Traumhaft tragikomisch: „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ im Metropoltheater

"Harald Schmidt hat „sehr nett“ abgesagt, Uschi Glas kommt nicht in Frage, und die Kollegin Valerie, die vor allem die Herren gerne noch im Team hätten, ist nicht nur nicht prominent, sondern kommt aus Afrika: „Wir brauchen hier keine Schwarzen“, beschließt Christine. „Wir“ sind Schauspielerinnen und Schauspieler, die eine Wohltätigkeits-Show zugunsten eines Schulprojekts in Guinea-Bissau proben.“ Wird anfangs um formale Fragen gestritten, fährt sich das Quintett immer tiefer fest in den Abgründen von Mitleid, Solidarität und politischer Korrektheit bis hin zu einer zynischen Debatte über den Wert eines Menschen.

„Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ von Ingrid Lausund ist eine hinterhältige Satire auf den Entwicklungshilfebetrieb und seine Spendensammler, die Ercan Karaçaili bewundernswert entspannt im Metropoltheater inszenierte. Für die Schauspieler eine doppelte Herausforderung, denn es geht nicht nur um einen grimmigen Spaß mit der ganz normalen Denkträgheit des Wohlstands-Europäers, sondern sie müssen sich auch lustig machen können über die eigenen, berufsbedingten Eitelkeiten. Da kämpft Christine (Lilly Forgách) darum, als strenge Talkshow-Mutti ernst genommen zu werden, oder Leo (Martin Dudeck) genießt sein Beleidigtsein, weil fast alle seine Auftritte gestrichen sind.

Traumhaft komisch ist der Spendenaufruf von Rainer (Herbert Schäfer), der sich in seinem zusammengegoogelten Zettelverhau verirrt, tragikomisch der Versuch von Eva (Friederike Pasch), die Spendenwilligkeit durch einen Ausdruckstanz zu animieren, und Eckhard (Matthias Kupfer) lässt offen, ob seine fulminante Wutrede tief empfundener Betroffenheit oder nur professionellem Können entspringt. Am Ende der Komödie aber schlägt die Realität zu: Die Sammelbox am Ausgang ist ebenso echt wie die Schule in Afrikas hungerndem Westen.

Metropoltheater, 18., 20., 21., 25. bis 28., 30. Juni, 20 Uhr, Telefon 3219 55 33