Landräte aus Miesbach im Visier der Justiz Sparkassen-Affäre: Eine Abschiedsfeier für 90439,79 Euro

Der alte und der neue Herrscher über das Landratsamt Miesbach: Nicht nur für Jakob Kreidl (CSU, r.), auch für seinen Nachfolger Wolfgang Rzehak (Grüne) hat die Sponsoring-Affäre ein Nachspiel. Foto: dpa

Über mehrere Jahre wirft das Spitzenpersonal der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee mit dem Geld der Kunden nur so um sich. Auch der neue Landrat soll in dieser Zeit üppige Geschenke erhalten haben.

Miesbach - Die Sponsoring-Affäre der Miesbacher Kreissparkasse zieht immer weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit wegen des Verdachts der Veruntreuung und Bestechung gegen 16 Mitglieder des Vorstands und des Verwaltungsrats.

Nicht nur der ehemalige Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU), der sich die Feier zu seinem 60. Geburtstag von der Sparkasse zahlen ließ, steht im Fokus der Ermittler – sondern auch der neue Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne).

Rzehak dürfte die Entwicklungen der Amigo-Affäre im Voralpenland mit erheblichem Bauchgrimmen beobachten, auch wenn er öffentlich die „volle Aufklärung“ fordert. Er trat im vergangenen Jahr in die Fußstapfen des langjährigen Platzhirschen im Landratsamt, CSU-Multifunktionär Kreidl.

Hat der Verwaltungsrat tatsächlich nichts von den Zahlen gewusst?

Mit dem Amt des Landrats übernahm Rzehak automatisch auch einen Sitz im Verwaltungsrat der Sparkasse. Er gehörte dem Gremium schon vorher an und ist damit der einzige Verwaltungsrat, der den Job auch nach der Affäre behielt.

Mit Ruhm, das ist einem Bericht des Innenministeriums zu entnehmen, haben sich die Verwaltungsräte, die eigentlich eine Kontrollfunktion ausüben sollten, in der Vergangenheit nicht bekleckert.

Von den umstrittenen Zahlungen, die vom Vorstand oder dem Verwaltungsrat in die Wege geleitet wurden und jetzt Gegenstand der Ermittlungen sind, bekamen Rzehak und seine Kollegen entweder nichts mit, schätzten sie falsch ein oder hielten sie für gerechtfertigt und erteilten ihre Zustimmung.

Das allein ist es allerdings nicht, was den Kreidl-Nachfolger, gegen den ebenfalls ermittelt wird, in ein fahles Licht stellt. Auch Wolfgang Rzehak gehört zu jenen Mitgliedern aus Vorstand und Verwaltungsrat, die gegen üppige Geschenke des früheren Sparkassen-Chefs Georg Bromme nichts einzuwenden hatten. Zur Geburt seines Sohnes etwa ließ sich Rzehak mit einem Silberbesteck im Wert von mehreren tausend Euro beglücken. Insgesamt sollen nach den Erkenntnissen der Rechnungsprüfer Geschenke im Wert von 121 255,53 Euro an die Mitglieder der beiden Führungsgremien geflossen sein.

Der neue Landrat schweigt zu den Ermittlungen

Wie der Sprecher der Sparkasse, Peter Sieben, erklärte, hätten die meisten Betroffenen die Geschenke inzwischen wieder zurück gegeben oder deren Wert erstattet. Auch Rzehak gehört dazu. Der Kreidl-Nachfolger selbst hat vor einiger Zeit eine Erklärung abgegeben, dass er hinter einer vollständigen Aufklärung der Vorgänge stehe. Konkret äußern will er sich nach Aussagen seines Pressesprechers wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens aber nicht.

Die Geburtstagsfeier von Rzehaks Vorgänger Jakob Kreidl, die mehr als 100 000 Euro kostete, zum größten Teil von der Sparkasse bezahlt wurde und die anrüchige Vetternwirtschaft in dem Geldinstitut zum Vorschein brachte, ist nur ein Teil des gesamten Ermittlungskomplexes. Sven Heidenreich, Sprecher der Staatsanwaltschaft München II: „Die Ermittlungen umfassen insgesamt zwölf Tatkomplexe, die ein finanzielles Engagement der Kreissparkasse im Gesamtvolumen von über einer Million Euro zum Gegenstand haben.“

Die vom Innenministerium vorgelegte Liste der beanstandeten Zahlungen der Sparkasse ist ellenlang. Nicht nur die Kosten von Kreidls Geburtstagsfeier wurden übernommen, die Sparkasse zahlte auch die Rechnung (55 374,37 Euro) der Geburtstagsfete von Kreidls Stellvertreter, die Trauerfeier (32 779,58 Euro) für den verstorbenen Alt-Landrat, sowie die Abschiedsfeier (90 439,79 Euro) für Sparkassenchef Georg Bromme, der bei dieser Gelegenheit auch noch ein Bargeldgeschenk von 7500 Euro erhielt.

Weitere nicht gerechtfertigte Mittel flossen dem Ministeriumsbericht zufolge unter anderem in eine Fahrt von Bürgermeistern nach Serfaus und Interlaken (49 244,76 Euro), in die Renovierung und den Umbau des Landratsamtes (455 639,99 Euro), in den Kauf und die Renovierung der Geitauer Almen (1 652 399,32 Euro), in eine weitere Fahrt von Bürgermeistern nach Triest (56 934,37 Euro), eine Kreistagsfahrt in die Steiermark (26 750 Euro), in die Renovierung und Sachausstattung des Sitzungssaales im Rathaus Weyarn (193 061,29 Euro), in die Bewirtungskosten (jeweils zwischen 900 und 2000 Euro) und in den Ankauf von Kunstwerken des Vorstandsvorsitzenden (44 900 Euro).

Der Verwaltungsrat der Kreissparkasse hat beschlossen, die ungerechtfertigten Zahlungen von den Verantwortlichen, vor allem vom langjährigen Vorstandsvorsitzenden Georg Bromme, zurückzufordern, zur Not auch vor Gericht.

Soweit ist es nach Angaben von Sparkassen-Sprecher Peter Sieben jedoch noch nicht. Mit einer vollständigen Rückerstattung des Geldes rechnet die Kreissparkasse offensichtlich nicht. Sprecher Sieben: „Das wäre illusorisch.“

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