Ein Priester-Sketch: zugegeben derb, aber auf Fakten basierend. Jedenfalls zuviel für den BR. Der Sender schneidet ganze Passagen aus dem Auftritt des Kabarettisten Martin Puntigam raus

 

Humor und Satire: Darüber lässt sich bekanntlich vortrefflich streiten“, sagt Ruth Oppl. Über Zensur im TV allerdings nicht. Die muss man konsequent in einer Demokratie mit Meinungs- und Pressefreiheit bekämpfen. „Gerade das Kabarett muss frei von Kontrolle und Beschränkung sein“, findet die Münchner Künstleragentin. Ist es aber offenbar nicht. Zumindest nicht beim BR, scheint es.

Die Erfahrung musste Martin Puntigam machen. Sein Priester-Sketch „Atomic Wedgie“ wurde in der am Freitag ausgestrahlten Sendung „Bühnensport aus dem Vereinsheim Schwabing“ radikal gekürzt. Besonders am Text-Ende hat sich die BR-Redaktion zu schaffen gemacht, sagt seine Agentin Oppl.

Hier spricht der Kabarettist aus Österreich über Nahkampf-Erfahrungen dank eines Waffenarsenals im Messkoffer und bezeichnet die päpstliche Stola als Partisanenschlinge. Das war dem Sender offenbar zu viel. „Der BR fürchtete wohl einen Sturm der Entrüstung der Katholiken“, sagt Oppl.

Offiziell wurden die Streichungen mit Zeitmangel begründet. Eine Minute musste weg. Warum? „Die gesamte Sendung hatte eine Überlänge von insgesamt 20 Minuten“, sagt BR-Sprecherin Regine Fenn. Auch weil es noch einen Überraschungsauftritt von Christian Ude gab. Das stößt bei Ruth Oppl auf Unverständnis. „Und jetzt mimen Berufspolitiker auf der Bühne nicht nur unpassenderweise den Wutbürger, sondern stehlen echten Kabarettisten auch noch die Zeit.“

Aber sei’s drum. Vielmehr ärgert sich Oppl über die fadenscheinige Zeit-Begründung. Schließlich wurden auch Sätze mittendrin gekürzt, deren Aussprache nur ein paar Sekunden dauern würde. „So wie der über vergewaltigte Frauen, denen in katholisch geführten Kliniken die medizinische Erstversorgung versagt wurde.“ Puntigam sei zwar für seine harte Gangart auf der Bühne bekannt. „Dass aber faktisch richtige Sachverhaltsdarstellungen gestrichen werden, grenzt an politisch motivierte Zensur“, sagt Ruth Oppl. Gerade diese unterlassene Hilfeleistung sei eine große Verfehlung der katholischen Kirche und gehöre in einen solchen Sketch mit rein.

Fenn versteht die Aufregung nicht: „Die Kürzungen wurden mit Puntigams Managerin besprochen. Er selbst wurde per E-Mail darüber informiert. Die gesendete Version des Auftritts war ebenso kirchenkritisch wie die des Liveauftritts.“

Der Auftritt von Puntigam und Ude landete auch auf der Homepage des BR, wo es ja keine Sendezeitbegrenzungen gibt. Laut Oppl wurde Ude hier zunächst in der ungeschnittenen Version gezeigt. Puntigams Auftritt hingegen blieb geschnitten. Das wäre ein Beleg für Zensur – als die AZ das am Montag überprüfen will, finden sich hier allerdings nur die bearbeiteten Versionen beider Auftritte.

Lange haben Ruth Oppl und Martin Puntigam überlegt, ob sie mit dem zensierten Text an die Öffentlichkeit gehen. „Kabarett-Shows im TV sind rar“, sagt Oppl. „Da herrscht der Tenor: Sei dankbar, dass Du überhaupt eingeladen wurdest.“ Wer sich dann auch noch über zu kurze Spielzeit oder Streichungen beschwert, der könne schnell weg vom Fenster sein. „Wir kommen aber gut mit der BR-Redaktion aus“, sagt Oppl. „Dass der BR sich aber immer noch auf Kosten der Kabarettisten als Schutzmacht für die katholische Kirche empfindet, geht einfach nicht.“

Puntigams Programm ist am 17. April um 20.30 Uhr im Lustspielhaus live zu sehen – ohne Zensur.

 

Lesen Sie hier: So klingt Puntigams Kirchensketch ungeschnitten