Mit Masken und Bengalos Video: Bayern-Ultras überfallen Löwen-Fans im Mamasita

, aktualisiert am 29.12.2017 - 10:50 Uhr
Das Mamasita im Lehel: Hier ereignete sich der Vorfall. Die linke Scheibe wurde mit Plexiglas provisorisch geflickt. Foto: Nina Job

An Weihnachten haben gewaltbereite Bayern-"Fans" ein Lokal am Isartorplatz überfallen, in dem eine Gruppe von Löwen-Anhängern saß. Sie verwüsteten das Lokal, Gäste gerieten in Panik. Die Lage kurz nach dem Vorfall im Video.

Lehel – Der erschreckende Vorfall wurde erst fünf Tage später bekannt. Doch für die ahnungslos feiernden Gäste und das Personal hat er nichts von seinem Schrecken verloren.

Am Samstag, in der Nacht vor Heiligabend, haben etwa 30 vermummte Männer das Mamasita am Isartor gestürmt. Die gewaltbereiten Bayernfans wollten eine private Geburtstagsfeier eines Löwenfans sprengen. "Das war wie die Apokalypse", sagte die Betriebsleiterin (32) am Donnerstag zur AZ. "Alles war ganz friedlich und plötzlich nur noch Schreie und Panik." Die Ultras hinterließen eine Spur der Verwüstung. Die Polizei schätzt den Schaden auf mindestens 20.000 Euro.

Samstagabends ist das Mamasita am Isartor immer gut besucht. Das spanisch-mexikanische Restaurant gilt nicht als Treffpunkt von Fußballfans. "Wir haben ein ganz normales, gemischtes Publikum", sagt die Betriebsleiterin. Am Abend vor Weihnachten waren rund 100 Gäste zu Besuch. Im Erdgeschoss feierte ein Löwenfan mit etwa 20 Freunden privat seinen 24. Geburtstag. Die Gruppe hatte mehrere Stehtische reserviert.

Plötzlich, etwa 20 Minuten nach Mitternacht, sahen Passanten eine Gruppe Männer auf das Restaurant zustürmen. Die meisten waren vermummt und hatten Bengalos dabei – Ultras des FC Bayern, laut Polizei. Dann ging alles ganz schnell.

"Einige dachten an Amoklauf"

Die Angreifer brüllten, dass sie die Löwen schlagen wollten, und versuchten in das Mamasita zu kommen. Die Löwenfans und die Barkeeper stellten sich ihnen entgegen, drängten die Angreifer heraus und verbarrikadierten die Eingangstür.

Daraufhin nahmen Bayern-Ultras Stühle und einen Marmortisch von der Terrasse und zertrümmerten damit die große Schaufensterfront. Mit lautem Krachen ging die riesige Schaufensterscheibe zu Bruch, die Scherben flogen ins Innere des Restaurants. Gäste schrien und versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. "Das weibliche Personal ist in die Küche geflüchtet", sagt die Betriebsleiterin.

"Das war ein totaler Schock. Niemand wusste, was eigentlich los ist. Einige dachten an einen Amoklauf", berichtet die Betriebsleiterin. Als die ersten Polizeiwagen zu hören waren, flüchteten die Bayernfans – woraufhin die Löwen die Verfolgung aufnahmen. Am Brunnen neben dem S-Bahn-Abgang prügelten sie aufeinander ein. "Dabei gingen einige Personen zu Boden. Sie dürften auch Verletzungen erlitten haben", sagte Polizeisprecher Benjamin Castro Tellez am Donnerstag.

Bayern-Ultras randalieren im Mamasita am Isartorplatz from Abendzeitung München on Vimeo.

Polizei kann zwölf Schläger festnehmen

Als die Polizei eintraf, flüchteten sowohl Löwen- als auch Bayern-Fans. Trotzdem konnte die Polizei noch zwölf Verdächtige, allesamt Bayern im Alter von 17 bis 30, festnehmen. Die Männer wurden wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie schweren Landfriedensbruchs angezeigt.

Zwischen den Ultra-Gruppierungen der Bayern und Löwen kommt es immer wieder zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Dass diese aber in einer Gaststätte mit so vielen Unbeteiligten ausgetragen werden, ist ein Novum.

Im Mamasita ist das Entsetzen über den Vorfall auch fünf Tage danach noch spürbar. Das Lokal hatte während der Feiertage geschlossen. Erst am Mittwoch, nach einer mehrstündigen Putz- und Aufräumaktion, wurde wieder geöffnet. Einige Gäste prellten in ihrer Panik die Zeche. Die Betreiber befürchten zudem einen Imageschaden.


Zeugen, die sich bei den Einsatzkräften vor Ort noch nicht gemeldet haben und sachdienliche Angaben machen können bzw. im Besitz von dementsprechenden Videoaufnahmen sind, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Kommissariat 23, Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

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