Eingezäuntes Oktoberfest Mobiler Rollzaun: Der Wiesn-Käfig steht!

Seit Montag grenzt ein mobiler Zaun die Theresienwiese ein. Die Bilder. Foto: Petra Schramek

Die letzte Lücke um das Oktoberfest ist geschlossen, der umstrittene Zaun steht. Die Abendzeitung hat den Aufbau am Montag begleitet und erklärt, was der Zaun für die Wiesnbesucher bedeutet

München - Im Minutentakt wird Franz Fischer (47) bei der Arbeit gestört. „Bauen Sie den Zaun auf?“ fragt eine ältere Dame den Metallbauer. „Da schau her, des werd’ die Oktoberfestung“, stellt einer fest, der vom Radl abgestiegen ist, um den umstrittenen Wiesnzaun beim Kotzhügel aus der Nähe zu begutachten. Franz Fischer werkelt seit Montagfrüh um halb sieben mit seinem Kollegen an der Hangkante der Theresienhöhe. Nur einen Tag dauert es, um den 350 Meter Sicherheitszaun mit Namen Secu-Fence aufzustellen.

Wenn Panik ausbricht, lässt sich der Zaun innerhalb von 50 Sekunden aufrollen. Zwischen sieben fest installierten Zaun-Elemente sind wie eine Vorhangstange Metallschnüre gespannt, an denen der Zaun läuft. Wenn unten ein Sicherheitshaken gelöst wird, lässt sich der Zaun einrollen. „Das passiert von Hand, weil wir sonst Strom brauchen würden und das System störungsanfälliger wäre. Weil der Zaun ganz leicht ist, braucht’s nicht besonders viel Kraft, um ihn einzurollen“, sagt Franz Fischer.

Ein Großteil der Wiesn ist seit Jahren eingezäunt

27 Ordner werden immer am Zaun sein, um ihn im Notfall sofort zu öffnen. Wenn am Freitag die Wachdienstler ihren Dienst auf dem Oktoberfest antreten, werden sie am Zaun eingewiesen und proben den Ernstfall. „Der Rest der Theresienwiese ist wie jedes Jahr durch Bauzäune gesichert. Hier schauen Streifen regelmäßig nach dem Rechten“, sagt Hans Spindler, Fachbereichsleiter für Veranstaltungen bei der Stadt München. Die meisten dieser Bauzäune sind noch mit Holzverstrebungen gesichert, so dass sie auf keinen Fall kippen können.

Seit Jahren ist ein Großteil des Festgeländes eingezäunt. Weil nicht nur Fahrgeschäfte und Zelte sind auf dem Festgelände sind, sondern auch die privaten Wohnwagen der Schausteller. Trotzdem ist der Wiesn-Zaun heuer das Gesprächsthema Nummer Eins. Der Stadtrat hatte die Errichtung eines Zauns Anfang Juli noch abgelehnt. Die Anschläge von Ansbach und Würzburg und der Amoklauf in München haben jedoch zu einem Umdenken geführt. KVR-Chef Thomas Böhle erklärte, die Stadt habe der „erhöhten abstrakten Gefährdungslage“ Rechnung tragen müssen. Jetzt sind die letzten 350 Meter um die Wiesn geschlossen. Auf das Oktoberfest kommt nur, wer einen der 15 Eingänge benutzt.

Besucher müssen mehr Zeit einplanen, um aufs Festgelände zu kommen, weil an den Eingängen stichprobenartige Kontrollen mit Metalldetektoren durchgeführt werden. Alle Besucher zu kontrollieren wird zeitlich und personell nicht möglich sein. Bis zu 450 städtische Ordner werden die Kontrollen an den 13 Eingängen durchführen. Wer an der U-Bahnhaltestelle Theresienwiese aussteigt, kommt nicht mehr direkt aufs Festgelände, sondern wird zum Bavariaring umgeleitet. Rucksäcke sind generell verboten und Taschen, die mehr als drei Liter fassen auch. Gepäck kann außerhalb der Wiesn an neun Aufbewahrungsstellen aufgegeben werden.

Der Wiesnzaun wird seit Jahren an anderer Stelle in der Stadt eingesetzt: bei Fußballspielen lenkt er die Besucherströme um die Allianz Arena. Wer am Dienstag das Champions-League-Spiel der Bayern gegen Rostow im Stadion sieht, kann den Wiesnzaun schon im Einsatz erleben. Nur sind Franz Fischer und sein Kollege dort noch nie beim Aufbau von Passanten angesprochen worden.

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