Leserreporter Das Ludwigsgymnasium zeigt Flagge

Die Schüler vom Ludwigsgymnasium haben Flagge gezeigt. Foto: ho

Am Ludwigsgymnasium wurde die tibetische Flagge gehisst. Warum, erklärt die Schülersprecherin in ihrem Leserbeitrag...

 

Sendling - Nein, wir hissen nicht irgendeine x-beliebige Flagge zum Spaß oder weil sie unser Schulgebäude verziert. Diese Flagge ist für viele Millionen Menschen das Symbol für den Kampf um Freiheit. Im Zentrum steht die aufgehende Sonne, die das immer wiederkehrende Leben symbolisiert und das Zeichen für Tibet ist. Am 10.März hissen mittlerweile über 1.000 Städte die tibetische Flagge aus Solidarität mit dem tibetischen Volk.

Die Stadt München hat sich dem Engagement nicht angeschlossen. Aber das Ludwigsgymnasium in München solidarisiert sich mit den Tibetern und demonstriert auf diese Art gegen die Menschenrechtsverletzung, die Zerstörung der tibetischen Kultur, der Religion und der nationalen Identität. Aber warum ausgerechnet diese Flagge und nicht die syrische, dessen Volk genauso Unterstützung bräuchte?

Aus einem ganz einfachen Grund -Tibet wird mundtot gemacht und versucht gewaltlosen Widerstand gegen die chinesische Regierung zu leisten. Erstaunlicherweise haben wir nicht durch die Medien von dem Konflikt um Tibet erfahren, sondern durch einen Schulbesuch des tibetischen Zentrums in Pasing. Erst durch unsere persönliche Begegnung vor Ort mit der Übersetzerin, eine geflüchtete Tibeterin, die vor Niedergeschlagenheit und Fassungslosigkeit über die Vorgänge in Ihrem Land angefangen hat zu weinen, ist uns bewusst geworden, wie ernst dieser Konflikt ist. Das hat uns sehr berührt.

 

Seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch China 1949/50 wurden tausende von Tibetern/innen verhaftet, getötet oder zur Flucht gezwungen. Es ist strikt untersagt eine tibetische Flagge oder ein Bild davon zu besitzen. Über 1.2 Millionen Menschen sind seit der (volkswidrigen) Besetzung ums Leben gekommen. Der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der Tibeter, wurde aus dem Land ins Exil verbannt. Er ist nach Indien mit einigen anderen Tibetern geflüchtet. Von dort versucht er bis heute leider erfolglos, in Gespräche mit der chinesischen Regierung zu kommen.

China lehnt dies bis heute ab. Zu Propagandazwecken der chinesischen Regierung, müssen tibetische Tänzerinnen für Show-Aufführungen ins Ausland reisen. Von Bodyguards bewacht haben die Tänzerinnen keine Möglichkeit, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Die Aufführungen werden von China gefördert, um der restlichen Welt zu zeigen, dass die Tibeter in der Ausübung Ihrer Kultur nicht eingeschränkt werden. Die perfekte Propagandamaschine von China scheint zu funktionieren. Die Tibeter sind mittlerweile so verzweifelt, dass sie durch Selbstanzündungen nach Hilfe und Aufmerksamkeit schreien und versuchen das weltliche Auge auf ihr terrorisiertes Land zu richten.

Darum haben wir vergangenen Montag, zum Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes 1959 unsere Flagge gehisst, um Tibet zu zeigen, dass auch wir, die in einem demokratischen freien Land leben, die Qualen der Tibeter nicht vergessen und an Ihrer Seite stehe. Uns ist klar geworden wie gut wir es haben, ausgerechnet in Deutschland geboren worden zu sein. Und nicht in einem besetzten diktatorischen Land indem Freiheit und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Wenn wir, damit meine ich auch Sie, weiterhin unsere Augen vor der Realität verschließen und uns in unserer sichern Welt nur um uns selbst kümmern, wird Tibet einen leisen und unscheinbaren Tod sterben. Wie würden wir uns fühlen, wenn wir wie in Tibet geschehen, das Kostbarste zurücklassen müssten, was wir Menschen überhaupt besitzen: unsere Familie, unsere Heimat. Heimatlos - Einsam - mit der ständigen Angst vor dem Tod der Familien in der Heimat.

Haben Sie auch schöne Bilder aus ihrem Viertel oder ist Ihnen ist etwas Besonderes aufgefallen? Über was haben Sie sich gefreut, worüber geärgert? Mailen Sie Ihren Beitrag an stadtviertel@abendzeitung.de. Hier können Sie auch Fotos hochladen.

 

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