Lebenslanges Lernen So bewahren Sie Wissbegier und Eigeninitiative

Manche wollen es endlich nachholen, andere neue Leute kennenlernen. Für das Seniorenstudium gibt es unterschiedliche Gründe. Foto: dpa

Der Körper wird gediegener und langsam schwächer – und der Geist? Mentale Fitness ist ebenso trainierbar wie physiologische und trägt zur Lebensqualität bei.

München - Die Kinder sind längst aus dem Haus, das Berufsleben ist vorüber, der Nachwuchs studiert, arbeitet oder geht in nächster Generation bereits wieder zur Schule. Jeden Tag unbändig viele neue Eindrücke, zum ersten Mal laufen, sprechen, fachlich lernen, darüber Unmut äußern, sich über neue Erkenntnisse und Zusammenhänge freuen, weiter lernen – ob explizit während der Ausbildungszeit und auf Fortbildungen oder implizit im alltäglichen, fordernden Berufsleben. Dieser Rhythmus wird irgendwann, jedenfalls in seiner alltäglichen Selbstverständlichkeit, unterbrochen.

Im Ruhestand ist Gelegenheit zur Erholung. Weniger geistige Anstrengung, stattdessen entspannen, genießen und überlegen, was das Leben außerdem bereit hält. Sicher, jahrelang liegen gebliebene Aufgaben am Haus, Stichwort Keller aufräumen, Flur streichen und endlich Thomas Manns "Zauberberg" zu Ende lesen sind Aussichten; mehr oder minder jedoch schnell erledigte Obliegenheiten, die höchstens einen mittelfristigen Plan darstellen. Es ist an der Zeit selbst aktiv zu werden.

Mental fit bleiben

„Wer sein Gehirn schont, hält es länger frisch.“ Könnte man meinen und diesen Witz hat schon mancher Kabarettist erzählt. Das Gegenteil ist der Fall, und die meisten Menschen möchten die Lücke bzw. wiedergewonnene Freiheit bald selbst sinnvoll füllen und gestalten. Wiedergefundene oder neu entdeckte Interessen sowie der Wunsch wieder etwas zu lernen bieten viele Möglichkeiten den Geist frisch zu halten. „Im Durchschnitt sind geistig rege Menschen erfolgreicher, zufriedener und gesünder als andere. Und sie leben länger“, ist auf dem Handout zu einem Vortrag über mentale Fitness zu lesen. Dort wird definiert: Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und Merkspanne ergeben die Arbeitsspeichergeschwindigkeit, meist mentale Fitness genannt. Mentale und körperliche Leistungsfähigkeit hängen wahrscheinlich zusammen, kurbelt doch körperliche Aktivität die Zellerneuerung an und pumpt Sauerstoff durch den gesamten Körper, auch das Gehirn.

Der Schritt in die Universität

Bildung und Geistesleben sind heute nicht mehr an eine Altersstufe gebunden. Geistig fit halten möchten sich auch Ältere. Warum nicht in der Wissenschaft? Ein Studium für Pensionäre bieten die meisten Universitäten in Deutschland bereits an. „Seniorenstudium“ heißt die Vereinigung in München, in Heidelberg beispielsweise „Akademie für Ältere“. Je nach Semesterwochenstunden eines Halbjahres ist der Beitrag meist gestaffelt. Angeleitet durch Professoren und in Kontakt mit Gleichgesinnten eröffnen sich neue Welten und durch wissenschaftlich methodisches Vorgehen zudem neue Denkmuster.

Weiterbildungsmaßnahmen

Das Leben ist vielgestaltig und ändert sich schnell. So schnell, dass neben dem Berufsalltag möglicherweise zu wenig Zeit blieb, um sich über beispielsweise technische Innovationen sachgerecht zu informieren. Weiterbildungsmaßnahmen in diesem Kontext oder berufsspe-zifische halten den Geist fit und bewahren die Neugierde auf die sich stetig ändernde Welt. Am Beispiel Technik können sich im Zuge dessen Interessen für neue Beschäftigungen herausbilden, sei es Fotografie oder das Leben erleichternde Maßnahmen, wie Ticketbuchungen am Computer.

Reisen bildet

„Laub die Goldorangen glüh’n, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht? Kennst du es wohl? Dahin!“ Goethes Gedicht Mignon aus dem 18. Jahrhundert ist im Zuge seiner ersten Italienreise entstanden, die als Bildungsreise gilt. Auch wenn die Welt viel offener und vernetzter, obendrein das Reisen viel zugänglicher, we-niger gefährlich und preisgünstiger geworden ist – die Sinnhaftigkeit bleibt eine ähnliche.

Auf Bildungsreisen steht kein prosaischer Strandurlaub im Vordergrund, sondern kulturelles Interesse, Neugierde an Land und Leuten. Verbunden mit Sprachreisen können Touristen Urlaub und Bildung angenehm kombinieren und auch neue Motivation für Selbststudium oder den nächsten Sprachkurs sammeln.

Als Lehrender mit anderen Lernen

In Berufsalltag und Leben viel gelernt, können Senioren ihr Wissen an Jüngere weiter geben. In Vorlesungen an Hochschulen und vor allem Fachhochschulen sind Menschen mit Lebenserfahrung und fundiertem Fachwissen gefragt. Der Umgang mit jungen Menschen ist auch für den Lehrenden ein Gewinn: Sein Wissen wird gebraucht; didaktisch und persönlich kann viel hinzu erlernt werden. Auch Nachhilfe hält Lehrende geistig fit und nützt im gleichen Atemzug Jüngeren. Soziale Projekte gibt es außerdem an Grundschulen, in denen Kinder unterstützt werden, die keine diagnostizierte Lese-Rechtschreib-Schwäche, aber doch große Schwierigkeiten beim Lesen aufweisen. Die Zeit mit phantasievollen, interessierten Kindern eröffnet Erwachsenen neue Perspektiven. Gleiches gilt für so genannte Rechenpaten, die nicht nur als Mathenachhilfelehrer auftreten, sondern auch im spielerischen Umgang Kindern, die mehr Aufmerksamkeit benötigen, in ihrer Gesamtkonstitution unter die Arme greifen können.

Neue Beschäftigungen finden

Nach zehn Jahren Klavierunterricht, schwanden im Laufe der Zeit Interesse und Muße für ausgelassenes Spielen und Erlernen neuer Musikstücke. Der Ruhestand kann wieder Raum für lang pausierte Interessen bieten. Neue Freizeitmöglichkeiten und Herausforderungen finden sich an allen Ecken: Endlich richtig Sport treiben, vielleicht an einem Volkslauf teilnehmen, Malen lernen, einen Literaturkurs besuchen. Durch Volkshochschulen, Interessengruppen oder Autodidaktik können sich alle Altersgrup-pen informieren und zielgerichtet neue Fähigkeiten aneignen. Neugierde ist die Devise!

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