Am Mittwoch wird erstmals eine Vollversammlung des Stadtrats live im Internet gezeigt. Das läuft probeweise für ein halbes Jahr. Bei der Premiere geht es um Olympia, Toiletten und den KVR-Chef

München - Ab Mittwoch zieht ein Hauch von Hollywood ins Rathaus. Stadtrat, Klappe, die Erste – uhuuund Action! Zum ersten Mal in der Stadtgeschichte wird eine Stadtratssitzung live übertragen – im Internet. Mit einem vagen Drehbuch, ohne Textbuch, mit vielen eigenwilligen Regisseuren und mit 92 Amateur-Akteuren.

Ob das spannend wird?

Mit Sicherheit wird die Live-Übertragung von Vollversammlungen keine neuen Rekord-Einschaltquoten bringen. Und im Gegensatz zu einem Kinofilm weiß man vorher nie, wie lange es dauert.

Die FDP hat den Live-Stream beantragt. Damit erhofft sie sich mehr Bürgerbeteiligung. Bis jetzt ist die Zuschauertribüne meistens leer. Es sei denn, es stehen ganz brisante örtliche Themen auf der Tagesordnung – oder eine Schülergruppe kommt. Erst war die Mehrheit dagegen, doch Anfang Mai stimmten dann alle für eine Probephase von einem halben Jahr. Gezeigt werden nur die Vollversammlungen. Die sind durchschnittlich einmal im Monat. Dagegen sind die Ausschusssitzungen in der Regel alle 14 Tage. Die werden nicht gezeigt.

Und so funktioniert die Live-Übertragung, die auf www.muenchen.de/stadtrat als Live-Stream und Video-on-demand gezeigt wird:

Die Sitzung wird mit einer Kamera von der Zuschauertribüne aus aufgenommen. Dabei wird die Kamera nur auf die beiden Rednerpulte, auf die drei Bürgermeister und auf die elf Stadtminister gerichtet. Schwenks in den Zuschauerraum, auf die Pressebank, durch den Sitzungssaal oder auf die „Flüsterreihe“ (also die persönlichen Berater) hinter der Regierungsbank sind nicht erlaubt.

Die Begründung: Ein Stadtrat sei anders als der Bundestag kein Parlament. Also dürften nur die Politiker gezeigt werden – Datenschutzgründe. Das muss man nicht verstehen. Es dürfen auch nur jene Politiker gezeigt werden, die das schriftlich erlaubt haben.

Auf der Besuchertribüne sind ein Kameramann, ein Streaming-Operator, der die Kameraeinstellungen lenkt. Und ein Vertreter des Presseamtes für die „Sendeleitung“. Damit die Zuschauer wissen, wer spricht, wird der Name des Redners eingeblendet. In regelmäßigen Abständen wird auch das aktuelle Thema angezeigt – damit der Zuschauer weiß, worum es gerade geht.

Was ist in den Pausen oder wenn keiner spricht? Standbilder informieren, dass die Sitzung „in Kürze beginnt“ oder beendet ist, dass es eine Pause gibt oder der Redner nicht will, dass er gezeigt wird.

So eine Stadtratssitzung kann spannend, aber auch zäh und langweilig sein. Am Anfang wird die seitenlange Tagesordnung durchgegangen. „Kein Aufruf“ ist dann der häufigste Spruch des Oberbürgermeisters. Das bedeutet aber nicht, dass die Stadträte keine Lust haben, darüber zu reden. Die meisten Tagesordnungspunkte werden schlicht in den einzelnen Ausschüssen vorberaten. Wenn es keine brisanten Themen sind, werden die in der Vollversammlung durchgewinkt. Bestenfalls heißt es dann: „Begründung wie im Ausschuss.“

Man weiß auch nie, wie lange so eine Sitzung dauert. Ebenso weiß niemand, zu welcher Uhrzeit ein Thema aufgerufen wird. Es kann auch sein, das Tagesordnungspunkte verschoben werden – damit zum Beispiel Gäste nicht unnötig warten sollen.

Mit dem einmaligen Senden ist es nicht vorbei. Die Sitzungen werden aufgezeichnet. Nach der Vollversammlung wird der Film überarbeitet und nach den einzelnen Tagesordnungspunkten aufgesplittet. „Dann muss sich der Zuschauer nicht die ganze Sitzung ansehen, sondern kann zielgenau auf seinen Punkt kommen“, so Presseamtsleiter Stefan Hauf. Dann bekommen die einzelnen Filme auch Links auf die Internetseite der Stadt, auf der man die Vorlagen für die Stadtratssitzung nachlesen kann (Ratsinformationssystem).

Nach der Probezeit wird analysiert, ob sich der Aufwand lohnt. In anderen Städten gibt es das bereits. Dort hält sich der Zugriff in sehr überschaubaren Grenzen. In München können maximal 1000 Nutzer den Stadtratsfilm gleichzeitig sehen. So viele werden es wohl nicht werden.

Die Vollversammlung beginnt am Mittwoch, 5. Juni, um 9 Uhr. Zwischen 13 und 14 Uhr wird die Mittagspause sein. Themen sind unter vielen anderen: die Olympiabewerbung, die Wahl des KVR-Referenten oder die Schließung öffentlicher Toiletten. Die nächsten Vollversammlungen: 26. Juni, 24. Juli, 2. Oktober, 23. Oktober, 27. November.