Ein lässiges Pariser Lokal zwischen Bistro, Weinbar und Restaurant in Westschwabing: Das „M Belleville“ hat eine Spitzenköchin als junge Dame des Hauses.

Belleville ist multikulturell – zumindest ist es der Stadtteil im nordöstlichen Paris. „M Belleville“, ist auch vielseitig in seiner Form als Weinbar, Edelbistro und Restaurant, bleibt aber kulturell rein französisch und liegt in Westschwabing, zwischen Kurfürsten- und der U-Bahnhaltestelle Hohenzollernplatz, womit „M“ im Restaurant-Namen „Metro“ meinen könnte oder eben doch „München“.

Wolfgang Panzer – der Nachname klingt nach harter Schale. Aber Panzer ist ein kluger Schweizer Gemütsmensch mit guten Nerven – als erfolgreicher Filmregisseur und neben seinem aktuellen Drehbuchschreiben jetzt als eine Art Restaurant-Impresario für das Lokal seiner Tochter. Es ist in einem betonierten Appartementhaus, das mit seinem Baum- und Brunnen-Vorspielplatz einen doch romantisch empfängt mit seinen großen Glasfronten, die durchaus an Pariser Straßen-Café-Restaurants erinnert.

Innen wird einen gelungene, geschmackvolle, unbeengte Balance gehalten aus Mahagoni-Vertäfelung, Messing-Bar, Spiegelwänden, Polsterbänken und Bugholzstühlen sowie klassischen Filmplakaten und Schwarzweiß-Starpostkarten. Eine klassische Schiefertafel ist mit dem Tagesmenü (36 Euro) kreide-beschriftet, sie wird zur Bestellung zu den Tischen getragen, so dass Wolfgang Panzer gleich die Beratung übernehmen kann.

Allein das ist schon wunderbar, weil jede Speise so plastisch erklärt wird, dass man sie schon zu schmecken glaubt. Auch hier zahlt sich das Erzähl-Talent Panzers aus. Was Panzer preist, macht die Tochter in der Küche: Nina Panzer hat in Paris Kunstgeschichte studiert, wechselte dann zu Sterneköchen zum Lernen. Der Vater hoffte, dass sie der wahnsinnige Küchenstress, wie man ihn auch aus dem Animationsfilm „Ratatouille“ kennt, eines Besseren belehren würde. Was im „La Grappe d’Or“ in Lausanne aber nicht geschah. Vielmehr wechselte Nina Panzer (was französisch ausgesprochen gleich betont eleganter klingt) ins Pariser Ritz – und nach mehreren Edel-Bistros nach München. Wolfgang Panzer ist auch der coole Sommelier – und hier darf man nicht zu genau nachfragen, denn dann beginnt ein fantastischer Vortrag über die riskante, aber lohnende Kunst der Natur-Weine (Flasche ab 18 Euro).

Egal für welchen man sich entscheidet, sie haben alle Charakter und sind Entdeckungen, weil Panzer bei seinen Einkäufen nicht nach großen Namen geht, sondern nach dem besonderen Geschmack zum Teil winziger Lagen. Am besten man fängt gleich mit einem Schaumwein an, dem Cerdon Bugey aus der Gamay–Traube als Aperitiv (Flasche 22,50 Euro). Und wen bei so viel differenzierter Extravaganz Schwellenangst befällt, irrt: das „M Belleville“ ist ein lässiger Laden, aber eben mit Stil.


Fallmerayerstraße 16, Di. bis Sa. ab 18 Uhr, mbelleville.de, Tel.: 30 74 76 11