Mein Viertel - AZ-Serie Folge 19: Der Versicherungsagent Alfred Moritz über Vorurteile, eine besondere Wiese, alte Probleme und frische Melonen.

Nordschwabing – ja, so heißt es gerne in Immobilienanzeigen und von Leuten, denen ihr Viertel peinlich ist. Ich sehe das anders. Daraus, dass ich aus dem Hasenbergl stamme, mache ich kein Geheimnis, im Gegenteil, ich bin sogar stolz darauf. Der Stadtteil ist viel besser als sein schlechter Ruf, der – objektiv betrachtet – längst nicht mehr gerechtfertigt ist.

Das geht schon bei der Kriminalitätsstatistik los, die in anderen, auch den zentraleren, Stadtteilen weit schlechter aussieht als bei uns. Dafür lässt das Hasenbergl in puncto Freizeitwert viele andere Viertel alt aussehen.

Da ist zum Beispiel die Panzerwiese. Früher ein Manövergebiet der Bundeswehr, haben sich die Hasenbergler das idyllische Terrain inzwischen zurückerobert. 180 Pflanzenarten wachsen hier, es gibt Rebhühner, Sperber, Wildkaninchen. Die untergehende Sonne, der Wald am Rand – im Sommer ein Traum.

Menschen auf den Stadtteil neugierig machen

In den vergangenen zwei Jahren war ich im Gewerbeverein des Hasenbergls engagiert, als dessen Vorsitzender. „Walk of Hasenbergl“, so nennen wir uns. Das Ziel: etwas fürs Viertel tun, etwas bewegen. Aber nicht nur durch schöne Worte, sondern durch konkrete Events, vom Song Contest bis zum Weihnachtsmarkt. Nur so kann man auch Menschen außerhalb des Stadtteils neugierig machen, sie ermuntern, sich einfach mal in die U2 zu setzen und bis zum Hasenbergl durchzufahren.

Schon am modernen U-Bahnhof bekommen Sie ein ganz anderes Bild des Stadtteils, versprochen. Besonders im Sommer ist hier alles grün – die tatsächlich manchmal etwas tristen Fassaden fallen dann kaum auf. Es gibt kleine Wäldchen, Tannen, Birken, Pinien, in der Nähe gleich drei Badeseen und unglaublich viele Sportplätze. Die Grenzen zur Lerchenau, wo ich heute wohne und arbeite, und Feldmoching sind übrigens fließend.

Sehr unterschiedliche Lebenssituationen

Auch hat das Hasenbergl berühmte Söhne und Töchter zu bieten: Ärzte, Manager, Anwälte, Sportler, Schauspieler. Aber auch die normal – und ebenso hart – arbeitende Bevölkerung. Diese Mischung macht ein bisschen auch den Reiz des Viertels aus.

Meine Herkunft aus dem Hasenbergl hilft mir übrigens auch bei meiner Arbeit. Als Generalvertreter der Allianz muss und möchte ich mich in sehr unterschiedliche Lebenssituationen hineinversetzen – vom Arbeiter bis zum Top-Manager. Das Hasenbergl hat mich geerdet.

Integration? Natürlich ein Thema. Und nicht immer ein einfaches. Hier gibt es wie so oft im Leben gute und schlechte Geschichten zu erzählen. Zu den guten gehört sicher der Gemüsehandel „Burak“. Der hat nicht nur die bes ten Melonen, sondern auch immer Zeit für einen netten Ratsch.