"Marmor, Stein und Eisen bricht…" Harmonie beim CSU-Parteitag: "Lieber Horst" – "Liebe Angela"

Eine Liebe wie ein deutscher Schlager: Horst Seehofer und Angela Merkel. Foto: dpa

Der CSU-Chef empfängt die Kanzlerin auf dem Parteitag mit warmen Worten, die beiden scherzen.  Das klare Signal: Nur mit Einigkeit hat die Union Erfolg.

Nürnberbg - Friede, Freude, Eierkuchen. Nach Wochen der Machtkämpfe geben sich die Christsozialen auf ihrem zweitägigen Parteitag in Nürnberg beinahe klebrig harmonisch – wenn auch nicht jeder im Saal glaubt, dass der Waffenstillstand zwischen Parteichef Horst Seehofer und dem designierten Ministerpräsidenten Markus Söder auf Dauer hält.

Überraschungen sind an diesem Samstag nicht zu erwarten, wenn Seehofer erneut zum Vorsitzenden und Söder erstmals zum Spitzenkandidaten gewählt werden sollte. Selbst das Hickhack um die Vize-Posten hat sich in Harmonie aufgelöst. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt tritt nicht mehr an. Um die fünf Stellen bewerben sich fünf Kandidaten – alles wunderbar.

Sogar die Kanzlerin ist wieder dabei. Seehofer empfängt sie mit einem Lächeln, sie wird bejubelt, beklatscht. Ein paar Pfiffe sind aber zu hören. Was sagt Angela Merkel (CDU), die sich 2015 eine Standpauke von Seehofer anhören musste und dem Parteitag 2016 daraufhin fernblieb? "Ob Sie's glauben oder nicht, ich freue mich richtig, wieder bei Ihnen auf dem CSUParteitag zu sein", begrüßt sie die Delegierten.

Nach ihrer Rede gibt's langen Applaus für die Kanzlerin

"Wir machen es uns nicht leicht", gesteht Merkel ein. Doch CDU und CSU seien immer dann stark, wenn sie einig sind. "Deshalb lohnt es sich, um diese Einigkeit zu ringen." Und an Seehofer gewandt, sagt sie: "Lieber Horst, ich habe mal die Platte 'Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht' aufgelegt. Jetzt wäre es fast wieder so weit." Rosa Wölkchen über der Messehalle 7A.

Merkel spricht über Flüchtlingspolitik, den ländlichen Raum und darüber, dass sie nichts von einer "Einheitskasse" hält, "so schön sich das auch anhört". Für das Nein zur SPD-Forderung erhält sie donnernden Applaus. Am Ende ihrer Rede gibt's Standing Ovations und als Seehofer spricht, reicht er der "lieben Angela" die verbalen Blümchen artig zurück: "Geschlossen, erfolgreich, einzigartig" – so sei die Union. Und: "Auch wenn Du es mir nicht glaubst, ich freue mich, dass Du da bist beim CSU-Parteitag."

Seehofer sieht die CSU, ohne die "eine Regierungsbildung nicht möglich ist", erstmals seit der Bundestagswahl im Aufwärtstrend. "Wir sind jetzt im Moment dabei, uns aus den Dellen der letzten Monate zu befreien", sagt er. Es gehe darum, die 40-Prozent-Marke nach oben zu durchbrechen. Nachdem die CSU bei der Wahl im September nur 38,8 Prozent erreicht hatte, war sie in Umfragen zwischenzeitlich sogar auf 37 Prozent gefallen – vor wenigen Tagen kam sie wieder auf 40 Prozent.

Manch einer spricht vom "Söder-Effekt". Der designierte Ministerpräsident selbst, der von Teilen der Delegierten mit lautem Jubel empfangen wird, gibt sich bescheiden: "Ich finde, man sollte nicht so sehr immer diesem Umfragefetischismus verfallen", sagt Söder.

Vor dem Merkel-Auftritt stimmen die CSU-Mitglieder über die erste Hälfte der vielen Anträge ab: Sympathiekundgebungen für terroristische Vereinigungen sollen verboten werden. Dieselfahrverbote sollen, wenn nötig durch Gesetzesänderungen, verhindert werden. Mit der Einstufung der Antifa als Terror-Organisation soll sich die CSU-Landesgruppe im Bundestag beschäftigen – und Doppelmitgliedschaften in CSU sowie CDU sollen in Zukunft möglich sein. Die Schwestern haben sich schließlich wieder lieb.

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