Lokalpolitik ist gespalten Streit um Tierparkparkhaus: Mit dem Auto zur Antilope

Der Parkplatz am Flamingo-Eingang: Hier soll ein Parkhaus entstehen. Foto: anf

Der Tierpark Hellabrunn treibt seine Pläne für ein neues Parkhaus voran. Die Lokalpolitik ist gespalten, ob die zusätzlichen Stellplätze nutzen oder schaden.

Thalkirchen - Zugegeben, es ist schon ziemlich lange her, da fuhr noch eine Trambahn nach Thalkirchen. Der Flaucher war tatsächlich ein Ausflug, der etwas Geduld erforderte – und auch der Tierpark auf der drüberen Isarseite ein Fernziel. Die Tram gibt’s seit 1970 nicht mehr und auch sonst hat sich einiges verändert im einst beschaulichen Viertel.

Es ist enger geworden, und so mancher ist geplagt von den vielen Ausflüglern, den Grillern – oder den Tierpark-Besuchern. Denn viele von ihnen reisen mit dem Auto an, die Zufahrtsstraßen sind regelmäßig verstopft. Sei es die Schönstraße auf der Untergiesinger Isar-Seite oder die Tierparkstraße und -brücke in Thalkirchen. Zwei Parkplätze nehmen die motorisierten Tierparkbesucher auf: der vom Roten Kreuz betriebene Parkplatz an der Tierparkstraße und ein zweiter an der Siebenbrunner Straße.

Weil deren Kapazitäten nicht ausreichen, will der Tierpark seinen Parkplatz an der Siebenbrunner Straße durch ein Parkhaus mit 1.200 Plätzen ersetzen (AZ berichtete). Die Pläne dafür sind schon seit längerem publik, nun hat der Tierpark seinen Wunsch auch offiziell der Stadt kommuniziert. Das Planungsreferat arbeitet derzeit an einer entsprechenden Beschlussvorlage, "über den der Stadtrat voraussichtlich im Herbst entscheiden wird", so ein Sprecher des Planungsreferats zur AZ.

Der Bau läge in Naturschutzgebiet

Ganz einfach ist die Sache mit dem Parkhaus nicht. Denn die Stellplätze lägen in einem Landschaftsschutzgebiet. Ob sich ein Parkhaus, selbst wenn es, wie in den aktuellen Pläne vorgesehen, begrünt wäre, sich damit verträgt, muss das Referat nun erst einmal prüfen. Um das Projekt zumindest etwas ökologischer zu machen, schlägt das Referat vor, ein Kombi-Ticket für ÖPNV und Tierpark einzuführen. Außerdem soll im Gegenzug der Parkplatz des Roten Kreuzes zurückgebaut werden. Dort heißt es übrigens, dass man erst einmal so weitermache wie bisher – bis der Vertrag mit der Stadt gekündigt ist.

Ob der Stadtrat dem Parkhaus zustimmt, ist nicht sicher. Die CSU ist dafür, die Grünen sind dagegen, die SPD ist gespalten. Diese Gemengelage ließ sich auch bei der jüngsten Bezirksausschusssitzung des BA 19 (Thalkirchen-Obersendling-Fürstenried-Forstenried-Solln) beobachten. Die Stadt hatte die Bezirkspolitiker um eine Stellungnahme gebeten. Doch wie diese aussehen sollte, darüber entstand sofort eine hitzige Diskussion. Die CSU steht dem Parkhaus positiv gegenüber. Aus ihrer Sicht bringt es eine Entlastung für die vertrackte Verkehrssituation.

Viele Besucher kämen aus dem Umland oder noch von weiter her. Diese könne man eben nicht bewegen, auf U-Bahn und Bus umzusteigen. Dorle Baumann, SPD-Fraktionsvorsitzende, hielt dagegen: "Aus der Erfahrung wissen wir, dass jeder angebotene Parkplatz mehr Verkehr nach sich zieht." Seitens der Grünen-Fraktion wurde angemerkt, dass bereits jetzt die Hälfte des Anreiseverkehrs zum Tierpark über die Tierparkbrücke erfolge. Der Druck auf das Viertel würde also zunehmen.

Ein weiteres Problem sei zudem die Bedarfsampel am Parkplatz. Bei mehr parkenden Besuchern würde diese öfter benutzt, was den Verkehrsfluss auf der Siebenbrunnerstraße weiter stören würde. Die Rot-Grüne-Lösung: lieber die Öffentlichen fördern. Reinhold Wirthl aus der CSU warf seinen rot-grünen BA-Kollegen Realitätsferne vor: "Es ist eine Mär zu glauben, man streicht alle Parkplätze und dann ist der Verkehr weg." Mehrheitlich sprach sich der BA letztendlich gegen das Parkhaus aus.

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