Landtagswahl in Bayern Altstadt: Nur 33 Stimmen für Die Freiheit

Michael Stürzenberger an einem seiner Infostände. Für Aufsehen sorgte... Foto: Petra Schramek

Trotz zahlreicher Infostände erreichte die rechtspopulistische Partei "Die Freiheit" bei der Landtagswahl nur 33 Stimmen in der Altstadt. Die Anhänger sind enttäuscht.

Altstadt - 33 Stimmen im Bezirk Altstadt-Lehel. Weniger haben nur die Republikaner und die Verschwörungstheoretiker der "Bürgerrechtsbewegung Solidarität" erreicht.  Und das, obwohl Aktivist Michael Stürzenberger hier jedes Wochendende mit dem Mikrofon stand und für seine Partei warb.

Das miserable Ergebnis der "Freiheit" bei den Wahlen zum Bayerischen Landtag am Sonntag hat selbst deren Anhänger überrascht.

In ganz München machten nur 1963 Wähler ihr Kreuz bei der Gruppierung, das sind 0,3 Prozent. Zum Vergleich: Die CSU sammelte über 200.000, die SPD rund 192.000 Stimmen.

Auf der Seite PI-News, einst als ernstzunehmendes proamerikanisches und israelfreundliches Portal "gegen den Mainstream" gestartet und heute vor allem Sprachrohr rechtspopulistischer Bewegungen, herrscht Katerstimmung in den Kommentarspalten zur Wahl.

"Wo bleiben AfD, die Freiheit und die NPD?", will ein User am Sonntag um 18.26 Uhr schon nach den ersten Prognosen ungeduldig wissen. Erstere ist in Bayern übrigens gar nicht angetreten.

Als dann Zahlen eintrudeln, die "Die Freiheit" bei 0,0 Prozent sehen, wird die Stimmung nicht besser. "Den Deutschen ist nicht mehr zu helfen", konstatiert "Josef". Und "Andynice" schimpft: "Lemmerlinge" - wohl "Lemminge" meinend.

User "Schweinsbraten" betreibt Ursachenforschung: "Die Freiheit" brauche einen neuen Namen, sei zu leicht mit den "Freien Wählern" zu verwechseln. "Gerade für Leute, die sich kaum um Politik kümmern, schwierig zu unterscheiden."

"Die Freiheit ist als Partei völlig gescheitert. Sie zu unterstützen, ist Ressourcen-Vergeudung und schadet der islamkritischen Sache eher", schreibt "Kleinzschachwitzer". Und hat eine Idee: "Die AfD ist zwar momentan keine islamkritische Partei. Die Islamkritiker sollten sie jedoch unterwandern."

"Rheinländerin" vermutet, ganz im Ernst, dass das Wörtchen "rechts" im Untertitel "Bürgerrechtspartei" abschreckend gewirkt habe.

"Rechts" - das ist auf PI-News offiziell ja kaum jemand. Wenngleich die Beiträge und Kommentare eine andere Sprache sprechen.

Dass es zum Beispiel mit der angeblichen Israelfreundschaft der User nicht weit her ist, zeigen etwa die Kommentare zum Tode Marcel Reich-Ranickis.

Der sei in Wirklichkeit ein "Agent und Auftragskiller" gewesen, habe "Gräueltaten" verübt, "überwiegend jüdische Autoren gepriesen" und "deutsche Autoren in den Dreck gezogen", heißt es neben den Trauer-Kommentaren.

Unter einem Putin-Artikel beklagt ein User das Verbot von Landser-Heften, "weil Minderheiten den Finger heben, andererseits wird die Antisemitismuskeule geschlagen, wenn berechtigte Kritik geübt wird".

Wes Geistes Kind viele Anhänger sind, wird auch immer wieder bei Thema Homosexualität deutlich, das besonders einen Autoren der Seite zu faszinieren scheint.

Die meisten Leser teilen seinen Hass. Unter einem Artikel über einen Schwulen, der zusammengeschlagen wurde, steht:

"Ich habe mitlerweile kein Mitgefühl für irgendeinen Schwulen, Lesbe oder alles was dazu gehört. Auch habe ich kein Mitgefühl mit irgendwelchen Weibern, die abgestochen oder geschlagen werden."

Ein anderer räumt netterweise ein: "Ich kann Schwuchteln auch nicht leiden, aber dass man einen so übel verprügeln muss, das geht viel zu weit."

Und User "Gourmet" witzelt: "Lidschatten muss der hübsche Junge jetzt schon mal nicht mehr auftragen."

Auch gegen Frauen wird regelmäßig gehetzt. Sie seien dümmer, was sich auch an der geringen Zahl der Nobelpreise ablesen lasse, suggeriert etwa "kewil", einer der offiziellen Autoren.

Gleichzeitig beklagt die Seite die Intoleranz und Frauenfeindlichkeit des Islam. 

Dass das nicht zusammenpasst, durchschauen inzwischen selbst Sympathisanten, wie sich auch an den Wahlergebnissen für "Die Freiheit" ablesen lässt, die sich nicht von denen rechtsradikaler Parteien unterscheiden.

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