Das Landwirtschaftsministerium hat 11000 Packerl an bayerische Grundschulen verschickt – als Aufklärungsmaterial. Vor allem im Oberland sorgt die Aktion für Kopfschütteln

MÜNCHEN Die spinnen, die Münchner – das haben sich etliche Lehrer gedacht, als sie dieser Tage Post aus dem Landwirtschaftsministerium bekamen. Nicht Lebkuchen oder Weihnachtsplätzchen lagen in den Päckchen. Nein, Minister Brunner ließ Heu an sämtliche bayerischen Grundschulen verschicken – als Aufklärungsmaterial.

Alle Dritt- und Viertklässler an Bayerns Grundschulen bekamen kurz vor Weihnachten ein ganz besonderes Geschenk: ein Päckchen von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Insgesamt 11000 Packerl ließ der Münchner CSU-Politiker verschicken, an jede Klasse eines. In jedem von ihnen lag ein Büschel Heu als Werbegag für die bayerische Landwirtschaft.
„Als wenn unsere Kinder nicht wüssten, wie Heu aussieht”, echauffiert sich ein Schulleiter aus dem Oberland. Als ihm das schuhkartongroße Päckchen vorgesetzt wird, glaubt er zunächst an einen albernen Scherz.

Doch dann fiel sein Blick auf Info-Broschüren, ein Plakat und Postkarten. Mit dem Infomaterial wird für die „Erlebniswelt Bauernhof” geworben – eines der Lieblingsthemen von Minister Brunner.
Ziel ist es, so erklärt sein Pressesprecher Hubertus Wörner der AZ, „dass jeder Grundschüler in Bayern mindestens einmal in seinem Leben auf einem Bauernhof war”.
Die Kinder sollen dort erfahren, wie Lebensmittel hergestellt werden und welcher Aufwand damit verbunden ist. „Langfristiges Ziel ist es”, so Wörner, „dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden”.

Ob Heu dafür allerdings das richtige Anschauungsmaterial ist, bezweifeln Lehrer wie Eltern. „Die Kinder glauben doch glatt, wir spinnen, wenn wir denen ein Büschel Heu vor die Nase halten”, sagt ein Lehrer. „In der Großstadt muss vielleicht inzwischen erklärt werden, wie Heu aussieht und wie es riecht, aber doch nicht bei uns auf dem Land, wo jeder in der Nähe einen Bauernhof kennt.”
Manche Eltern sind über den PR-Gang nicht nur verwundert, sie sind stinksauer. „Kein Moos für die Schulen, aber Heu”, schrieben einige an die Redaktion des BR-Magazins „Quer”, das gestern Abend über den PR-Gag des Ministeriums berichtete.
Die Wut mancher Eltern und Lehrer dürfte noch viel größer werden, wenn sie erfahren, was die Aktion den Steuerzahler gekostet hat: satte 120000 Euro hat das Ministerium für seine Heu-Nummer verpulvert.