Vom Hobby zum knallharten Business: das Modebloggen ist ein gutes Geschäft für die gesamte Modeindustrie

München - Sie ist jung. Gerade mal 22 Jahre alt und ganz verliebt in Mode. Eileen Primus, Studentin aus der Nähe von Gelsenkirchen, ist damit aber garantiert nicht die einzige junge Frau um die Zwanzig, die sagt: „Mode ist mein liebstes Hobby.“ Dabei unterscheidet sie sich aber von den vielen anderen jungen Mädchen: Eileen hat zusammen mit ihrer besten Freundin Ilka ihren eigenen Modeblog.

Auf der Internetseite www.einzimmervollerbilder.com kommentieren sie Trends, fotografieren sich selbst mit neuen Klamotten und schreiben für ihre Leser drunter, wo es die Schuhe oder Shirts zu kaufen gibt. Leben können sie davon nicht, es ist lediglich ihr Hobby.

Auch Marie Haid aus Berlin hat ihren eigenen Modeblog. Auf www.glamoursister.com lässt sie sich seit zwei Jahren über Mode und Beauty aus – und die 30-Jährige kann davon leben. Hotelfachfrau hat sie gelernt, arbeitet aber seit einem dreiviertel Jahr nur für ihren Modeblog, ganz professionell.

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Ein völlig neuer Markt

Meine Leserinnen wollen sich inspirieren lassen. Außerdem glaube ich, dass Blogs viel authentischer sind als die ganzen Hochglanzmagazine“, sagt Marie. Aber nicht nur die Bloggerinnen profitieren von dem Blog-Hype, auch die Modeindustrie hat sie längst als Werbeträger entdeckt.

Schuhe von Zalando oder Görtz, die die Mädels in ihren Blogs mit dem Kommentar „Stylisch“ und „der neue Trend“ beschreiben, sind bestimmt bald der Renner. Viele dieser Beiträge, im Durchschnitt 70 Prozent, sind mittlerweile von den Firmen gekauft, sagen Marktforschungsexperten, und die Mädels bekommen 1000 bis 2000 Euro Honorar, die Profis sogar mehr.

Ein US-amerikanisches Marktforschungsinstitut hat sogar herausgefunden, dass US-Firmen im vergangenen Jahr rund fünf Milliarden Dollar für Werbung in soziale Netzwerke investiert haben. Durch die Modeblogger scheint sich ein völlig neuer Markt zu etablieren.

"Wir ziehen nur an, was uns gefällt"

Große Blogs wetteifern mit den führenden Magazinen wie Elle und Vogue um Einfluss und Stil – und manchmal werden sie auch von Verlagen aufgekauft. So passiert bei einem der berühmtesten der deutschen Modeblogs: www.lesmads.de. Seit April 2007 informiert der Blog über Mode und Trends, und das so erfolgreich, dass er 2011 für den Grimme-Online-Award nominiert war und mittlerweile zum Burda-Imperium gehört.

Bei Marie und auch Eileen ist herrscht weiterhin der eindeutige Tenor: „Wir ziehen nur das an, was uns auch gefällt.“ Authentizität wird also groß geschrieben. Wohl auch aus dem Grund ist die Resonanz auf die Modeblogger so riesig. Sie sind um einiges nahbarer als die Magermodels großer Kampagnen, sehen aus wie du und ich und tragen Klamotten, die sich jeder User auch leisten kann.

Eileen ist aber glücklich über das Interesse von Firmen an ihrem Blog. Sie flog Ende 2012 auf Einladung des Modemultis Primark zu deren Hauptsitz nach Dublin. Dort konnte sie die neue Mode sehen und darüber schreiben. Primark ist eine Kette für günstige Mode wie H&M oder Zara, und drängt von der Insel aus nach Europa.

Die Leserinnen lieben es

Auch bekommt Eileen regelmäßig Klamotten per Post mit einem Hinweis: Ihr könnt gern darüber berichten, wenn es euch gefällt – und es gefällt meistens. Marie kooperiert auf ihrer Seite mit diversen Firmen und profitiert davon: Klickt der User über ihre Seite auf ein Online-Portal und kauft ein, bekommt sie Provision. Sogar dass es reicht, davon den Lebensunterhalt zu beziehen.

Auch zu Modenschauen werden die beiden oft eingeladen, zum Beispiel zur Berliner Fashion-Week. Und sie bloggen direkt vom Laufsteg. Das geht viel schneller als es Magazine je können. Und die Leserinnen lieben es.