Rechtsradikale attackieren in Landsberg den Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann. Statt den Schläger festzusetzen, beschlagnahmt die Polizei das Protestplakat des Politikers

MÜNCHEN/LANDSBERG Mit voller Kraft holte der Neonazi aus zum Punch: Seine Linke landete am Kinn des Grünen-Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann. Die Folge des Angriffs: Eine ein Zentimeter lange Platzwunde, die im Krankenhaus behandelt werden musste.

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Die Rechtsradikalen wollten verhindern, dass sich der Grüne mit dem Plakat: „Landsberg Stadt hat Nazis satt“ fotografieren ließ. Statt den rechtsradikalen Schläger festzusetzen, beschlagnahmte ein Zivil-Polizist das Banner. Nicht erst seit alle über die Zwickauer Terrorzelle NSU und ihre Morde reden, spielen die Neonazis mit der Polizei Katz und Maus. Offensichtlich haben die Ordnungshüter nun ihre Taktik gewechselt. Alarmierten sie bisher bei rechten Demos die Öffentlichkeit, hüllen sie sich nun in Schweigen, um kein Aufsehen zu erregen.

„Die Strategie ist aufgegangen“, sagt Landsbergs Landrat Walter Eichner. Seine Behörde hatte die Demo genehmigt. Es sei die Anregung der Polizei gewesen, die Rechten „ins Leere laufen zu lassen“. Auch der Einsatzleiter der Polizei, Jürgen Huhnhof ist zufrieden: „Die Bürger haben die Demonstranten missachtet.“

Die Grünen forderten Innenminister Joachim Herrmann auf, Stellung zu beziehen. „Das Verhalten der Polizei ist inakzeptabel“, hieß es in einer Erklärung. Hartmann wundert sich: „Es ist erstaunlich, dass sich die Polizei nicht um die, sondern um uns kümmerte. Entscheidend ist doch, dass die Neonazis nun gewaltbereit sind und zuschlagen.“

Herrmann schweigt. Die Polizei hatte ans Innenministerium gemeldet: Der Grüne sei nicht verletzt. Gestern Abend dann die Kehrtwende: „In Absprache mit der Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt in diesem Zusammenhang die Kriminalpolizeiinspektion Fürstenfeldbruck unter anderem wegen des Verdachts einer möglichen Körperverletzung“, teilte die Polizei per Mail mit.

Zu dem Tumult war es gekommen, als die Nazi-Demo schon vorbei war. Zufällig hatte ein engagierter Bürger die Ansammlung der Rechten gesehen und das „Bündnis gegen Rechts“ alarmiert. Mit Oberbayerns NPD-Chef Roland Wuttke hatten 26 Neonazis am Landsberger Hauptplatz am Samstagvormittag demonstriert. Wuttke hatte den Antrag für die Demo am Donnerstagvormittag beim Landratsamt eingereicht.

Sofort setzte sich das „Bündnis gegen Rechts“ in Bewegung. Wuttke aber war mit seiner Truppe schon weiter- und die Polizei abgezogen. Nur ein paar Rechtsradikale standen noch herum. Zumindest ein Protestfoto wollte Hartmann noch arrangieren. Das versuchten die Rechten zu verhindern. Es kam zu einem kurzen Tumult. Wuttke demonstrierte da schon in Bobingen und in der Augsburger Innenstadt. Auch dort hatten die Behörden die Demos verschwiegen.

 

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