Die AZ stellt die medizinischen Meilensteine vor: Was die Spezialisten heute alles können – und warum eine neue Methode zur Blutdrucksenkung schon bald Millionen Betroffenen helfen könnte.

 

Anzeige

Bluthochdruck ist heimtückisch: Er tut nicht weh, man spürt nichts und er kann trotzdem tödlich enden. Denn die „Hypertonie“ zerstört die Gefäße, sorgt dort für die berüchtigte Verkalkung und gehört damit zu den fünf gefährlichsten Risikofaktoren für einen akuten Herzinfarkt oder Schlaganfall. Deshalb dürfte eine neue Methode der Blutdrucksenkung mit überzeugenden Ergebnissen eines der Top-Themen des Kardiologenkongresses sein. Denn davon könnten in Zukunft Millionen Patienten profitieren.

„Insgesamt leiden nach aktuellen Studien bis zu 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland an einem zu hohen Blutdruck. Bis zu 15 Prozent davon sind medikamentös nicht einstellbar", sagt Prof. Ellen Hoffmann, Chefärztin der Kardiologie am Klinikum Bogenhausen. Oberarzt Dr. Martin Schmidt, der schon viele Eingriffe durchgeführt hat, ergänzt: „Vielen Betroffenen könnte in Zukunft deshalb eine Nierenarterien-Ablation dauerhaft helfen, so wie Herrn Schauer“ (siehe oben). Bei dieser kathetergeführten Therapie, der so genannten Renalen Sympathikusdenervation, werden die Nervengeflechte an den beiden Nierenarterien in spiralförmiger Weise von Kardiologen mit Hochfrequenzstrom punktuell verödet.

Das Geniale an der Methode: Dieser lokale, einmalige Eingriff führt zu einer Herabsenkung der Aktivität des gesamten „sympathischen Nervensystem“ und damit zu einer Senkung des Blutdrucks, da die Nervenstränge an den beiden Nierenarterien den Blutdruck und die Engstellung der Gefäße regulieren und ihre Überaktivität zwangsläufig zu einem Teufelskreis von Bluthochdruck führt. Nach 36 Monaten Erfahrung sprechen die Erfolge der neuen Methode für sich: Bei über 80 Prozent der Patienten konnte der Blutdruck effektiv und dauerhaft gesenkt werden. Darüber hinaus vermuten Kardiologen auch noch positive Effekte auf den Zuckerstoffwechsel sowie bei Herz- und Nierenschwäche:

„Diese Effekte sind noch nicht durch große Studien belegt, stehen aber im Fokus der aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen und werden auf dem Europäischen Kardiologenkongress intensiv diskutiert werden“, so Professor Hoffmann. Heute braucht dank der in den letzten Jahren ständig verbesserter Technologien und Methoden niemand mehr vor einem Herzschrittmacher, einem implantierten Defibrillator oder vor einer Herz-Katheteruntersuchung mit anschließendem Stenten oder einer Ablation Angst zu haben: Diese Therapien haben Millionen Menschen bereits das Leben gerettet beziehungsweise es um viele Jahre oder sogar Jahrzehnte verlängert. So können Kardiologen heute auch vielen Patienten, die an Herzrhythmusstörungen leiden, mit einer Radiofrequenzstrom- oder Kryo-Ablation helfen.

Eine weitere Erfolgsgeschichte der Kardiologie sind moderne Stents, winzige Gefäßstützen aus Draht: „Wir verwenden heute medikamentenbeschichtete Stents“, sagt Prof. Karl-Ludwig Laugwitz, Kardiologe und leitender Oberarzt der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik der TU München: „Neue Studien belegen, dass mit solchen modernen DES-Stents die Gefäße wesentlich länger offen bleiben. Lag die Rate einer erneuten Verengung bei den alten Stents noch bei rund 40 Prozent, liegt sie bei modernen nur noch bei fünf.“

Besteht die Gefahr für ein tödliches Kammerflimmern können Kardiologen heute Patienten moderne Defibrillatoren mit integrierten Schrittmachern einsetzen. „Sobald dann eine lebensgefährliche Herzrhythmusstörung auftritt, kann das kleine Gerät zunächst versuchen, durch ,Überstimulation’ die Rhythmusstörung zu beenden, oder es löst automatisch einen Schock aus und rettet seinem Träger damit das Leben", sagt Prof. Stefan Kääb von der Uniklinik München.

 

 

Bleiben Sie auch mit den mobilen Angeboten der Abendzeitung immer auf dem Laufenden: über die iPhone-App (zum Download im App-Store), die Android-App (zum Download im Play-Store) und die mobile Website m.abendzeitung-muenchen.de