Lokales Magister mit 19 – als Schüler an der Uni

Corinna Schreier (19,r.) und David Pfrang (15) in der Uni-Bibliothek. Die Gymnasiasten studieren neben dem Schulalltag. Foto: dpa

Corinna Schreier macht im Mai ihr Abitur und schließt im September ihr Politikstudium ab.

WÜRZBURG Das Wort „Streberin“ ärgert Corinna Schreier. „Überfliegerin“ hört sie gar nicht gerne, und als hochbegabt will sie nicht gelten. „Ich bin eine ganz normale Schülerin und Studentin“, sagt die 19-jährige Würzburgerin. Mit einem Unterschied: Während Studenten üblicherweise erst ihr Abitur bestehen und sich dann an der Uni einschreiben, macht Corinna beides gleichzeitig. Im Mai wird sie die Schule mit dem Abitur, im September ihr Politikstudium mit dem Magister abschließen.

Corinna ist eine von 84 Frühstudierenden der Würzburger Julius-Maximilians-Uni. Sie nehmen während ihrer Schulzeit an Vorlesungen teil und schreiben Prüfungen. „Wir geben leistungsstarken Schülern die Möglichkeit, ihren Interessen und Begabungen nachzugehen“, erklärt Eva Stumpf, Vize-Direktorin der begabungspsychologischen Beratungsstelle. Besonders beliebt sind bei den Würzburger Frühstudenten naturwissenschaftliche Disziplinen, fast ein Viertel ist in Mathe eingeschrieben, zehn in Physik, acht in Chemie. Für Philosophie, Germanistik und Politik können sich nur eine Handvoll Gymnasiasten begeistern.

Bereits seit der zehnten Klasse studiert Corinna neben der Schule, jetzt beginnt ihr 7. Semester. Nicht jeder hat so viel Ausdauer. Fast die Hälfte der Würzburger Frühstudis (sie bringen einen Notenschnitt von 1,8 mit) steigt nach dem zweiten Semester aus. Deutschlandweit hören sogar 70 Prozent bereits nach dem ersten Semester wieder auf. Viele wollen gar keinen Abschluss. Schnuppern und schauen, was man später studieren könnte ist die Devise.

Vor sechs Jahren hat Würzburg als erste Uni Bayerns das Frühstudium eingeführt, jetzt ist es fast überall möglich. 300 Schülerstudierende zählt der Freistaat. „Besonders Begabte fühlen sich selbst in anspruchsvollem Schulunterricht unterfordert“, erklärt Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP).

Der Minister spricht von Schülern wie David Pfrang (15): „In der Schule ist Mathe nicht schwer, meistens hat mich der Unterricht gelangweilt.“ Seit zwei Jahren pendelt der Ochsenfurter mehrmals in der Woche nach Würzburg, um Mathe-Vorlesungen zu besuchen. Dadurch verpasst er zwar einige Schulstunden, doch den Stoff eignet er sich später selbst an.

Bevor ein Schüler zum Studium zugelassen wird, muss er einen Intelligenztest bestehen. „Während des Frühstudiums ist eine Begleitung in Form eines Mentors notwendig,“ sagt Schulpsychologe Ulf Cronenberg. Der stellt sicher, dass eine mögliche Überforderung schnell erkannt wird.

Theresia Keupp

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