Raubüberfall auf Supermarkt: Ein mutiger Marktleiter schlägt die Räuber in die Flucht.

München - So kann man sich irren: „Wir haben gedacht, das ist ein älterer Mann, der wird sich nicht wehren.“

Einer der beiden verhinderten Räuber, die am 4. Juli 2015 einen Edeka-Markt im Hasenbergl überfielen, redete zum Prozessbeginn am Mittwoch freimütig über die Vorbereitungen des Coups. Er und der mutmaßliche Drahtzieher des Überfalls müssen sich wegen versuchtem schweren Raub verantworten.

Laut Anklage hatte Chefkoch Ervis M. (33) gemeinsam mit einem gewissen „Berti“ – dieser dritte Räuber ist weiter flüchtig – dem Marktleiter Baggio B. (60) und einem 18-jährigen Azubi gegen 20.20 Uhr im Anlieferungsbereich des Supermarktes aufgelauert. Die Räuber seien dann mit gezückten Messern auf ihre Opfer zugelaufen. Ihr Ziel: die Tageseinnahmen des Supermarktes.

Doch der „ältere Mann“ reagierte anders als von den Räubern geplant. „Berti“ wurde von dem 60-Jährigen plötzlich so umarmt, dass ein Messereinsatz nicht mehr möglich war. Dann schob der unerschrockene Marktleiter geistesgegenwärtig einen Rollcontainer zwischen sich und „Berti“. So gelang es ihm, die Gittertür zwischen sich und den Angreifern zu schließen. Der Überfall war gescheitert.

Der mutmaßliche Hintermann Avni T. (41) schüttelte während der Aussage von Ervis M. am Mittwoch auf der Anklagebank des Öfteren verärgert den Kopf. So stimmt das alles nicht, sollte das wohl heißen. Der Familienvater wird beschuldigt, die Tat ausgeheckt zu haben. Er habe dann seinen Mitangeklagten überredet, bei dem Überfall mitzumachen.

Avni T. soll seinem Komplizen auch gedroht haben, dessen Familie in Albanien etwas anzutun, falls dieser nicht mitziehe. Der 41-Jährige stellte laut Anklage auch die Messer mit 20 Zentimetern Klingenlänge zur Verfügung und er fuhr das Fluchtauto.

Ervis M. sagte auch, dass er selber schon beim Anblick des Marktleiters den Raubüberfall nicht mehr durchziehen wollte. Er sei daraufhin einfach weggegangen. Wenige Tage später stellte er sich und wurde festgenommen. Kurz darauf wurde auch Avni T. festgesetzt.

Am Rande der Verhandlung berichtet der Held vom Hasenbergl noch, dass er vor fünf Jahren in einem anderen Supermarkt schon mal überfallen wurde. „Ich wurde damals mit Kabelbindern gefesselt“, erinnert sich Baggio B.. Dass ihn dieses Erlebnis viel ängstlicher gemacht hat, kann man aber wohl nicht behaupten.

Der Prozess wird fortgesetzt.