AZ-Leser Josef Lösch (78) erbte von seinem Onkel ein Album aus dem Jahr 1938 – es dokumentiert den Besuch seiner Tante in München.

Ich war immer der Lieblingsneffe“, erzählt Josef Lösch schmunzelnd über seinen Onkel Peter und seine Tante Klara, die von allen nur „Tante Kläre“ genannt wurde. Die Tante führte das gut gehende „Modehaus Kläre Michels“ in Köln und unterstützte damit ihre Verwandten.

Auch ihrem Bruder Peter ermöglichte sie ein Studium der Kunstgeschichte und Malerei an der Kunstakademie in München – er wurde später Kunstmaler. Als sie ihn im Jahr 1938 in München besuchte, entstanden zahlreiche Fotoaufnahmen, die Peter seiner Schwester aus Dankbarkeit zum Namenstag schenkte. Gemacht wurden sie mit einem Holzstativ. Er war damals 30, sie 28. Auf den Bildern sieht man München in der Nazizeit – etwa einen der beiden nach dem Krieg von den Amerikanern gesprengten Ehrentempel auf dem Königsplatz.

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Noch weiter zurück liegen die Aufnahmen aus den 20er-Jahren, die Josef Löschs Vater Wilhelm Leonhard als jungen Mann in München zeigen. „Er war Rossknecht bei Löwenbräu, also für die Fuhrwerke zuständig“, erinnert sich sein Sohn. Außerdem war er Mitglied im Werdenfelser Trachtenverein und trug seine Tracht mit großer Begeisterung. Dass bei den gemeinsamen Ausflügen des Vereins immer für ausreichend Bier gesorgt war, zeigt das Foto mit seinen Vereinskollegen.

Kurz danach lernte Wilhelm Leonhard seine Frau Gertrud kennen. Er stammte ursprünglich aus Coburg, sie war Kölnerin. Gemeinsam lebten sie in München, so dass AZ-Leser Josef Lösch in München geboren wurde – und eine waschechte Münchnerin heiratete. Den Kölschen Dialekt hat er sich trotzdem bewahrt. Genau wie das liebgewonnene Album seines Onkels, in das er uns Einblick gewährte. Vielen Dank!