Barcelonas Superstar Lionel Messi bricht mit dem Klub alle Rekorde, ein Titel mit dem Nationalteam fehlt dem 25-Jährigen allerdings. Trainer-Legende Menotti: „Er steht alleine da, das ist das Problem”

FRANKFURT Lionel Messi wusste gar nicht so recht, was er tun sollte. 36 Tage frei? Für einen wie Messi die Hölle. „So viel Urlaub bin ich nicht gewohnt. Ich habe sehnsüchtig auf den Trainingsauftakt gewartet”, sagte er vor kurzem, als er beim FC Barcelona endlich wieder dem Ball nachjagen durfte. Urlaub, so etwas existiert im Sprachgebrauch des 25-Jährigen eigentlich nicht. 2006 und 2010 WM, 2008 Olympia, 2011 Südamerikameisterschaft, irgendwas ist immer. 263 Pflichtspiele hat er seit Juni 2008 für Barça und Argentinien absolviert, dazu viele Freundschaftsspiele, bei denen er stets die Attraktion war. Zum Vergleich: Philipp Lahm kommt im selben Zeitraum auf 40 Spiele weniger.

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Das Besondere an Messi: Es scheint ihm überhaupt nichts auszumachen. „Er wird von Jahr zu Jahr besser”, meinte sein neuer Trainer bei Barça, Tito Vilanova unlängst. 73 Treffer hatte Messi in der vergangenen Spielzeit für Barcelona erzielt. Die vorherige Bestmarke von Gerd Müller (67 Tore): nach 39 Jahren ausradiert. Und auch jetzt, nach dem Urlaub, befindet sich der 25-Jährige bereits wieder in erstaunlich guter Form – in vier Testspielen gelangen Messi fünf Tore. Sein Ziel für die kommende Spielzeit ist ja auch durchaus ehrgeizig formuliert: „Alles gewinnen.

Auch wenn das von Jahr zu Jahr schwieriger wird.” Triumphe mit der argentinischen Nationalmannschaft sind dagegen in weite Ferne gerückt. Ein Titel mit der A-Nationalmannschaft, das fehle ihm sehr, sagte er vor einem Jahr. Und Messi ist weiß Gott kein Mann der lauten Töne. Spricht er auf einem Podium, sitzt er meist leicht gebückt da, die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, die Arme verschränkt. Und wenn er über die Albiceleste, die Nationalelf, spricht, spürt man seine Anspannung und den Willen, es allen zu Hause zu zeigen, die in ihm nur den Jungen sehen, der mit 13 die Heimat verließ, um es in Europa zu schaffen.


2014, bei der WM in Brasilien, besteht die nächste Möglichkeit auf Glorie. Das Problem: Den Gauchos fehlt der Nachwuchs, das zeigte die 1:6-Klatsche der U20 gegen Deutschlands U21 deutlich. „Messi ist ein großer Geiger. Aber von wem wird er begleitet? Nicht von einem großen Symphonie-Orchester wie in Barcelona. In Argentinien steht er alleine da. Das ist das Problem”, sagte Ex-Nationaltrainer César Luiz Menotti dieser Tage der „Sport Bild”. Menotti und Messi haben zuletzt viele Übungsleiter kommen und gehen sehen. José Pekerman, Alfio Basile, Diego Maradona, und Sergio Batista, vier Trainer in fünf Jahren. Jeder schickte Messi vor, er sollte es oft alleine richten, doch er tat es nicht. Selbst Messi ist menschlich.


Seit Alejandro Sabella 2011 übernahm, ist zumindest wieder etwas Balance in die Albiceleste zurückgekehrt. Messi dankte es ihm mit sieben Toren in den vergangenen drei Spielen, darunter drei beim 4:3 gegen den Erzrivalen Brasilien im Juni. „Zum Glück ist er Argentinier”, scherzte Sabella danach. Der Trainer scheint offenbar zu wissen, wie er Messi anpacken muss. „Er ist ein Spieler, den man in Ruhe lassen und so wenig wie möglich ansprechen sollte”, sagt er: „Denn nur wenn er zufrieden und glücklich ist, kommt das der ganzen Mannschaft zugute.” Vor einiger Zeit sagte Sabella, Messi erinnere ihn an eine „Autorennbahn, mit der wir früher als Kinder gespielt haben”. Messi sei wie eines dieser kleinen Autos, „im Handumdrehen von Null auf Höchstgeschwindigkeit”. Und diese Autos sind auch immer bereit, durchzustarten.

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