Ein Software-Problem hat in den vergangenen Tagen das Rathaus lahmgelegt, der Mailserver war down. Das Betriebssystem Limux steht damit vor dem Aus.

München – Das Handy von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) musste in den vergangenen Tagen Schwerstarbeit verrichten. Teilweise gingen in kürzester Zeit 50 SMS hintereinander ein. Der Grund: Der städtische Mailserver war mal wieder down. Wer den OB dringend schriftlich erreichen musste, versuchte dies dann eben per SMS.

Reiter ist über den Serverausfall alles andere als glücklich. Ärgerlich sei das und einfach lästig, sagte der OB gestern der AZ. Schließlich seien mit ihm auch mehr als 20 000 der insgesamt rund 33 000 Mitarbeiter der Stadt betroffen – nicht zu vergessen die Bürger, für die die Stadtverwaltung per Mail nicht zu erreichen war.

„Dass der Mailserver der Stadt München tagelang nicht erreichbar ist, kann ich nicht akzeptieren“, sagte Reiter. „Da muss es technische Möglichkeiten geben, das zu verhindern.“

Das umstrittene Betriebssystem Limux steht damit vor dem Aus. Vor zehn Jahren hatte sich München als erste Großstadt überhaupt vom Software-Riesen Microsoft losgesagt. Seitdem laufen die Rechner der Stadtverwaltung mit der Open-Source-Software Linux – die in München entsprechend des Stadtnamens liebevoll in „Limux“ umgetauft wurde; das Maskottchen des Systems ist ein Vogel – ein Pinguin. Richtig etabliert hat sich Limux nie.

Immer wieder klagen Mitarbeiter der Stadt über Probleme mit der Software, auch Reiter weiß aus persönlicher Erfahrung von welchen zu berichten. „Wir sind eben nur ein kleiner Satellit“, sagte er. Andere Kommunen würden andere Programme verwenden, das würde die Arbeit immer wieder erschweren.

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Die Stadt will das städtischen IT-Systems nun von einem externen Gutachter überprüfen lassen. Das sei kein Misstrauensvotum gegen Limux – und schon gar nicht gegen die städtische IT-Abteilung, sagte Reiter. Schließlich arbeite auch sein Bruder schon seit Jahren in der IT-Abteilung der Stadt. „Ich weiß, was die da leisten.“ Aber die Stadt investiere eben jedes Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag, um eine optimale und mit privaten Unternehmen vergleichbare EDV-Leistung zu haben, „da kann ich mit der zweitbesten Lösung nicht zufrieden sein“, so der Oberbürgermeister.

Es ist nicht das erste Mal, dass Reiter seinem Unmut über die städtische IT Luft macht. Seit seinem Amtsantritt vor einem Dreivierteljahr hat er schon mehrfach über Probleme mit den Verwaltungsrechnern geklagt.

Der Personalrat der Stadt warf ihm deshalb jüngst in einem offenen Brief vor, sein Vorgehen sei „kontraproduktiv“ für die Zusammenarbeit und „alles andere als stabilisierend“. Er könne es verstehen, wenn der Personalrat davor warnt, dass die Limux-Diskussion zu Unruhe in der Belegschaft führt, sagt Reiter. Aber bei der im Rahmen der „Great place to work“-Studie unter den Mitarbeitern durchgeführten Umfrage hätten 90 Prozent der städtischen Angestellten den Bereich Datenmanagement kritisiert. Dieses Ergebnis könne man nicht einfach so unter den Tisch fallenlassen, findet Reiter.

In den nächsten Wochen wird es deshalb erneut eine große gesamtstädtische Mitarbeiterbefragung geben, die sich mit der IT befasst. Sollte dabei herauskommen, dass die Mehrheit der Angestellten mit Limux weiterarbeiten möchte. „soll mir das recht sein“, so Reiter. Aber aus seinen Zeiten in der Kämmerei wisse er eben, dass Limux nicht in allen Bereichen der städtischen Verwaltung mit der dort verwendeten Software kompatibel sei. „In der Kämmerei haben wir SAP verwendet, da hat Limux nicht so richtig funktioniert“, so der OB.

Ob die Software mit dem süßen Pinguin als Maskottchen in München eine Zukunft hat, wird sich also bereits in den nächsten Monaten entscheiden. Reiter hat selbst mal ein bisschen zu programmieren gelernt, die IT-Branche ist ihm nicht ganz fremd. Deswegen hat der OB die Angelegenheit auch zur Chefsache gemacht.

Eine reibungslos funktionierende EDV ist ihm auch deshalb so wichtig, weil Reiter die ständige Kommunikation zwischen den Bürgern und der Stadt zum wichtigsten Merkmal einer modernen Kommune erkoren hat.

Ein Totalausfall des Mailservers ist da natürlich alles andere als hilfreich. Schließlich hat ja auch nicht jeder die Handynummer des OB, um im Zweifel eine SMS zu schicken.