Löwe im AZ-Interview Berzel: Warum wir Spieler eine volle Westkurve brauchen

Nah an den Fans: Nico Karger (li.) und Aaron Berzel vom TSV 1860. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Aaron Berzel hat sich beim TSV 1860 durchgesetzt. Im Interview mit der AZ spricht der Löwen-Verteidiger über sein einst prägendes Verhältnis zu einem verstorbenen Fan, Giesinger Wahnsinn und darüber, warum sich die Mannschaft eine volle Westkurve wünscht.

München - Aaron Berzel ist einer der Gewinner beim TSV 1860 der vergangenen Wochen, hat sich einen Stammplatz erkämpft. Im Interview mit der AZ spricht der Abwehrspieler über schwierige Zeiten in seiner Karriere, sein Engagement für hilfsbedürftige Kinder und die Stimmung im Grünwalder Stadion.

AZ: Herr Berzel, zu Saisonbeginn hießen Sie nach dem Fauxpas auf Ihrem Trikot schnell "Brezel" – ist’s Ihnen geblieben?
AARON BERZEL: Ja, bei den Fans habe ich meinen Spitznamen weg. Bei den Mitspielern teils auch, aber meistens nennen sie mich Aaron. Das war eine lustige Geschichte, ich bin niemandem böse. Im Gegenteil: Es hatte ja den schönen Nebeneffekt, dass ich das Trikot versteigern und den Erlös der Stiftung von Jonathan "Johnny" Heimes für krebskranke Kinder spenden konnte.

Auch jetzt beteiligen Sie sich, wie ein Video der Löwen zeigt, an der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton".
Ich habe das seit ein paar Jahren mit meiner Freundin gemacht und jetzt in der Mannschaft angesprochen, ob die Jungs Lust haben, mitzumachen. Eine tolle Aktion, bei der jeder helfen kann: Man stellt einen Karton mit Weihnachtsgeschenken und lebensnotwendigen Dingen für hilfsbedürftige Kinder zusammen, den man auch bei uns an der Geschäftsstelle abgeben kann. Durch die bewegende Geschichte von Johnny, mit dem ich noch kurz vor seinem Tod Kontakt hatte, habe ich realisiert, wie klein die eigenen Probleme doch sind und wie glücklich man sich schätzen kann, wenn man gesund ist.

Berzel: Bin kein Lückenfüller beim TSV 1860

Ihre sportlichen "Probleme" im Sommer waren, sich im neuen Klub zurechtzufinden und in die Startelf zu kämpfen.
Ich hatte letzte Saison in Elversberg nicht viel gespielt, von daher habe ich mir keinen Stress gemacht und versucht, im Training Selbstvertrauen zu holen. Ich bin zwar erst durch Verletzungen anderer Spieler reingerutscht, aber ich bin nicht nur ein Lückenfüller. Ich denke, ich habe meinen Stammplatz durch Leistung gerechtfertigt.

Bisher sind Sie von all Ihren Vereinen nach ein, zwei Jahren weitergezogen. Bei 1860 haben Sie Vertrag bis 2019. Was kann den Löwen-Fans Hoffnung machen, dass Sie auf Giesings Höhen länger bleiben?
Es war immer so, dass ich Zweijahresverträge unterschrieben hatte, aber manchmal Sachen dazwischen kamen. Etwa der Nichtaufstieg mit Elversberg. Mit Darmstadt bin ich in die 2. Liga aufgestiegen, habe aber dann keine Spielzeit mehr bekommen. Das war das einzige Mal, dass ich meinen Vertrag vorzeitig aufgelöst habe, weil ich mehr spielen wollte. Aber, um die Frage zu beantworten: Ich fühle mich sehr wohl bei den Löwen. Super Fans, super Umfeld – der Verein blüht nach dem bitteren Abstieg wieder auf. Sechzig hat ein Stück Identität zurückgewonnen. Ich kann mir durchaus vorstellen, länger hierzubleiben.

"1860 gehört für mich wieder nach oben"

Die Tabelle liest sich vier Spieltage vor der Winterpause gut: acht Punkte Vorsprung. Wo wollen Sie hin mit den Löwen?
Wir hatten mit 25 Spielen in vier Monaten ein knackiges Programm. Manchmal hat die mentale Frische gefehlt. Wir haben aber einen sehr guten Kader, so dass wir es gut kompensieren konnten. Bis zur Winterpause wollen wir noch ein paar Nüsse einhamstern. Eins ist auch klar: Ein Traditionsverein wie 1860 gehört für mich wieder nach oben.

Für eine Rückkehr in den Profifußball gibt es aber Unwägbarkeiten, wie einen Ausbau des Grünwalder Stadions oder die künftige Zusammenarbeit mit Investor Hasan Ismaik.
Wir Spieler sind die Falschen, die sich darüber Gedanken machen sollten. Wenn wir auf dem Platz erfolgreich sind, kommt aus wirtschaftlicher Sicht hoffentlich vieles von selbst. Ob das Grünwalder vierfach ausgebaut und unterkellert wird, damit müssen sich andere Leute beschäftigen. Für uns wäre es schön, wenn die Westkurve ganz gefüllt werden könnte. Es würde uns sicher noch mehr pushen, wenn dort alles blau leuchtet. Die Unterstützung ist ohnehin Wahnsinn. Luftballons, Schals, zuletzt die Choreo – Sechzig toppt alles, was ich bisher erlebt habe.

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