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Sie hat alles gewonnen. Jetzt sehnt sie sich nach Ruhe, nach einem Haus mit Freund Seppi und nach der Familie. „Ich brauche keinen Luxus, und Superlative interessieren mich nicht“, sagt der Star.
München - Sie hat fast alles: Erfolge, Geld und einen Freund. Nur die Ruhe, nach der sie sich sehnt, die hat Magdalena Neuner nicht. Zu sehr ist die stets freundliche junge Frau aus Wallgau ein Star, die erfolgreichste Biathletin aller Zeiten. Doch damit ist nach der Saison Schluss. „Gold-Lena“ will nicht mehr. Sie tritt zurück – mit 25 Jahren. „Ich sehne mich nach Normalität, nach ein wenig mehr Ruhe und danach, einfach mal die Dinge machen zu können, die ich in meinem Sportlerleben nie machen konnte“, teilt Magdalena auf ihrer Homepage mit.
Die junge Frau, mit der regelmäßig Millionen mitfiebern, wenn sie auf der Jagd durch die Loipe ihren Puls beruhigt, um auf die Scheiben zu schießen, sie hat ganz andere Interessen: „Mein Freund Sepp und ich, wir möchten ein ganz normales Leben führen, Luxus brauchen wir nicht, weil wir trotzdem sehr glücklich sind mit dem, was wir haben.“ Nie hat sich Magdalena Neuner verkünstelt. „Ich bin ein Landei“, hat sie mal gesagt. In Wallgau, ihrer Heimatgemeinde bei Garmisch, da heißen die meisten der 1400 Einwohner Neuner. Auf ihren zahlreichen Reisen strickt sie gerne, sie spielt Harfe, und die Familie geht ihr über alles.
Für die und für Freund Seppi will sie dann etwas mehr Zeit haben, nach der Heim-WM in Ruhpolding, dann wird sie 25 sein. Danach hat sie „etwas ganz tolles“ vor, schreibt sie. Was das sei wird, verrät sie nicht. FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge haben ihr gleich einen Job angeboten. Bürgermeister Hans-Jörg Zahler kann sich die berühmte Wallgauerin „in jeder Position vorstellen – warum nicht als Sport-Journalistin?“ Aber vielleicht versteht Magdalena Neuner unter „etwas ganz tolles“ ja etwas ganz anderes: „Jetzt spielt dann auch Familienplanung eine Rolle“, schreibt sie.
Seppi, ihr Freund, spielt nicht nur die Klarinette in der Blaskapelle in Wallgau, er ist auch Zimmerer-Meister und gerade auf Fortbildung in München. Das kommt gerade recht. Ein Haus wollen sie auch bauen. Mit zehn fuhr sie ihr erstes Rennen, die 15 folgenden Jahre hetzte Lena um die Loipen der Welt, der Konkurrenz meist voraus. Interviews, Werbemillionen, Fans, die in ihren Vorgarten stapften, und immer lächeln. Sie siegte und war freundlich, sie machte Fotos in Unterwäsche, sie spielt eine kleine Rolle in „Sturm der Liebe“. Manche mag sich so was wünschen. Lena schien perfekt. Aber es war nicht perfekt.
„Das war keine einfache Zeit“, erinnert sich die Olympiasiegerin an den Hype. Das Thema Rücktritt beschäftigt sie schon länger. „Mir hat sie einmal gesagt: ,Ich will keine Biathlon-Oma werden’“, erzählt Eva Möslein. Sie ist Chefin des Lena-Neuner-Fanclubs, er ist mit 650 Mitgliedern der größte einer deutschen Wintersportlerin: „Ich hatte das Gefühl, ins offene Messer zu laufen“, sagt Neuner über die Zeiten, die ihr jetzt zu viel wurden. Ein Mentaltrainer half ihr, die größte Stärke zufinden: die Stärke, Nein zu sagen.
Magdalena Neuner hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: „Ich habe meine Ziele erreicht, und Superlative interessieren mich nicht“, teilt sie nüchtern mit. „Für uns Fans ist das natürlich schade“, sagt Fanclub-Chefin Möslein. Und Bürgermeister Zahler bekennt „unheimlichen Respekt vor der Person Lena Neuner“. Natürlich gehe „ein medialer Faktor für Wallgau“ jetzt verloren. Aber eine Sympathieträgerin bleibt ihm erhalten.
Über 5000 Fans bereiten Biathlon-Legende Neuner in Wallgau einen großen Abschied. Der schönste Wanderweg der Region wird nach ihr benannt. „Eine Riesenehre, ich bin sprachlos“.