München Demjanjuk-Prozess: Sein SS-Ausweis ist echt

Das wichtigste Beweisstück ist authentisch: Der KZ-Aufseher-Ausweis von John Demjanjuk Foto: dpa

MÜNCHEN - Der LKA-Gutachter Anton Dallmayer hat das Dokument für den Kriegsverbrecher-Prozess untersucht. Auch auf einer Liste mit Namen von KZ-Wächtern ist der Angeklagte aufgeführt.

26. Prozesstag gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher John Demjanjuk(90). Für Spannung sorgt Gutachter Anton Dallmayer (65) vom Bayerischen Landeskriminalamt (LKA). Er hatte den „SS-Dienstausweis Nr.1393“ des Angeklagten überprüft. Der Urkunden-Sachverständige sagte über das Hauptbeweismittel: „Der Ausweis ist authentisch.“

Selbst die belastende Aussage brachte Demjanjuk nicht aus seiner gewohnten Bettruhe. Wie berichtet liegt der Angeklagte neben dem Richtertisch im Saal 101 in einem Bett auf einem Kissen und unter eine Decke. Gegen das störende Deckenlicht, darf er noch eine dunkle Sonnenbrille tragen. Niemand weiß, ob Demjanjuk ein Nickerchen macht oder nicht.

Demjanjuk ist wegen Mordes an 27900 Juden angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft soll er im Zweiten Weltkrieg als KZ-Gehilfe im Vernichtungslager Sobibor in Polen die Menschen direkt von den Transportzügen in die Gaskammern getrieben haben. Die Verteidiger bestreiten stets die Echtheit des Ausweises. Er war während des Krieges der Roten Armee in die Hände gefallen.

Der LKA-Gutachter hatte das Papier mit anderen SS-Dienstausweisen von KZ-Wächtern aus Sobibor verglichen: „Sie haben eine Fülle von individuellen Merkmalen.“ Dies liege an den teils beschädigten Buchstaben und Satzzeichen der Schreibmaschine. Mit einem Mikroskop habe er die Untersuchungen durchgeführt. Er kam zu dem Schluss, dass sämtliche Ausweise mit derselben Schreibmaschine beschrieben wurden. Zum Vorwurf der Fälschung sagte Dallmayer: „Selbst mit modernster Reprografie-Methoden kam man so etwas nicht herstellen.“ Es existiert auch eine Namensliste mit Namen der Wachen von Sobibor. Demjanjuk gehörte zu den so genannten Trawniki, ukrainischen KZ-Wachmänner, die im polnischen Trawniki ausgebildet wurden. Sein Name wird dort auf Seite 2 unter Nummer 36 geführt. Diese Liste stammt vom 26. März 1943. Der Prozess dauert an.

Torsten Huber

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