MÜNCHEN - München gilt als eine der sichersten Großstädte Europas. Doch sobald es Nacht wird, ändert sich das Bild schlagartig. Neue Zahlen belegen: Alkohol- und Gewaltexzesse nehmen zu. Und die jüngsten Täter sind erst 13 Jahre alt...

Die Amüsiermeilen der Stadt entwickeln sich immer mehr zu Problemzonen – vor allem nachts. Saufen, bis der Notarzt kommt, heißt bei vielen Jugendlichen die Parole. Rund 200 Kinder und junge Erwachsene landen jedes Jahr mit akuter Alkoholvergiftung in Münchner Kliniken. Andere werden im Suff aggressiv, schlägern, randalieren. Münchens Polizeichef Wilhelm Schmidbauer warnt vor noch schlimmeren Alkoholexzessen bei Jugendlichen.

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München gilt als eine der sichersten Großstädte Europas. Doch sobald es Nacht wird, ändert sich das Bild schlagartig. Rund um Szenebars und Discos wie Kultfabrik, Optimolgelände, M-Park, Backstage, aber auch in der City, beispielsweise am Maximiliansplatz, häufen sich vor allem an Wochenenden die Polizeieinsätze. „Jeder dritte Schläger ist betrunken“, sagt Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. „Bei 38 Prozent aller Fälle von schwerer oder gefährlicher Körperverletzung spielte Alkohol eine Rolle.“

6802 Straftaten unter Alkohol wurden von Januar bis September 2010 in München verübt (2009: 6364). Von den ermittelten Tatverdächtigen waren 1708 Minderjährige (2009: 1616). Das Durchschnittsalter der Jugendlichen liegt laut Polizei bei 16 Jahren. Fünf der Buben waren erst 13.

Vandalismus, vermüllte Grünanlagen, aggressive Pöbeleien, nächtliche Ruhestörung – „das ist für die Bevölkerung eine gravierende Beeinträchtigung der Lebensqualität“, sagt Polizei-Chef Schmidbauer.

Zwischen ein Uhr nachts und sechs Uhr morgens steigen die Einsätze auf den Amüsiermeilen sprunghaft. Laut der jüngsten Statistik wurden nachts im vergangenen Jahr 10653 Straftaten registriert. Eine alarmierende Entwicklung, zumal die Zahl der Verbrechen in München ansonsten rückläufig ist. Im letzten Jahr sank sie erstmals unter 100.000 auf exakt 99.760.

Vor allem junge Männer sind immer öfter in wüste Schlägereien, Raub, Diebstahl und sexuelle Übergriffe verwickelt. „Alkohol enthemmt, steigert die Gewaltbereitschaft“, warnen Suchtexperten. Vor allem betrunkene Mädchen werden überdurchschnittlich häufig Opfer sexueller Gewalt.

Warum die Alkoholexzesse seit einigen Jahren stark ansteigen, können selbst Fachleute nicht erklären. Flatrate-Partys und Koma-Saufen gilt bei manchen Jugendlichen noch immer als schick. „Je sorgloser der Umgang mit Alkohol im Elternhaus ist, um so größer ist das Risiko, dass auch die Kinder zur Flasche greifen“, warnt die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Alkohol ist fast überall und rund um die Uhr verfügbar. Im Landtag wollten CSU, SPD und Freie Wähler ein nächtliches Alkoholverkaufverbot an Tankstellen durchsetzen - so wie in Baden- Württemberg. Doch Liberale und Grüne legten sich quer.

Ralph Hub

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