Flüchtlingskrise in München Liveblog: Bezirkspräsident Hillenbrand: "Sind gut vorbereitet"

Österreichische Polizisten heben einen Flüchtlingsjungen über ein Sperrgitter an der Grenze zu Ungarn. Österreich will weiter Flüchtlinge aufnehmen. Foto: dpa

Flüchtlingsanturm auf München: Am Sonntag kamen erneut über 7000 Hilfesuchende am Hauptbahnhof an. Laut der Regierung von Oberbayern hat sich die Situation am Montag entschärft, die Ankünfte sind stark zurückgegangen. Alle Neuigkeiten zur Flüchtlingskrise im Liveblog.

München - Nachdem Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag angekündigt hatte, wegen des unkontrollierten Flüchtlingszustroms wieder Grenzkontrollen einzuführen, wurden noch am selben Abend im Grenzgebiet zu Österreich Kontrollpunkte eingerichtet. Kurz nach der Wiederaufnahme der deutschen Kontrollen an der Grenze zu Österreich kam es auf mehreren Strecken zu kilometerlangen Staus.

Damit reagierte man auf den anhaltenden Flüchtlingsstrom nach München. Nachdem am Samstag nach Schätzungen bis zu 13 000 Menschen am Münchner Hauptbahnhof ankamen, folgten am Sonntag weitere 7 100. Durch die Anordnungen der Bundesregierung, sollten die massenhaften Flüchtlingsankünfte in München in den nächsten Tagen allerdings wohl deutlich zurückgehen.

Inzwischen ziehen auch andere EU-Länder nach. Während Österreich die Armee an der Grenze zu Ungarn lediglich zur humanitären Hilfe und Unterstützung der Polizei einsetzt, will auch die Slowakei seit Montag wieder Grenzkontrollen zu Österreich und Ungarn durchführen.

Während politische Vertreter diese Schritte befürworten, stellen sich Flüchtlingsorganisationen explizit gegen die Wiedereinführung der Grenzkontrollen. "Die Flüchtlinge werden wie Bauern auf dem Schachbrett herumgeschoben", sagte "Pro Asyl"-Geschäftsführer Günter Burkhardt am Montag.

 

Hier lesen Sie den Liveblog zur Flüchtlingssituation am Montag:

 

+++ Alles, was man zu den Grenzkontrollen wissen muss +++

Alle wichtigen Fragen und Anworten zu den eingeführten Grenzkontrollen, finden Sie hier.

+++ Seehofer: EU muss Außengrenzen besser kontrollieren +++

Nach Beginn der Grenzkontrollen dringt die CSU auf rasche Entscheidungen auf europäischer Ebene, um mit dem Ansturm von Flüchtlingen fertig zu werden. Mit den Kontrollen habe man die Chance, "in das gesamte System Ordnung zu bringen", sagte Parteichef Horst Seehofer am Montag vor einer Sitzung des CSU-Vorstands in München. Er räumte aber ein, dass dies keine umfassende Lösung des Problems bedeute. Vom Bund forderte Seehofer, die Mittel für die Flüchtlingshilfe mindestens zu verdoppeln und die gerechte Verteilung der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zu organisieren.

 

+++ "Können noch nicht absehen, wie sich Grenzkontrollen auf München auswirken" +++

In einer Pressemitteilung der Regierung von Oberbayern heißt es, die Lage am Münchner Hauptbahnhof habe sich am Montag wieder etwas beruhigt. Nachdem am Sonntag rund 7100 Flüchtlinge in München ankamen, habe sich die Situation heute etwas entzerrt. Zur Lage meint Regierungspräsident Christoph Hillenbrand: „Wir können noch nicht genau absehen, wie sich die neuen Grenzkontrollen und der zeitweise eingestellte Zugverkehr nach München tatsächlich auf Ankünfte von Asylsuchenden in München auswirken. Im Moment mag man kurz durchschnaufen, was den zahllosen Beteilig-ten und Helfern sicher gut tut. Im Kern müssen wir aber weiter vorbereitet sein.“

 

+++ Bundeswehr bietet Flüchtlingshilfe an +++

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den Ländern und Kommunen weitreichende Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise angeboten. Unter anderem könnten Soldaten und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr Einrichtung und Betrieb der geplanten Verteilzentren für Flüchtling übernehmen, sagte die Ministerin am Montag in Berlin. Als mögliche Standorte nannte sie Berlin-Schönefeld und Soltau-Fallingbostel. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. In München gibt es faktisch bereits ein solches "Drehkreuz". Von der Leyen sagte, die Bundeswehr habe bisher 20 000 Schlafplätze für Flüchtlinge an 46 Standorten geschaffen.

+++ Grüne fordern bayerisches Aktionsprogramm für Flüchtlinge +++

Die Landtags-Grünen fordern ein bayerisches Aktionsprogramm zur Bewältigung der hohen Flüchtlingszahlen. Fraktionschefin Margarete Bause warf CSU und Bundesregierung am Montag eine "plan- und hilflose Stop-und-Go-Politik" vor. "Die Einführung von Grenzkontrollen ist aus unserer Sicht eine falsche und hilflose Maßnahme", sagte Bause zu Beginn einer dreitägigen Herbstklausur in Kempten.

Aus grüner Sicht sollte sich die CSU-Staatsregierung darauf konzentrieren, die Probleme der Verwaltung in den Griff zu bekommen. Bause hob die Schwerpunkte des von den Grünen geforderten Aktionsprogramms hervor: Aufnahme, Integration und eine Reduzierung der Bürokratie.

+++ CDU öffnet sich für Einwanderungsgesetz +++

Die CDU öffnet sich grundsätzlich für ein Einwanderungsgesetz. Der Parteivorstand mit Kanzlerin Angela Merkel verabschiedete am Montag in Berlin ein entsprechendes Papier.

+++ Bundespolizei kontrolliert auch Grenzen im Südwesten +++

Nach der Wiedereinführung von Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze ist die Bundespolizei auch verstärkt in den Grenzregionen im Südwesten unterwegs. Die Kontrollen an den Übergängen zur Schweiz und nach Frankreich seien aber "örtlich und zeitlich flexibel", sagte ein Sprecher der Direktion Stuttgart am Montag. "Das heißt, wir stehen nicht den ganzen Tag dort."

+++ Auch die Slowakei führt wieder Grenzkontrollen ein +++

 

Die Slowakei ist am Montag zu Kontrollen an ihren Grenzen nach Ungarn und nach Österreich zurückgekehrt. Das Innenministerium in Bratislava begründete diesen Schritt mit der "Bekanntgabe Deutschlands, vorübergehend wieder Grenzkontrollen an den Grenzen zu Österreich einzuführen". Außerdem seien 220 zusätzliche Polizisten an die Grenzen geschickt worden. Nach Eindrücken der Deutschen Presse-Agentur vom wichtigen österreichisch-slowakischen Grenzübergang Bratislava-Berg wurde dort am Montagmittag aber noch nicht kontrolliert.

+++ Hauptbahnhof: Keine neuen Flüchtlinge am Morgen +++

Auch nach der Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Österreich und Deutschland sind am Montag bis zum Vormittag keine Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Ob und wie viele Asylsuchende am Montag eintreffen könnten, sei vorerst unklar, sagte Bundespolizeisprecher Simon Hegewald. "Wir können aktuell nur ein bis zwei Stunden in die Zukunft blicken." Jedoch seien Beamte und Helfer am Bahnhof auf die Ankunft neuer Flüchtlinge vorbereitet. "Wir haben nach wie vor die Strukturen und die Personalstärke."

+++ Vereinzelt Zugausfälle am Hauptbahnhof München +++

 

Die Bahn bemüht sich, den Regelbetrieb wieder herzustellen. Ein Zug über Salzburg und Linz nach Budapest (11.29 Uhr) musste wegen polizeilicher Ermittlungen ausfallen. Ein Regelzug nach Berlin wurde zum Flüchtlingstransport umfunktioniert und soll München bald verlassen. Einige andere Züge haben zwischen zehn und 50 Minuten Verspätung.

+++ Regierungssprecher Seibert:"Es bleibt dabei: Wir schaffen das!" +++

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält auch nach dem Zustrom Zehntausender Flüchtlinge binnen weniger Tage an ihrer Überzeugung fest, dass Deutschland die Situation meistern wird. "Es bleibt dabei: Wir schaffen das", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Er betonte jedoch: "Aber niemand hat gesagt: Wir schaffen das über Nacht." Die Regierung handele stets so, wie die Lage es erfordere. Auch die temporäre Wiedereinführung von Grenzkontrollen ändere aber nichts daran, dass Deutschland seine humanitären Aufgaben erfülle. Weder habe Merkel mit ihrer Öffnung Deutschlands für Flüchtlinge Mitschuld an dem Andrang der Asylbewerber noch seien die Kontrollen eine 180-Grad-Wende.

 

+++ CDU-Politiker verteidigen Grenzkontrollen +++

 

Führende CDU-Politiker haben die Rückkehr zu Grenzkontrollen als notwendige Maßnahme wegen des unkontrollierten Flüchtlingszustroms verteidigt. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier sagte am Montag Länder und Gemeinden bräuchten dringend eine Verschnaufpause. "Es kann ja nicht so weitergehen, dass Nacht für Nacht Tausende kommen. Wir brauchen eine gewisse Ordnung im System." CDU-Vize Armin Laschet sprach von einem Signal, dass Deutschland nicht unbegrenzt Flüchtlinge aufnehmen könne. "Aber es ändert nichts an der Willkommenskultur, die weiterhin in Deutschland gegenüber politisch Verfolgten gilt", betonte er.

Die stellvertretende Parteivorsitzende Julia Klöckner sagte mit Blick auf das Treffen der EU-Innenminister an diesem Montag in Brüssel, sie erwarte, dass die Mitgliedstaaten nicht nur zusammenständen, wenn es um Geld aus Fördertöpfen gehe, sondern auch dann, wenn es gemeinsame Herausforderungen gebe. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte: "Wir brauchen dringend ein abgestimmtes Vorgehen, und das muss auch durchgesetzt werden."

 

+++ Flüchtlinge in Flensburg warten auf Weiterreise nach Skandinavien +++

 

Rund 300 Flüchtlinge haben am Montagvormittag am Flensburger Bahnhof auf die Weiterreise nach Skandinavien gewartet. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Montag mit. Es sei zunächst unklar, wie es mit den Menschen genau weitergehe. Die meisten Flüchtlinge dürfen der Bundespolizei zufolge voraussichtlich mit Regionalzügen nach Dänemark weiterreisen. Die Reise vieler Flüchtlinge nach Skandinavien war am Mittwoch in Flensburg gestoppt worden. Die dänische Bahn hatte auf Anweisung der Polizei den Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark vorübergehend eingestellt.

 

+++ Vizekanzler Gabriel: Eine Million Flüchtlinge +++

 

Noch liegt die offizielle Flüchtlingsprognose der Bundesregierung bei 800 000 Menschen - doch Vizekanzler Sigmar Gabriel erwartet einen Anstieg auf bis zu eine Million. "Vieles deutet darauf hin, dass wir in diesem Jahr nicht 800 000 Flüchtende aufnehmen, wie es das Bundesinnenministerium prognostiziert hat, sondern eine Million", heißt es in einem Brief des SPD-Chefs an die Parteimitglieder. Erst am 19. August hatte das Innenministerium die Prognose von 450 000 auf 800 000 Flüchtlinge angehoben.

 

+++ Österreich setzt Militär wegen Flüchtlingsandrangs ein  +++

 

Österreich will zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs aus Ungarn das Militär einsetzen. 2200 Mann sollten vor allem humanitäre Hilfe im Inneren leisten, sagte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) am Montag in Wien. Die Soldaten sollten jedoch auch an der Grenze eingesetzt werden und die Polizei bei Kontrollen unterstützen.

 

+++ Weiterleitungen in Bayern und in andere Bundesländer +++

 

Am Sonntag wurde die Weiterleitung der Flüchtlinge von München eingeleitet. Insgesamt 42 Busse, davon 28 Busse zur Weiterleitung in andere Bundesländer und 14 Busse im Bayernausgleich. Damit konnten 2.100 Personen per Bus weitergeleitet werden. Zusätzlich fuhren fünf Sonderzügen mit 3.100 Personen von München aus u.a. nach Dortmund, Berlin und Leipzig. Einer dieser Sonderzüge kam am Montagmorgen mit 450 Flüchtlingen in Leipzig an.

Zur Lage meint Regierungspräsident Christoph Hillenbrand: „Wir können noch nicht genau absehen, wie sich die neuen Grenzkontrollen und der zeitweise eingestellte Zugverkehr nach München tatsächlich auf Ankünfte von Asylsuchenden in München auswirken. Im Moment mag man kurz durchschnaufen, was den zahllosen Beteiligten und Helfern sicher gut tut. Im Kern müssen wir aber weiter vorbereitet sein.“

 

+++ Hauptbahnhof: Lage deutlich ruhiger +++

 

Nachdem am vergangenen Wochenende erneut knapp 20.000 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof angekommen waren, hat sich die Lage am Montagmorgen deutlich beruhigt. Nachdem Verkehrsstopp zwischen Deutschland und Österreich in der vergangenen Nacht, haben die Züge noch leichte Verspätungen von 15 bis 20 Minuten. Zudem steht der Sonderzug, der am Sonntag aus Berlin gekommen ist, noch immer am Hauptbahnhof. Eigentlich sollte er in den Morgenstunden abfahren.

 

+++ Kontrollen werden aufrecht erhalten +++

 

Die wieder eingeführten Kontrollen an der Grenze zu Österreich werden laut CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer aufrechterhalten, "solange nicht ganz konkrete Beschlüsse in Europa gefasst werden". Diese Beschlüsse erwarte er von dem Treffen der EU-Innenminister am Montag in Brüssel, sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Konkret geht es bei dem Treffen um die Verteilung von 120 000 Flüchtlingen aus Griechenland, Italien und Ungarn auf andere EU-Länder.

 

+++ Zahlreiche Schleuser festgenommen +++

 

Nach der Einführung von Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze sind allein bei Passau 30 Schleuser festgenommen worden. Zudem seien mehr als 100 Flüchtlinge aufgegriffen worden, sagte der Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung, Thomas Schweikl, am Montag. Auf der Autobahn 3 würden sämtliche Fahrzeuge auf einem Parkplatz etwa zehn Kilometer hinter der Grenze zu Österreich überprüft. Autofahrer müssten sich auf eine Verzögerung von etwa einer Stunde einstellen. Auch mehr als ein Dutzend andere ehemalige Grenzübergänge an Land- und Bundesstraßen im Raum Passau würden kontrolliert.

 

+++ Zugverkehr rollt wieder +++

 

Der zwischenzeitlich eingestellte Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich wurde laut einem Bahn-Sprecher am Montagmorgen gegen 7 Uhr wieder aufgenommen. einzige Ausnahme bildet die Strecke Salzburg-München, weil sich dort  sich Menschen auf den Gleisen befänden.

 

+++ Chaos an den Grenzenübergängen +++

 

Die Wiederaufnahme der deutschen Kontrollen an der Grenze zu Österreich führte zu einem regelrechten Verkehrschaos auf verschiedenen Strecke im Grenzgebiet. Am Sonntagabend und am Montagmorgen kam es durch die Grenzkontrollen zu kilometerlangen Staus auf der Autobahn 8 bei Bad Reichenhall und der Autobahn 3 bei Passau..

 

Hier gibt's den Liveblog vom Sonntag zum Nachlesen:

+++ Bund reagiert auf OB Dieter Reiters Hilferuf +++

 

Hiermit beenden wir unsere Live-Berichterstattung vom Sonntag. Alle Geschehnisse vom Wochenende haben wir in diesem Artikel noch einmal für Sie zusammengefasst:

Hilferuf eines Oberbürgermeisters - Deutschland macht Grenzen dicht

Danke für's Mitlesen und einen Schönen Abend!

+++ De Maizière: "Zustrom nach Deutschland begrenzen" +++

 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat am späten Sonntagnachmittag die Medienberichte bestätigt und bekanntgegeben, dass Deutschland vorübergehend wieder Grenzkontrollen durchführen will. Diese Sofortmaßnahme sei wichtig, um den ungebremsten Zustrom an Flüchtlingen nach Deutschland zu begrenzen, ein geordnetes Verteilungsverfahren zu ermöglichen und die Sicherheit im Schengenraum zu erhalten.

Deutschland wolle aber weiterhin alle EU-Vorgaben zur Aufnahme und Versorgung von Flüchtlingen einhalten, so De Maizière. Es sei aber notwendig, dass auch die anderen EU-Mitgliedsstaaten sich an diese Vorgaben halten. Heißt: Nicht nur die Flüchtlinge, die in ihrem Land ankommen zu registrieren, sondern auch die jeweiligen Asylverfahren durchführen.

+++ ÖBB bestätigt: Keine Züge mehr nach Deutschland +++

 

Die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB haben den Zugverkehr nach Deutschland am Sonntagnachmittag gegen 17.00 Uhr eingestellt. Das sei auf Wunsch der Deutschen Bahn geschehen, sagte ÖBB-Sprecherin Sonja Horner der Deutschen Presseagentur.

+++ Überraschende Wende: Grenzkontrollen zu Österreich? +++

 

Berichten von "Bild" und "Spiegel Online" zufolge will Deutschland die Grenzen zu Österreich dicht machen. Zunächst sollen Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und später Verstärkungseinheiten bei der Bundespolizei wieder Grenzkontrollen durchführen. Um zu verhindern, dass die Grenzkontrollen umgangen werden, soll auch die Schleierfahndung im Grenzgebiet zu Polen und Tschechien verstärkt werden.

Wenig später berichtete die "Passauer Neue Presse", dass auch der Zugverkehr von und nach Österreich vorübergehend eingestellt werden soll. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat für 17.30 Uhr eine Stellungnahme angekündigt.

 

+++ Appell an freiwillige Helfer: Wasser und Kekse werden knapp +++

 

Die Vorräte gehen langsam aus. Die Münchner Polizei hat deshalb einen Aufruf über Twitter veröffentlicht. Wer Trinkwasser und Kekse entbehren kann, solle diese bitte zum Hauptbahnhof bringen.

 

 

+++ 63 000 Flüchtlinge seit Ende August in München +++

 

Seit Ende August hat München 63.000 Flüchtlinge empfangen. Das entspreche der Bevölkerung einer Kleinstadt, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. Dass sich die Lage am Sonntag, wo bis Mittag "nur" 1400 Menschen in München ankamen, ist vor allem auf das verbesserte Weiterleitungssystem in andere Bundesländer zurückzuführen. Zwei Sonderzüge sollten mehrere hundert Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen bringen.

 

+++ Bahn setzt ICE für Flüchtlingstransport ein +++

 

In der Pressekonferenz der Regierung von Oberbayern am Sonntag hat Präsident Christoph Hillenbrand erklärt, dass die Deutsche Bahn erstmals einen regulären ICE zum Transport von Flüchtlingen einsetzt. Die Passagiere der Verbindung München-Berlin mussten auf andere Züge umbuchen. Bisher hatten nur Sonderzüge Flüchtlinge transportiert.

 

+++ Münchner Solidarität ungebrochen +++

 

Während gegen 10.30 Uhr eine BOB mit hunderten Ausflüglern Richtung Berge abgefahren ist, kommen immer mehr Münchner zum Helfen am Hauptbahnhof an. Sie haben Wasser, Spielsachen und Süßigkeiten dabei, um vor allem den kleinen Kindern unter den Flüchtlingen eine Freude zu machen. Die Solidarität ist weiter ungebrochen, die Situation trotz der vielen Menschen und des unheimlichen organisatorischen Aufwands weiter friedlich und entspannt.

 

+++ Wieder voller Zug aus Wien, Busse kommen an +++

 

Am Sonntagvormittag ist erneut ein Railjet aus Wien am Hauptbahnhof angekommen, in dem schätzungsweise 400-500 Flüchtlinge saßen. Die Bundespolizei hat den Bahnsteig 26 abgeriegelt und anschließend die Menschen Stück für Stück zur Registrierungsstelle geleitet.

Zusätzlich hielten mehrere Busse am Hauptbahnhof, aus denen Flüchtlinge strömten. Für den AZ-Reporter war es zunächst ersichtlich, wo diese Busse herkamen. Einige Flüchtlinge aus dem Railjet wurden zusammen mit den Bus-Insassen zu einem Sonderzug nach Dortmund geleitet. Man versucht offenbar, viele Flüchtlinge so schnell wie möglich umzuverteilen.

 

+++ Münchner bringen Isomatten an Hbf +++

 

Nach Informationen von ehrenamtlichen Helfern übernachteten einige Menschen auch am Zentralen Busbahnhof. Die Lage werde gerade geprüft, sagte Marina Lessig, Koordinatorin für das ehrenamtliche Engagement, kurz vor Mitternacht. "Wir sind zuversichtlich, dass wir zumindest alle mit dem Notwendigsten versorgen können: Decken, Wasser, Nahrung. Ehrenamtliche und Feuerwehr hätten bereits begonnen, eine Zeltstadt aufzubauen, sagte Lessig. Auch in der Olympiahalle liefen bereits die Vorbereitungen, um dort Flüchtlingen vorübergehend aufzunehmen.

Auch die Bundeswehr half beim Einrichten der Notlager. Feldbetten seien kaum noch zu bekommen, hieß es. Gegen 20.30 Uhr hatten Helfer die Münchner über die sozialen Medien aufgerufen, Schlafsäcke und Isomatten zu bringen. "Wir haben weit mehr bekommen, als wir brauchen", sagte Lessig. "Wir werden den Aufruf aber noch nicht stoppen, weil wir nicht wissen, was morgen los ist."

"Abstrakte Terrorgefahr": Dschihadisten unter den Flüchtlingen?

 

+++ OB Reiter: "Das ist einfach lächerlich" +++

 

Die Lage hatte sich bereits den ganzen Tag über abgezeichnet. "Sie sehen uns durchaus sehr besorgt vor sich", hatte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand am Abend bereits gesagt.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kritisierte erneut die mangelnde Unterstützung aus anderen Bundesländern. Außer nach Nordrhein-Westfalen seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. "Das ist einfach lächerlich", sagte Reiter. München übernehme gerade eine nationale Aufgabe. Die Situation sei seit Tagen absehbar gewesen. Dennoch habe sich nichts getan. Er sei "bitter enttäuscht, dass es nun auf ein Situation zuläuft, in der wir sagen müssen: Wir haben für ankommende Flüchtlinge keinen Platz mehr."

Er finde es seitens der anderen Bundesländer nach zehn Tagen "absolut dreist, zu sagen: wir sind am Anschlag". Wer so spreche, solle sich in München ansehen, was "am Anschlag" bedeute. Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht alleinzulassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München.

Denn Tausende weitere Menschen sind auf dem Weg. Die Balkanroute sei voller denn je, hieß es.

Flüchtlingskrise - AZ-Kommentar: Mehr Realismus, bitte!

 

+++ 750 neue Flüchtlinge am Sonntag +++

 

Weitere 750 Flüchtlinge haben am frühen Sonntagmorgen den Hauptbahnhof München erreicht. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntagmorgen mit.

Prognosen zur erwarteten Zahl neu ankommender Menschen wollte die Bundespolizei nicht nennen. Ein rückläufiger Trend sei jedoch nicht zu erwarten, hieß es.

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