Noch ehe der Untersuchungsausschuss zur Modellbau-Affäre beginnt, tauchen üble Details auf: Haderthauer bekam vor einer Rechnungsprüfung einen Tipp. Außerdem ging eine Akte verloren.

München - Die fragwürdigen Geschäfte, die Christine und Hubert Haderthauer fast 20 Jahre lang mit psychisch kranken Straftätern abwickelten, werfen auch ein fahles Licht auf die Aufsichtsbehörden. Das geht aus Unterlagen des Bezirks Niederbayern hervor, die der AZ vorliegen.

Wegen der unhaltbaren Zustände war die Produktion der sündhaft teueren Modellautos im Auftrag der Haderthauers und unter der Federführung eines Dreifachmörders im Jahr 2000 vom Bezirkskrankenhaus Ansbach nach Straubing verlegt worden (AZ berichtete).

Doch auch dort herrschten alles andere als geordnete und überschaubare Verhältnisse. Zwischen der Haderthauer-Firma „Sapor Modelltechnik“ und dem Bezirkskrankenhaus gab es allem Anschein nach nicht einmal einen schriftlichen Vertrag.

Erst im Jahr 2008 unternahm der Bezirk Niederbayern mit einer vertraulichen Anweisung an das Rechnungsprüfungsamt einen konkreten Anlauf, Transparenz in das Geschäftsmodell zu bringen. Doch nicht einmal das klappte reibungslos. Wie dem später fertiggestellten Bericht der Rechnungsprüfer zu entnehmen ist, kam die Überprüfung für Hubert Haderthauer alles andere als überraschend.

In dem Bericht steht: „Die Tatsache, dass eine örtliche Prüfung stattfindet, wurde dem Teilhaber der Firma Sapor, Herrn Dr. Haderthauer, auf Umwegen bekannt.“ Wer ihm den heißen Tipp gab, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Christine Haderthauer, die wegen der Affäre im vergangenen Herbst ihr Ministeramt als Staatskanzlei-Chefin verlor, hatte nach Bekanntwerden der umstrittenen Geschäfte versichert, dass man Ende 2008, als sie Sozialministerin wurde, die Firma verkauft habe, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

Die Rechnungsprüfer hatten einen anderen Eindruck. In ihrem Bericht heißt es: „Auffallend ist, dass sich Herr Dr. Hubert Haderthauer so kurz nach Prüfungsankündigung aus dem Geschäft zurückgezogen hat.“

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Bereits die ersten groben Überprüfungen lieferten dem Rechnungsamt Hinweise darauf, dass die Produktion der Modellautos vor allem ein sehr einseitiges Geschäft gewesen sein dürfte. „Es lag der Verdacht nahe“, heißt es in dem Abschlussbericht vom April 2009, „dass die Modellautos vom BKH Straubing zu billig weitergegeben werden.“ Diese Fakten seien für den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes auch der Anlass gewesen, „in die Problematik näher einzusteigen.“

Das Ergebnis der näheren Überprüfungen ergab, dass die Zahlungen der Firma „Sapor Modelltechnik“ an das BKH Straubing nicht einmal die ohnehin niedrigen Arbeitslöhne (drei Euro Stundenlohn) der Psychiatrie-Insassen deckten. Die für das BKH anfallenden, nicht unerheblichen Sachkosten seien zudem überhaupt nicht berücksichtigt worden. Die nüchterne Feststellung der Prüfer in diesem Zusammenhang: „Somit hat die Firma Sapor Modelltechnik zumindest seit dem Jahr 2004 keine Entschädigung gezahlt für die Überlassung der Produktionsstätte, die entstandenen Kosten für elektrische Energie, die Beheizung der Produktionsräume, den Umbau beziehungsweise die Renovierung der Produktionsräume (Anm. d. A. 15 000 Euro), die Tätigkeiten des Therapeuten im Rahmen der Produktion.“

Hinzugekommen sei nach Erkenntnissen der Rechnungsprüfer auch noch eine ganze Reihe weiterer Vorteile für die Haderthauer-Firma: Nutzung der vorhandenen Logistik, Materialbeschaffung durch Kräfte des BKH, Nutzung weiterer Therapiebereiche, kein Geschäftsrisiko, da nur fertige und weiterverkaufte Autos bezahlt werden mussten.

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Auch die durchaus spannende Frage, welche Rolle das Sozialministerium unter der Leitung von Christine Haderthauer in Zusammenhang mit der Prüfung spielte, dürfte im nächste Woche beginnenden Untersuchungsausschuss des Landtags eine Rolle spielen: Das Sozialministerium hat die Fachaufsicht über die Bezirkskrankenhäuser.

Wie dem Prüfungsbericht ebenfalls zu entnehmen ist, empfahl das Ministerium dem Bezirk trotz der eklatanten Erkenntnisse aus der Prüfung, die Autoproduktion im BKH weiter zu betreiben. Darüber dürfte sich vor allem der neue Besitzer der Firma „Sapor Modelltechnik“ gefreut haben. Der Ingolstädter Geschäftsmann ist ein guter Bekannter der Haderthauers.

Interessieren dürfte den Untersuchungsausschuss auch noch ein weiterer Vorgang im Sozialministerium. Im Oktober 2009, so ist einem Aktenvermerk zu entnehmen, verschwand ein Aktenordner mit Unterlagen über die Modellauto-Geschäfte. Er tauchte erst vier Jahre später im Juni 2013 wieder auf, als die Affäre bereits hochgekocht war.