Mit neuem Album nach München Meat Loaf: "Alle Energie kommt aus mir selbst"

Er ist wieder da und präsentiert nach über 20 Jahren ein neues Album. Mal ehrlich, hätte man ihm das zugetraut? Foto: CI S&D

Meat Loaf hat mit "Braver Than We Are“ ein neues Album aufgenommen und stellt es demnächst auch in München vor.

München - Beinahe 40 Jahre ist es her, dass Meat Loaf mit seinem Debütalbum "Bat Out of Hell“ eingeschlagen ist – und später mit "Bat Out of Hell 2“ eines der größten Comebacks der Rockgeschichte hingelegt hat. Zig Millionen verkaufte Platten später hat er sich ein weiteres Mal mit seinem Partner, dem Komponisten Jim Steinman, zusammengetan.

Nun erscheint das erste Album seit mehr als 20 Jahren. "Braver Than We Are“ knüpft an die legendäre Zusammenarbeit an: mit bombastischen Powerballaden, treibenden Rocksongs und bedächtigen Piano-Stücken. Stilistisch wird vorsichtig mit elektronischen Sounds, härterem Rock und Gospel experimentiert. Das Klavier bleibt aber stets dominant in den teils überstreckten Songs.

Zusammen gegen die Musikindustrie

Mit dem Opener "Who Needs The Young“, einem Song wie aus der Zirkusmanege, findet sich auch eine von Steinmans frühesten Kompositionen auf dem Album. Was der Sammlung streckenweise fehlt, ist ein roter Faden. Kenner werden allerdings viele Verweise und Versatzstücke aus Steinmans Feder entdecken – am deutlichsten bei "Skull of Your Country“.

Verglichen mit "Braver Than We Are“ fällt das neue Album ab. Die Produktion klingt bisweilen etwas steril, Meat Loafs Stimme peitscht die Lieder nicht mehr so vehement an. Doch für Fans von Steinmans prächtigen Kompositionen und Meat Loafs opernhafter Interpretation bietet "Braver Than We Are“ viel Unterhaltsames. Und zum ersten Mal sind die beiden zusammen auf dem Albumcover abgebildet – als Streiter gegen die Musikindustrie, die ihnen so viele Steine in den Weg gelegt hatte. Das Interview.

AZ: Jim Steinman hat wieder sämtliche Songs geschrieben – über Jahrzehnte hinweg. Wie schafft man es, daraus ein schlüssiges Album zu machen?

MEAT LOAF: "Die "älteren“ Songs fühlen sich nicht anders an als die ganz neuen. Wenn es unterschiedliche Komponisten gewesen wären, wäre es eine andere Sache, aber es ist Steinman, und ich weiß, wo das alles herkommt."

Gab es eine besondere Herausforderung beim Aufnehmen des neuen Albums?

MEAT LOAF: "Alle Charaktere in den Liedern sind 19 Jahre alt. Ich fand es wirklich interessant, dass Jim "Who Needs the Young“ schrieb, als er 19 war. Der Ausdruck ist so wütend auf die Welt, so unfassbar wütend, also fand ich es interessant, jeden Song aus dieser Perspektive anzugehen. Das Album ist also sehr tiefsinnig. Mein Ausdruck ist anders als bei jemandem, der schon sehr lange singt – eher so wie bei einem jungen Sänger."

Was lernt man in all den Jahren als Sänger?

MEAT LOAF: "Zum Beispiel die Charaktere im Song voller und lebendiger werden zu lassen. Ihnen einen Herzschlag zu geben. Das habe ich übrigens auch bei den Filmen gelernt, die im gemacht habe. Mein Motto lautet: Man muss jeden Tag etwas Neues dazu lernen. Und ich werde heute Abend hochgehen und etwas über Archäologie herausfinden. Oder nein, ich weiß, was ich wissen will: Wie entsteht Donner? Ich weiß zwar, wie ein Blitz entsteht. Aber Donner?"

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Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

MEAT LOAF: "Ich wiederhole mich, aber was mich antreibt, ist das Lernen. Wenn ich ein Filmskript durchgehe und sofort weiß, wie ich das mache, bitte ich meinen Manager abzusagen. Das ist mir dann zu einfach. Wenn ich mich aber frage: "Wie soll ich das machen? Das ist ja unmöglich.“ Dann nehme ich an und fange an zu arbeiten."

Würden Sie sich also als ruhelos bezeichnen?

MEAT LOAF: "Aber nein, überhaupt nicht. Meine Frau würde sogar sagen, dass ich faul bin. Allerdings arbeitet mein Hirn ohne Pause. In manchen Nächten macht mich das fast verrückt. Ich wache auf und kann nicht mehr einschlafen, weil ich an diesen Typen denke, über den ich gerade gelesen habe. Oder ich denke an eine Show oder eine Tour und grüble nach, welche Songs wir spielen und deren Reihenfolge. Ich denke wirklich ganze Zeit nach."

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Hat sich die Musikindustrie verändert?

MEAT LOAF: "Ich habe keine Ahnung, was sie da tun. Es ergibt jedenfalls keinen Sinn. Früher ging es um das Lied, das den Hörer packen sollte. Am Herzen, am Arm, am Kopf, wo auch immer. Heutzutage denken sie darüber nach, wie man etwas ins Radio bekommt, und eben nicht mehr, ob es ein guter Song ist."

Wie gehen Sie heute Ihre Live-Auftritte an?

MEAT LOAF: "Wenn ich auf die Bühne komme, sehe ich nur die Musiker. Das Publikum verschwindet. Viele Künstler nehmen die Energie des Publikums auf, um sich selbst anzutreiben. Bei mir ist das nicht so. Im Gegenteil. Ich habe immer gesagt: Ich kann die gleiche Show vor vier Bäumen oder 400 000 Menschen spielen, weil all die Energie aus mir selbst kommt."

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