TÜV-Gutachter haben die Ursache für das undichte Delfinbecken im Nürnberger Zoo benannt. Verantwortlich dafür will keiner sein.

Nürnberg – Wer ist für das Desaster mit der undichten Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten verantwortlich? Der Streit, bei dem es letztendlich um Millionen geht und der bereits das Landgericht beschäftigt, hat groteske Züge angenommen. Unbestritten ist, dass durch eine undichte Fuge im oberen Beckenbereich gewaltige Mengen Salzwasser ins Erdreich gespült wurden und beträchtliche Umweltschäden in einem angrenzenden Waldstück auslösten.Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen.

Alle Versuche, das Becken abzudichten, sind gescheitert

Wie Sitzungsprotokollen und Schriftverkehr zu entnehmen ist, sind mehrere Versuche, die Fuge abzudichten, gescheitert. Gutachter des TÜV Rheinland, Abteilung „Baustoffe und Betontechnologie“, kommen zu einem eindeutigen Ergebnis. „Beckenkopf und Beckenrand“, steht in der TÜV-Expertise, „müssen neu geplant und ausgeführt werden.“ Nicht minder eindeutig sind für die TÜV-Gutachter die Gründe für die undichte Beckenanlage. „Es liegt“, heißt es weiter, „ein eindeutiger und nachgewiesener Planungsfehler vor.“

Entsprechend deutlich fällt auch ein Schreiben des städtischen Hochbauamts an den Chef des Planungsbüros aus: „Da für die bauliche Umsetzung voraussichtlich von einer größeren Summe ausgegangen werden kann, sollten Sie vorsorglich Ihre Versicherung entsprechend benachrichtigen.“

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Der Geschäftsführer des Planungsbüros dagegen sieht keinerlei Handlungsbedarf, obwohl ihm die Stadt bereits eine schriftliche Mängelrüge zustellen ließ und vor dem Landgericht gegen ihn und alle anderen beteiligten Firmen ein Beweissicherungsverfahren in Gang gesetzt hat, wie Justizpressesprecher Michael Hammer auf Anfrage bestätigte. „Ich habe keinen Streit mit der Stadt“, erklärt der Chefplaner. Derart entspannt wirkt der Schriftverkehr zwischen ihm und der Stadtverwaltung nicht. Dort regt man sich vor allem über die Behauptung des Planers in einer Stellungnahme für das Gericht auf. „Eine vollständige Dichtigkeit“, schreibt er, „war zu keiner Zeit Planungsgrundsatz.“

Das Hochbauamt reagierte gereizt und warf die Frage in den Raum, ob man zum Beispiel beim Bau eines Hauses nicht auch davon ausgehen dürfe, dass das Dach dicht geplant werde. Der grotesk wirkende „Eiertanz“ des Planungsbüros hinsichtlich einer möglichen Verantwortlichkeit liegt an den immensen Kosten, die bei der Sanierung des Lagune-Beckens anfallen würden. Stadt und Tiergarten gehen von mehreren Millionen Euro aus, wobei die reinen Baukosten nur einen Teil darstellen.

Für die Sanierung muss die Lagune eine Saison lang zu bleiben

Einig sind sich alle Beteiligten auch darin, dass während der Sanierung die Lagune komplett für eine ganze Saison geschlossen werden müsste. Wie sich das auf die Besucherzahlen auswirken würde, die ohnehin viel zu optimistisch prognostiziert worden sind, ist kaum absehbar, da der relativ hohe Eintrittspreis auch den Besuch der Lagune beinhaltet.

Die weit hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Besucherzahlen brachten schon im Jahr 2012 die Alarmglocken zum Schrillen. Tiergartendirektor Dag Encke wies bereits damals in Schreiben an die Stadt auf das stark geschrumpfte Eigenkapital des Zoos hin. Mit dem Beweissicherungsverfahren will die Stadt nun mit Hilfe des Landgerichts feststellen lassen, wie es zu den baulichen Problemen bei der Lagune kam. Pressesprecher Michael Hammer erklärte, dass von Seiten des Gerichts ein eigener Gutachter beauftragt wurde.