm genommen und bin mit ihm zurück auf die Wiese“, sagt der Lagerist. Dem verletzten Radler schenkt er keine Aufmerksamkeit – der nutzt das aus und macht sich aus dem Staub. Die Polizei sucht ihn jetzt wegen Unfallflucht.

Marvin muss vier Wochen im Rollstuhl verbringen

Nach dem Unfall am Sonntag gegen 14. 45 Uhr bringen Sebastian und Anja ihren Sohn ins Krankenhaus Dritter Orden. „Marvin ist dort geboren und wir kennen die Ärzte gut.“ Die handeln auch sofort: In einer Not-Operation kümmern sie sich um Marvins Oberschenkel: Sie schrauben seinen Knochen fest und fixieren den Bruch mit Drähten.

„Es ist schrecklich, das als Vater zu sehen“, meint Sebastian Weise. „Der Fahrradfahrer ist mir schon vorher aufgefallen. Er fuhr mit irrer Geschwindigkeit über den Weg, dabei spielten überall Kinder!“ Marvin sah den Radler nicht – er hatte sich mit seinem Freund Justin (7) gerade einen Lolli am Kiosk neben dem Parkweg gekauft. „Justin ging zurück, und Marvin ging ihm nach“, sagt sein Vater. Dann kam der Knall.

Jetzt muss der Fünfjährige die nächsten vier Wochen im Rollstuhl verbringen. „Das wird eine schlimme Zeit für Marvin“, sagt sein Vater. Der Bub hat gerade selbst gelernt, Fahrrad zu fahren. Das wird in nächster Zeit unmöglich sein. „Die Drähte kommen erst in vier Monaten raus.“

Der Schuldige aber ist verschwunden: Weise erinnert sich nur an seinen grauen Helm und sein dunkles Radler-Dress. „Ich glaube, er fuhr ein Trekkingrad mit dünnen Reifen und geschwungenem Lenker.“ Zwei Sicherheitsbeamte des Parks sprachen nach dem Unfall kurz mit dem Radler – sie dachten nicht daran, ihn festzuhalten, konnten ihn aber näher beschreiben: Er ist rund 45 bis 50 Jahre alt, etwa 1, 80 Meter groß, hat dunkle Haare mit grauen Schläfen und einen leichten Bauchansatz. Wer etwas über ihn sagen kann, soll sich bei der Polizei unter 089/2910-0 melden.

Thomas Gautier

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