Friederike Sturm, die neue Chefin von Lotto Bayern, über weibliches Glücksspiel, ihr Gefühl beim Verlieren – und den einen Witz über Lotto, den sie kennt.

München - Die in Furth im Wald geborene Friederike Sturm trat nach dem Studium der Rechtswissenschaften 1991 in den Staatsdienst im Bayerischen Finanzministerium ein, war dort Leiterin der Personalabteilung, des Referats "Rechtsangelegenheiten des Staates" und später der Abteilung "Förderungen und Zuweisungen im FAG". Seit Januar arbeitet sie in der Staatlichen Lotterieverwaltung. Am 1. Juli trat sie die Nachfolge von Erwin Horak als Präsident an.

AZ: Frau Sturm, reden wir über die 50. Was fällt Ihnen da ein?
Ja, die findet sich ja leider nicht auf dem Lottoschein, der hört bei 49 auf.

Darum dachte ich, wir reden mal über die 50, weil sonst immer alle mit Ihnen über Ihre Tipps für die sechs aus 49 reden wollen.
Ach, das ist in Ordnung. Der erste Tipp ist: Man muss mitspielen um zu gewinnen. Ohne das geht’s leider nicht.

Finanzminister Söder hat Sie im Juni offiziell ins Amt eingeführt und gesagt: "Lotto wird jetzt weiblich." Wie sieht das aus, wenn ein Glücksspiel weiblich wird?
Also, die Aussage stimmt schonmal, vor mir gab es immer nur männliche Lotto-Präsidenten. Aber Auswirkungen hat’s eigentlich nicht. Sowohl meine Vorgänger als auch ich machen unsere Arbeit.

Es gibt also kein verrücktes, neues Frauenkonzept?
Nein, nein. Lotto ist eigentlich auch schon vor Jahrzehnten weiblich geworden, denn es hat mit einem sehr männlichen Spiel gestartet: der Toto-Wette, also Fußball. Und vor 61 Jahren kam dann eben Lotto dazu.

Wissen Sie denn auch, in welchem Jahr Bayern als erstes deutsches Land das Lotto durch Generalmandat eingeführt hat?
Puuh . . .

Pluspunkte gibt’s für das genaue Datum!
Oh, Geschichte war schon immer mein Schwachpunkt, da haben Sie mich jetzt auf dem ganz falschen Fuß erwischt.

Es war Kurfürst Karl Albrecht.
Dann kann ich mir gut vorstellen, dass es eingeführt worden ist, um Geld zu generieren. Das haben die Fürsten und Könige ja immer gern gemacht. Dann würde ich mal schätzen: 1687?

Am 27. April 1735.
Na, da war ich doch ganz nah dran! (lacht)

Also haben Sie sich nicht hingesetzt und erstmal Bücher gewälzt dazu, worauf Sie sich da einlassen?
Man liest natürlich schon, das Glücksspiel ist ja ein sehr eigenes Geschäft und sehr vielschichtig. Aber das erste, was ich gemacht habe: Ich bin in eine Lotto-Annahmestelle gegangen und hab mal geguckt, was man eigentlich alles spielen kann. Und da stellte ich fest: Das ist ja viel mehr als 6aus49!

Sie haben alles ausprobiert?
Nicht alles sofort – einiges kann man gar nicht ohne Kundenkarte spielen, musste ich dann feststellen.

Haben Sie eigentlich als junges Mädchen schon davon geträumt, mal Lotto-Präsidentin zu werden?
Da wollte ich natürlich Prinzessin werden, im Fasching war ich das jedes Jahr. Aber Präsidentin ist ja auch nicht zu verachten.

Wie kamen Sie an den Job?
Es gibt natürlich im Staatsbereich etliche Behördenleitungsstellen, und dann hängt es davon ab, was für einen Lebensweg man gehabt hat. Ich war im Finanzministerium in verschiedenen Positionen tätig. Und wenn man da seine Arbeit gut gemacht hat, wird man auch mal gefragt, ob man so eine Position übernehmen will.

"Wir haben einen Heißluftballon, aus dem man Lottoscheine wirft"

Sie haben seit 1. Juli die volle Verantwortung. Was haben Sie seitdem gemacht?
Ich habe mit den wichtigsten Mitarbeitern besprochen und Konzepte entwickelt, wie wir gemeinsam Lotto Bayern weiter nach vorne bringen wollen.

Wie kann man Lotto denn noch verändern?
Mit neuen Produkten. Ab September wird es etwas Neues geben, aber mehr kann ich dazu noch nicht verraten.

Aber etwas Größeres, als die gelben Lotto-Flip-Flops, die die Kollegin gerade draußen vorbeigetragen hat?
Jaja, etwas Größeres. Man wird es in der Annahmestelle bekommen.

Sie machen ja samstags bei der "Glücksspirale" die Prämienziehung. Das ist alles sehr technisch, die Abläufe sind immer die selben, alles ist notariell abgesichert. Wenn die Kamera aus ist: Albert da mal jemand rum?
Klar, vorher oder nachher kann man schon mal ein Witzchen machen.

Erzählen Sie mal einen.
Ich kenne diesen einen Lotto-Witz. Ein Schotte betet jeden Abend zum lieben Gott: „Bitte, bitte, lieber Gott – lass mich im Lotto gewinnen!“ Aber er gewinnt nicht, und jede Woche betet er aufs Neue, aber es passiert nicht. Irgendwann hört man dann aber eine laute Stimme aus dem Off: (mit tiefer Stimme) „Jetzt spiel’ doch endlich mit!“ So zum Beispiel.

Was ist das Aufregendste, das man in Ihrem Job tun kann?
Da gibt es viele Dinge. Etwas ganz Aufregendes werde ich in ein paar Wochen machen: Wir haben einen Heißluftballon, mit dem man in die Luft fährt und aus dem man dann vorausgefüllte Lotto-Scheine wirft. Ich habe mir erzählen lassen, die Menschen darunter strengen sich sehr an, um diese Scheine zu fangen. Ich glaube, das hat einen hohen Spaßfaktor, sowohl für die unten als auch für den, der wirft.

Warum braucht die Welt überhaupt Glücksspiele?
Spielen liegt in der Natur des Menschen. Sie können’s nicht abschaffen. Kinder spielen, Sie wollen spielen – und wenn man dabei noch was gewinnen kann, hat das so einen Kitzel, den die Menschen einfach mögen. Wenn Sie spielen verbieten würden: Die Menschen würden eine Möglichkeit finden. Also macht es schon Sinn, das gesteuert und offiziell und seriös zu machen.

Wenn Sie einen Freund oder Verwandten hätten, von dem Sie bemerken, er ist spielsüchtig: Was würden Sie tun?
Ich würde das Gespräch mit ihm suchen und versuchen, zu sensibilisieren, dass es da ein Problem gibt. Und ihm natürlich Stellen empfehlen, wo man Unterstützung bekommt – auch für eine Therapie.

Kennen Sie jemanden?
Gottseidank nicht.

"Es gehört dazu: Wenn man sein Glück wagt, geht’s nicht immer auf"

Sie als Präsidentin dürfen in Bayern nicht Lotto spielen.
Doch, Lotto-Produkte schon. Ich darf nur nicht in der Spielbank spielen. Roulette in Bayern zum Beispiel geht für mich nicht. Aber in einem anderen Bundesland ist es erlaubt.

Sie spielen Roulette?
Gelegentlich, ja. Und die Wahrscheinlichkeit, da zu gewinnen, ist gar nicht klein – es gibt ja Chancen, die günstig sind. Wenn Sie auf Rot oder Schwarz setzen, zum Beispiel.

Das ist Ihre Taktik?
Ich spiele verschiedene Varianten. Auch mal auf Zahlen, auf meinen Geburtstag: 11 und 7.

Riskieren Sie da mal was?
Nein, ich bin da natürlich ganz vorsichtig. Ich gehe nie mit mehr als 50 Euro spielen und setze auch nicht alles gleichzeitig, sondern kleine Einzelbeträge. Aber wenn man für so etwas wie Lotto Bayern zuständig ist, muss man schon auch mal verlieren, damit man weiß, wie sich das anfühlt.

Und, wie fühlt sich das an?
Ich gewinne lieber. (lacht)

Also werfen Sie wütend mit Dingen um sich?
Ach nein. Ich ärgere mich auch nicht. Es gehört doch dazu, dass wenn man sein Glück wagt, es nicht immer aufgeht. Und genauso: Wenn ich gewinne, bin ich auch nicht der Mensch, der auf dem Roulettetisch tanzt.