Messe in München Die Medizin der Zukunft: Gesund per App

Wie sieht die Medizin der Zukunft aus? Eines ist klar: Das Handy spielt eine große Rolle. Foto: Petra Schramek

Die Medizin von Morgen wird eine völlig andere sein. Wie diese Zukunft aussehen könnte, lernt man bei einer Messe in München.

München - Wenn das Kind Fieber hat, man selbst starken Husten, ein gebrochenes Bein oder eine Depression, geht man zum Arzt. Zum passenden Arzt natürlich. So war das bislang – wird aber bald nicht mehr so sein.

Die Digitalisierung verändert alle Bereiche unseres Lebens, auch das Gesundheitswesen. Es gibt viele Start-ups auf der Welt, die mit neuen Technologien daran arbeiten, unsere Gesundheitsversorgung zu verbessern und zu vereinfachen. Bei der Future X Healthcare-Messe, die von dem Pharmakonzern Roche organisiert wird, stellen sich solche Start-ups vor.

Manche haben Apps entwickelt, mit denen man Körperfunktionen messen und Krankheiten erkennen kann. Diese Daten kann der Arzt, der dieselbe App hat, sofort analysieren. Die Medizin von Morgen will Ärzte aber nicht überflüssig machen. Sie will Diagnosen verbessern, Fehldiagnosen vermeiden, Therapien unterstützen und Krankheiten früher erkennen. Fünf Neuheiten stellen wir Ihnen hier vor.

Herzrhythmusstörungen: EKG? Das kann jetzt auch das Handy!

An den Gedanken muss man sich erstmal gewöhnen: Die Handykamera nimmt nicht nur Fotos auf, sondern testet auch das Herz. Genau das kann die App, die das belgische Start-up FibriCheck entwickelt hat. Und die funktioniert so: Man hält den Finger an die Kamera seines Smartphones und diese misst 60 Sekunden lang den Herzschlag. Messen kann sie ihn, weil die Farbe der Haut sich durch das Pumpen des Herzens ständig verändert.

Sind die 60 Sekunden vorbei, sagt einem die App, ob man Herzrhythmusstörungen hat und ob sie so gravierend sind, dass man einen Arzt aufsuchen sollte. "Es gibt viele Herzrhythmusstörungen, die harmlos sind", sagt Bieke Van Gorp, eine der Gründerinnen. Ihre Software erkenne die gefährlichen – die, die lebensbedrohlich sein können. Außerdem gebe es Herzrhythmusstörungen, die sich nur hin und wieder zeigten. Deswegen sei eine regelmäßige Kontrolle wichtig. Und die will FibriCheck sein. In Europa ist die App schon als medizinisches Messinstrument zugelassen.

Depression: Psychotherapie am Handy

Jeder fünfte Deutsche erkrankt statistisch gesehen im Laufe seines Lebens an einer Depression. Viele von ihnen finden aber keinen Psychotherapeuten, weil deren Wartelisten zu lang sind. Thorsten Lethenborg will das ändern. Er ist Geschäftsführer des dänischen Start-ups Monsenso. Das 2013 gegründete Unternehmen hat eine App entwickelt, die Patienten, die wegen psychischer Erkrankungen in Behandlung sind, mit ihrem Arzt oder ihrer Klinik verbindet und die Therapie unterstützen soll.

Lethenborg zeigt an seinem Smartphone, wie das funktioniert: Auf einer Art Fragebogen geben die Patienten täglich eine Selbsteinschätzung ein. Wie viel sie geschlafen haben, wie sie sich fühlen, wie viel sie getrunken oder wie aktiv sie waren. Kriterien, die für die individuelle Therapie relevant sind. So haben beide Seiten immer einen genauen Überblick über den Therapieverlauf und können im Notfall auch schneller reagieren.

Lungenentzündung: Umsonst im Wartezimmer sitzen? Nicht mehr lange!

Wojciech Radomski sagt: "75 Prozent der Hausärzte erkennen Lungenentzündungen nicht." Genauer gesagt: Sie hören sie nicht. Denn in der Regel horchen Ärzte ja an einem Stethoskop, um zu überprüfen, wie es der Lunge geht.

Um Erkrankungen der Lunge zuverlässig zu erkennen, hat der 30-Jährige in Polen das Start-up StethoMe gegründet, das eine Art intelligentes Stethoskop entwickelt hat. "Das Gerät analysiert mit künstlicher Intelligenz die Geräuschmuster und erkennt, wenn etwas nicht stimmt", sagt Radomski. Die Daten sendet das Gerät an eine App und dann an den Arzt. Der kann sich die Lungengeräusche an seinem Computer anhören. Außerdem sind sie visualisiert – Auffälligkeiten kann er also auch sehen.

Das Stethoskop, das auch Fieber messen kann, soll in zwei Jahren auf den Markt kommen. Gedacht ist es vor allem für Eltern. Die sollen durch den unkomplizierten Austausch mit dem Arzt schneller erfahren als bisher, ob mit ihrem Kind alles in Ordnung ist. Überflüssige Arztbesuche gehören dem Gründer zufolge dann der Vergangenheit an.

Alzeihmer: Wenn man die Dinge vergisst

Alzheimer ist eine Erkrankung, die zwar viele im Alter ereilt, aber nicht gerade leicht zu diagnostizieren ist. Combinostics aus Finnland hat eine Software entwickelt, die die Daten aus verschiedenen neurologischen Tests zusammenfasst und Ärzten so eine zuverlässige Diagnose ermöglicht, ob ein Patient Alzheimer hat oder nicht.

Röntgenbilder: Intelligente Interpretationshilfe

Als Patient kann man sowieso nichts anfangen mit den Bildern aus einem Röntgengerät. Aber auch für Ärzte ist es in manchmal schwierig, Auffälligkeiten richtig zu deuten. Das Start-up Contextflow hilft dabei: Klickt der Arzt auf einen Bereich des Bildes, vergleicht ihre Software ihn mit Millionen von ähnlichen Bildern und Befunden. Die passende Fachliteratur liefert sie auch gleich mit.

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